Graspop Metal Meeting 2007

Eigentlich ist ja das letzte Juniwochenende jeden Jahres für das Bang Your Head Festival reserviert – so war es jedenfalls die letzten Jahre. Da ich aber bereits in den vergangenen Jahren immer weniger motiviert die knapp 700 Kilometer hinter mich gebracht hatte und 2006 dann schon vorzeitig wieder abgehauen war, brachte die Festivalplanung für dieses Jahr einige Diskussionen (vor allem mit mir selbst) mit sich. Auf meiner Pro-Seite stand nur ein Wort: Hammerfall.

Holger sagte eines Tages, wir könnten doch nach Belgien zum Graspop fahren – eigentlich war das ein Scherz. Die Pro- und Contraliste ergab dieses Mal jedoch keine Contra- sondern nur Pro-Punkte und so war es beschlossene Sache: Wir fahren zum Graspop Metal Meeting!

Da wir das ganze stressfrei angehen wollten, hatten wir alles schön geplant. Nach der Schule wollten wir das Auto packen und dann noch ein paar Stunden schlafen um dann mitten in der Nacht aufbrechen zu können. Im Gegensatz zum BYH musste man dieses Mal kein vorzeitiges Öffnen des Campingplatzes befürchten und konnte sich nach klaren Zeitangaben richten. Es kam dann aber doch anders als geplant – eh klar! Ich musste länger in der Schule bleiben und kam erst um kurz nach 17 Uhr nach Hause, da wollten wir aber schon fast schlafen! Das Auto konnten wir auch nicht stressfrei beladen, es schüttete wie aus Eimern und Holger weigerte sich, den ganzen Kram durch den Regen zu schleppen. Seinen Vorschlag, über die Grünanlagen vor dem Haus zu heizen und dann bis direkt vor die Tür zu fahren, bewirkte bei mir keine Begeisterungsausbrüche. Egal, irgendwann war das Zeug im Auto und ich klatschnass und so überhaupt nicht müde. Unnötig zu betonen, dass man auch nicht einschläft, wenn man sich immer wieder sagt, dass man jetzt schlafen muss!

So machten wir uns gegen 23 Uhr auf den Weg – ohne wirklich geschlafen zu haben. Aber dafür waren die Autobahnen um diese Zeit frei und es sprach nichts gegen ein schnelles Vorankommen ... fast nichts ... bis auf den Regen!!! Der war teilweise so stark, dass kaum mehr als Schrittgeschwindigkeit drin war, suuuper, Aber egal, wir ließen uns die Vorfreude nicht nehmen, wo bekommt man schon so ein Billing wie in Belgien geboten? NIRGENDWO. Bis Belgien lief alles super, wir verfuhren uns nicht und zumindest ich war optimistisch, dass wir die paar Kilometer in Belgien schon schaffen würden, auch wenn wir keinen Plan hatten, wo wir hinmussten. Dank meiner leeren Druckerpatrone war ein Ausdrucken der Strecke nämlich nicht möglich gewesen und aus irgendwelchen Gründen kamen wir überhaupt nicht auf die Idee, uns mal ein paar Notizen zu machen. Und das rächte sich nun!

Ich hatte den genialen Einfall, einfach anderen Langhaarigen nachzufahren. Die Idee find ich nach wie vor nicht schlecht, sie hat nur einen Haken: Man braucht Langhaarige, denen man folgen kann – und die hatten wir nicht. Nachdem wir also planlos hin- und hergefahren waren kaufte ich irgendwann eine Karte und schwupdiwups waren wir da.

Wie alle anderen wurden wir auf einen riesigen Parkplatz (na eigentlich war es ein Feld) gelotst und dann konnten wir uns seelisch auf einen langen Fußmarsch mit unserem ganzen Gepäck einstellen. Beladen mit unserem Zelt, Pavillon, Schlafsäcken usw. latschten wir los zum Eingang wo sich schon lange Schlangen gebildet hatten – unterteilt in Frauen- und Männereingänge. Ich Blödkuh war wahrscheinlich die einzige die sich daran hielt und wurde gleich mit einer Extrawartezeit von ca. 20 min. bestraft. Holger war schon drin, jedoch OHNE unseren schicken neuen Pavillon, die Dinger waren nämlich aufgrund von Platzmangel verboten. Auch Glasflaschen durfte man nicht mitnehmen, das wusste ich, dass nun aber auch noch starke Alkoholika verboten waren, fand ich unglaublich. Ich setzte also mein unschuldigstes Lächeln auf und kam ohne Probleme durch die Kontrollen.

Auf den Weg nach einem geeigneten Platz für unser Zelt lernten wir gleich, dass man sich in Belgien keinen Platz aussucht, man bekommt ihn zugewiesen. Und der Weg bis zu diesem Platz ist auch genau vorgegeben, wehe dem, der es wagt von den vorgegebenen Wegen abzuweichen und ganz rebellisch einfach über die Wiese zu laufen! Wir haben es versucht – BÖSE FALLE. Gleich kam irgendein anatolisch aussehender Belgier auf uns zu und verwies uns der Wiese. Wir fanden das nur lächerlich, quatschten ihm einen Pickel ans Ohr und schlappten weiter. Weit kamen wir nicht, es kamen noch etliche von den netten Herren und irgendwann fügten wir uns widerwillig. Unser Zeltplatz erwies sich dann als strategisch gar nicht so ungünstig, vor allem weil wir uns an einem Hochsitz orientieren konnten und somit nicht fürchten mussten, verloren zu gehen.

Nachdem das Zelt stand machten wir uns auf den Weg, den restlichen Kram aus dem Auto zu holen und dabei unseren Pavillon wieder zurück zu bringen. Der Haufen aussortierter Pavillons am Eingang war inzwischen zu einem anständigen Berg gewachsen, einige Besucher hatten es aber trotzdem irgendwie geschafft, ihre mit hinein zu schmuggeln. Dieses Mal war es schon komplizierter, wieder zum Eingang vorzudringen. Die kleine schmale Straße war so gnadenlos vollgestopft, dass man kaum durchkam. Meiner Meinung nach recht unklug organisiert, denn die Leute standen erstmal am Ticketschalter an, um ihre Umtauschscheine in Tickets zu tauschen – das brauchten wir ja nicht. Also quetschten wir uns, gefolgt von bösen Blicken, durch die Massen und stellten uns dann an die für uns relevanten Schlangen an.

Auch dieses Mal schlappten wir wieder quer über´s Feld, wir dachten es wäre offensichtlich, dass wir weder in einer Konservendose noch in einer 5-Minutenterrine schlafen würden, und somit nur auf der „Durchreise“ waren. IRRTUM. Wir wurden wieder des Feldes verwiesen, alle Erklärungen, wir hätten doch überhaupt kein Zelt dabei, welches wir regelwidrig aufstellen könnten, führten nur dazu, dass der Klappsmann Verstärkung von noch so einem bekam. Ich tröstete mich damit, dass ich wenigstens den halben Rucksack voller verbotener Güter (so ganz gefährliche Sachen wie Marmelade und Kaffeeweißer im Glas – HOCHKRIMINELL und moralisch verwerflich) hatte und schlappte zum Zelt.

Als alles soweit fertig war, gingen wir erstmal auf´s Gelände. Das war ein ziemlich langer Fußmarsch, dafür gab es aber kaum Kontrollen am Eingang. Thin Lizzy hatten wir verpasst, im Moment konnten wir einen Blick auf Sabaton werfen – es blieb bei einem Blick. Auf der Mainstage spielten Static X, die waren nicht schlecht, rissen uns aber auch nicht so von den Socken und so schauten wir uns die Stände an. Allerdings war uns alles ein wenig zu teuer, bis auf ein Girly für Michi und mich, welche ich abends kaufen wollte, fanden wir nichts. Da wir beide recht fertig waren und um 18:55 zu Grave Digger fit sein wollten, gingen wir zurück zum Zelt und schliefen eine Runde.

Kurz bevor wir uns wieder auf den Weg machen wollten, begann es zu schütten wie aus Eimern. Auch wenn Grave Digger in einem der Zelte spielten, den langen Weg bis dorthin hätten wir wahrscheinlich halb schwimmend hinter uns bringen müssen und darauf waren wir nicht so scharf – also blieben wir noch ein wenig im Zelt und hörten dem munteren Treiben um uns herum zu. Offensichtlich gibt es auch eine belgische „Helga“, nach der permanent gerufen wurde. Diese geriet im Laufe des Festivals jedoch ein wenig in Vergessenheit, stattdessen kam Timmy von Southpark groß in Mode, grins.

Wir kamen an diesem Abend nur schwer in Gang, entweder die gerade spielenden Bands interessierten uns nicht so oder aber der Regen hielt uns vom Losgehen ab. Kurz bevor Aerosmith an der Reihe waren, gingen wir dann doch endlich los. Auch das Wetter spielte endlich mit. Obwohl wir beide nicht zur Fangemeinde von Aerosmith gehören, waren wir uns einig, dass man die Chance, sie mal so nebenbei zu sehen, nutzen sollte um uns einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Das war auch gut so, wir waren beide ziemlich beeindruckt von Herrn Tyler und Co. So verging die Zeit wie im Flug, ich machte fleißig Bilder und kurz vor Ende gingen wir in das Zelt, wo Blind Guardian um 1:20 Uhr spielen sollten. Wir quetschten uns noch nach vorne in die erste Reihe und versuchten, unsere aufkommende Müdigkeit zu unterdrücken. Schließlich war das ja – Festival hin oder her – überhaupt nicht mehr meine Zeit, ich gehöre ja eher zu denen, die sich als erste ablegen, grins. Na jedenfalls war es ein guter Auftritt, wir hatten unseren Spaß und die Jungs anscheinend auch. Auch der Regen hatte mal eine Pause eingelegt und so konnten wir uns gemeinsam mit tausenden Metallern durch den schmalen Ausgang in Richtung Zeltplatz vorschieben.

Wir waren so groggy, dass wir ohne größere Probleme einschliefen.

Da die Sonne sich auch an diesem Tag eine Auszeit gönnte, konnten wir ganz in Ruhe ausschlafen. Das war doch mal was, normalerweise hält man es im Sommer ja schon sehr früh nicht mehr in der transportablen Festivalbehausung aus und krabbelt noch schlaftrunken an die frische Luft. Nicht so an diesem Samstag. Wir pennten regelrecht um die Wette und wären nicht die zahlreichen „Timmmmmmyyyyyyy-Rufe“ gewesen, dann wären wir wohl erst mittags aus der Luke gekrochen. Ein Blick auf die Running Order bestätigte uns in unserer Trödelstimmung: Eigentlich reizte uns keine der Bands, die während der nächsten Stunden auftraten. Und so machten wir uns erstmal lecker Frühstück. Auf dem Speiseplan standen Spiegeleier und Toast.

Mittags haben wir uns dann mal auf den Weg zum Auto gemacht, da ich nicht genug Chips für meine Kamera dabei hatte und somit meine Bilder wenigstens einmal am Tag auf den Schleppi ziehen musste. Naja, so ein wenig Bewegung schadet ja nicht. Wir beobachteten den Himmel eine Weile und als sich die Wolken doch bedenklich näherten, machten wir uns schnell auf die Socken um vor dem Regen zurück zu sein. Das gelang uns zum Glück auch. Kaum zurück, ging das Unwetter auch schon los und wir verkrochen uns mal wieder ins Zelt. Was für ein Festival, faulenzen ohne Ende, grins. Irgendwann meldeten sich unsere Mägen und wir beschlossen zu grillen. Besser gesagt, Holger ging zum Klo und ich sollte schon mal den Grill anwerfen. Ha, nichts leichter als das... Nur sollte man einen Einweggrill erst an den ausgewählten Ort stellen und dann anzünden und nicht umgekehrt. Das weiß ich jetzt auch ... jetzt. Ich versuchte es erstmal anders herum. Der Grill stand also recht nahe am Zelt unseres Nachbarn, die Flammen schlugen wild umher und kamen dabei verdächtig nahe an die Spannschnur. Meine Versuche, den Grill zur Seite zu bewegen scheiterten und so hoffte ich einfach auf ein wenig Glück. Dieses hatte ich dann auch, Holger kehrte bald zurück und schoss den Grill kurzerhand ein paar cm zur Seite. Hm... das wäre mit meinen Flipflops schmerzlich gewesen. Während des Grillens fing es mal wieder an zu regnen und wir grillten einfach unter unserem Tisch weiter, hat sicher lustig ausgesehen...

Gegen 15 Uhr, das Wetter meinte es gerade mal gut mit uns, machten wir uns auf den Weg zum Festivalgelände. Holger hatte sich mit ein bis zwei Mischungen bewaffnet und war so für eine Weile versorgt. Im ersten Zelt spielten Thurisaz, ich hüpfte hinein, machte ein paar Bilder und lief dann weiter. Wirklich beeindruckt hatte mich diese Band nicht, viele andere aber offensichtlich schon. Auf der Mainstage spielten Life of Agony, die hatte ich noch nie gesehen, kannte sie eigentlich auch nur vom Namen her und so nutze ich die Chance, mir mal einen Eindruck von den Jungs zu verschaffen. Dabei blieb es dann auch. Für so einen Verfechter des Powermetals und dergleichen wie mich ist das wohl zu neumodisch... Im nächsten Zelt war dann ne Megastimmung und ich schaute mir das mal genauer an. Auf der Bühne war eine Band namens Less Than Jake. Die ersten Reihen tobten und ich schloss daraus, dass das wohl eine Art nationaler Kracher sein musste. Als ich mich gerade so an die Jungs zu gewöhnen begann, meinten einige von ihnen, ganz schlaue Ansagen tätigen zu müssen. Ich hörte nur so was wie „Wir haben gestern in Deutschland gespielt und da war es scheiße“, Holger bestand jedoch darauf, dass sich die Beleidigungen auch direkt gegen die Deutschen gerichtet hätte. Dazu fällt mir nur eines ein: „Meine lieben Herren von dieser Band, wenn ihr der Meinung seid, bei uns ist es scheiße, dann bleibt doch mit eurem Körperteil, welcher in der Regel für Körperausscheidungen gebraucht wird, in eurem Land, WIR haben genug gute Bands und die wissen auch, wie man sich im Ausland benimmt!!!“

Wir verließen also das Zelt, unnötig zu erwähnen, dass wir nicht zurückkehrten. Selbst der einsetzende Regen änderte daran nichts. Ehrlich gesagt hätten wir auch gar nicht mehr in das Zelt gepasst, da sich fast alle in die Zelte retteten. Nur ein paar blieben tapfer im Regen stehen und versuchten sich auf die ein oder andere Art zu schützen. Die einen quetschten sich in Kleingruppen unter Planen, andere krabbelten unter die Rollstuhlfahrer-Tribüne. Das war dann wahrscheinlich weniger bequem, für uns Vorbeigehende jedoch äußerst amüsant anzusehen! Wir hatten unsere Regenjacken, die uns zumindest ein wenig Schutz boten und schlappten durch den Matsch. Holger konnte sowieso nichts die Laune verderben, er war dank der bereits vernichteten Mischungen megagut drauf.

Ich machte mir eher Sorgen um meine Knipserei. Schließlich sollten als nächstes Heaven and Hell auf der Mainstage – der einzigen nicht überdachten Bühne – spielen. Meine Sorge erwies sich als unnötig, genauso schnell wie es angefangen hatte zu regnen, hörte es auch wieder auf. Ich konnte ein paar Bilder machen und fand die alten Herren gar nicht so schlecht. An diesem Tag waren sie mit Abstand das beste, was wir bis dahin gesehen hatten. Jaaaaa, ich weiß selbst, dass wir vorher nicht wirklich viele Bands gesehen hatten! Grins.

Irgendwann wurde es dann wieder verdächtig dunkel und wir beschlossen, zum Zelt zu gehen und etwas zu essen. Da wir uns eh nur ein paar Songs von Korn anschauen wollten, geriet unser Zeitplan auch nicht durcheinander – hätte es einen Zeitplan gegeben. Selbst ich hatte bei den Wetterverhältnissen jegliche Planerei aufgegeben. Der einzige verbindliche Plan für diesen Abend lautete: IRON MAIDEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Und der war auch unumstößlich.

Vollgefuttert und um ein paar Zehntelpromille reicher machten wir uns dann wieder auf den Weg zum Festivalgelände. Dort warfen wir noch einen Blick auf Korn. Nunja.... auch die sind ne Runde zu neumodisch für mich aber die Menge tobte. Wir gingen ins Zelt nebenan, denn dort sollten Dimmu Borgir als nächstes auftreten. Ich fand sie beim Earthshaker vor ein paar Jahren echt unterhaltsam, auch wenn die Musik nicht so ganz mein Fall war. Also drängelten Holger und ich uns nach vorne und warteten. Nur irgendwie waren sie dann ganz anders als ich sie in Erinnerung hatte. Also drängelten wir uns wieder raus.

Um promillemäßig ein wenig mit Holger gleichziehen zu können holte ich mir ne Bowle. Was für eine Idee. Theoretisch gesehen sicher auch nicht schlecht, nur sollte man das vielleicht nicht an einem Obststand tun. Ich bekam also eher einen Vitamin- statt einen Promilleschock aber egal. Es war 30 minutes to Maiden und so konnte mir nichts die Laune versauen. (Na höchstens die Ansage, sie würden nicht spielen!) Wir suchten uns ein Plätzchen in der Nähe der Bühne und warteten. Plötzlich war es 1 Uhr nachts und Maiden gingen von der Bühne. So kam es mir jedenfalls vor. Die zwei Stunden vergingen so schnell, dass ich es auch heute noch gar nicht glauben kann. Wir haben gefeiert wie die kranken, mit unseren Nachbarn gebangt bis den Haaren schwindelig wurde und einfach nur Spaß gehabt ohne Ende.

Und dann war es vorbei.

Zusammen mit der Masse quetschten wir uns durch den Ausgang und schoben uns in Richtung Zeltplatz. Holger sang noch ne Runde Hammerfall, ich hielt mich an Maiden und irgendwann schliefen wir ein – trotz lautstarker „Tiiiiiiiiiiiiimmyyyyyyyyyyyyyy-Rufe“.

Sonntag früh – und das Festival geht weiter. Eine sehr seltene Erfahrung. Und vor allem: Es war Hammerfall-day! Wir konnten auch diesen Tag etwas langsamer angehen. Nicht nur da wir die ersten Bands nicht unbedingt sehen wollten, sondern auch weil das Wetter mal wieder rummuckte. Nachdem wir gefrühstückt hatten machten wir uns auf den Weg zum Auto, wo ich meine Bilder auf den Schleppi lud. Anschließend waren wir schon so in Lauflaune, dass wir nach einem Ministopp am Zelt gleich weiter zum Gelände gingen. So langsam wurde es auch Zeit, schließlich war es schon nach 14 Uhr und wer mich kennt der weiß, dass ich mir Hammerfall natürlich aus der ersten Reihe anschauen wollte – Holger war begeistert... nicht.

Als wir auf den Gelände ankamen, die Mischungen hatte Holger natürlich wieder gut verstaut, spielten gerade Black Label Society und ich hetzte nach vorne um ein paar Bilderchen zu machen. Da es der letzte Song war, blieb mir nicht wirklich viel Zeit. Das Timing war perfekt, als sie aufhörten quetschte ich mich in die erste Reihe und Holger kam tooootal begeistert zu mir. Die Begeisterung stieg dann ins unermessliche als es mal wieder anfing zu regnen. Um uns herum wurde es immer leerer, das Drängeln hätte ich mir also sparen können. Holger hielt die Stunde über tapfer durch, machte sich dann aber während des zweiten Hammerfall-Songs vom Acker. Ich nervte meine Nachbarn mit pausenlosem Kopfgewackel und grölte wie eine Große die Songs mit. Irgendwann beschloss ich jedoch, wenigstens die Zugaben mit Holger zusammen anzuschauen und quetschte mich bis zu ihm durch. Ihm war nur irgendwie nicht so nach Party, weiß der Geier warum. Also stand ich dann da zwischen den ganzen Spaßbremsen und erntete böse Blicke von denjenigen, die meine Haare abbekamen. Schicksal.

Um 16:50 Uhr war dann mein Highlight des Tages vorbei. Etwas planlos standen wir da und überlegten, was wir nun tun sollten. Ein Blick auf die Running Order verriet uns, dass in unmittelbarer Zukunft nichts für uns auf eine der vier Bühnen steigen wird und so traten wir den Rückweg an. Der Whiskeyvorrat wurde wieder aufgefüllt bzw. vernichtet und pünktlich zu Slayer machten wir uns zusammen mit vielen anderen auf den Weg. Holger hatte den letzten Rest des Allohoooools dabei und dieser wurde ihm prompt an der Eingangskontrolle abgenommen. Häääääääääää? Dachten wir uns, da latscht man tagelang mit dem Zeugs bewaffnet in der Gegend herum und die letzten paar Tröpfchen wollen sie einem dann entwenden? Nix da, wir kippten das Zeug in uns hinein und durften dann auf´s Gelände.

Ich bin ja bekanntlich nicht wirklich ein Slayer-Anhänger, muss aber gestehen, dass ich den Auftritt wirklich gut fand. Besonders unterhaltsam war es jedoch, die ganzen ausflippenden Fans zu beobachten, grins. Anschließend hatten wir wieder eine gute Stunde Zeit, dann war Ozzy an der Reihe und das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Holger bekam Hunger und da wir noch jede Menge Zeugs am Zelt hatten, gingen wir zum Essen noch einmal zurück. Während die ersten Töne von Ozzy erklangen, flitzten wir wieder auf das Gelände und kamen ziemlich weit nach vorne. Das wäre aber nicht nötig gewesen... Ich hab Ozzy mal Anfang der 90er gesehen, da fand ich ihn geil aber inzwischen... Mal ganz ehrlich, der Mann ist eine Legende, da braucht man gar nicht diskutieren... aber das war Harald Juhnke auch irgendwie und die letzten Bilder von ihm wollte auch keiner wirklich sehen, oder? So ähnlich ging uns das mit Ozzy. Nachdem ich ihn eine Weile über die Leinwand betrachtet hatte und seine Motorik mich mehr an die eines Kleinkindes als an die eines erwachsenen Mannes erinnerte, hielt ich es für schlauer, ihn nur noch aus ausreichender Entfernung anzusehen. Die meisten anderen waren entweder total betrunken und bemerkten das nicht oder hatten dieselbe Taktik wie ich, jedenfalls feierten sie den alten Herren gebührend. Ich hörte mehr hin als dass ich hinsah und amüsierte mich über die kleinen Spitzen, die zwischen Ozzy und Zack ausgetauscht wurden. Seinem Humor hatten Ozzys Drogeneskapaden anscheinend nicht viel anhaben können. Da wir nicht wieder stundenlang im „Stau“ stehen wollten, gingen wir kurz vor Ende und gelangten so ohne größere Probleme zu unserem Zelt. Das mit dem Schlafen war dann weniger problemlos. Unweit unseres Zeltes sammelten sich unzählige Metaller, die offensichtlich noch nicht genug gefeiert hatten und die aufgrund eines nicht vorhandenen Partyzeltes ihre Feier an Ort und Stelle fortsetzten. Das Wort der Party war natürlich wieder „Tiiiiiiiiiiiiiiiiiiimmmmmmmyyyyyyyy“. Holger und ich krabbelten irgendwann wieder aus dem Zelt um uns das Spektakel anzusehen. Viel zu sehen gab es jedoch nicht, sie standen einfach nur da, grölten in der Gegend herum und wer gerade zufällig vorbeikam blieb stehen und grölte mit, super. Ich stopfte mir meine Stöpselchen ins Ohr und versuchte zu schlafen....

Am nächsten Morgen hatten wir relativ schnell eingepackt und machten uns voll beladen auf den Weg zum Auto. Auf dem Weg kamen wir an unendlich vielen demolierten Pavillons vorbei und fragten uns, was mit den ganzen Teilen passiert ist – aber da sie ja eh nicht erlaubt gewesen waren... selbst Schuld (vielleicht sind die militanten Securitys ja auch mit ihren Quads drüber geheizt, grins)

Also, anfangs hatte ich ja schon ziemlich die Nase voll von dem ganzen Gelatsche und Verboten, im Nachhinein halte ich es doch für wahrscheinlich, dass ich öfters mal beim Graspop vorbeischaue, vom Billing her gibt es wohl kein konkurrenzfähiges Festival in Deutschland!