Metal Fest Pilsen 21.5.-24.5.2010

 

Irgendwie lief schon im Vorfeld alles etwas suboptimal. Erst wurde mein Akkreditierungsantrag ignoriert, dann kam eine Absage, dass leider nur „big medias“ akkreditiert werden und letztendlich kam dann plötzlich die Zusage. Was lernen wir also daraus? Entweder ich rechne rock-pictures.de inzwischen zu den „big medias“ – das wäre wohl doch ein sehr hohes Maß an Realitätsverlust – oder aber die Herren und Damen vor Ort waren ein wenig unkoordiniert. Egal, Michi und ich beschlossen also, zum Metal Fest nach Pilsen zu fahren. Da meine Klasse an diesem Tag noch ihre Fahrradprüfung ablegte, konnte ich nicht einmal frei nehmen und ließ Michi also in der Schule antanzen. Kaum war das letzte Kind mit seinem Fahrrad zurück an der Schule, flitzten wir beide zum Auto und fuhren los.

Die Fahrt wurde spontan zu einer kleinen Sight Seeing Tour durch das tschechische Land, da wir Dank einer Straßensperrung etliche Umleitungen fuhren durften. Die führten uns über kleine Feldwege, durch ein Ghetto und mitten durch Weinberge – es war wohl nicht die vorgesehene Umleitung, da das Schild, welches ich als Umleitungsschild interpretiert hatte, wahrscheinlich doch eher ein Stadtname war. Mein tschechisch ist definitiv verbesserungswürdig, Lektion 1 hat mich gelehrt: Louny heißt NICHT Umleitung, sondern ist vielmehr eine Stadt oder zumindest so etwas ähnliches, denn plötzlich erschien an einer Ecke ein Hinweisschild, dass es noch 80 Km bis nach Pilsen waren. Wir waren also nicht total vom rechten Weg abgekommen :-)... Wir Bevor wir allerdings endlich in Pilsen ankamen, passierten wir noch eine Polizeikontrolle. Nein, wir passierten sie nicht, wir wurden natürlich heraus gewunken. Lektion 2: Switschie (hierbei handelt es sich nur um die Lautschrift, mein schriftliches Tschechisch ist NOCH VERBESSERUNGSWÜRDIGER als das mündliche) hat offensichtlich etwas mit Licht zu tun – und dieses sollte ich anschalten. Oder der gute Herr hatte bemerkt, dass ein Bremslicht bei mir nicht ging, dann heißt es wohl Bremslicht. Ich lächelte nett, nickte wissend und fuhr weiter. In weiser Voraussicht lieber nicht bremsend, damit das bis dahin eventuell doch noch nicht entdeckte defekte Bremslicht nicht auch noch aufflog.

Das Finden des Hotels erwies sich dann noch einmal als besondere Herausforderung, ich wurde fast irre! Death Angel konnte ich mir schon mal abschreiben, super. Michi hatte im Vorfeld die Ansage bekommen, alles unmetallische wie Tischdecken und so´n Kram zu Hause zu lassen, in Wacken hatte sie unser „Gelände“ fast in ein Wohnzimmer verwandelt. Kaum im Hotel angekommen, traf mich wieder einmal fast der Schlag: Da standen Hausschuhe vor ihrem Bett. HAUSSCHUHE!!! Was war das dann? Bei mir flogen nur Lederklamotten und Stiefel aus dem Trolli und Madame packt ihre HAUSSCHUHE aus?!? Naja, das ist eben meine Michi... Bis zu Korpiklaani hatten wir noch so viel Zeit, dass wir erst einmal in Ruhe einen tranken. Genau genommen trank ich erstmal einen und sie räumte ihren Koffer aus, klar! Jeder macht das, was ihm am Herzen liegt. Ich hockte also mit der Mischung am PC und probierte die Internetverbindung aus und Michi räumte auf. Klassische Rollenverteilung eben. Bei den Klamotten kehrt sich diese dann aber wieder um... Aus der einen Mischung wurden dann ganz schnell mehrere (auch meine Begleitung war inzwischen mit eingestiegen und holte schnell auf!) und mit zwei Mischungen ausgestattet zogen wir dann irgendwann los. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir wohl schon annähernd denselben Pegelstand, wie diejenigen, die mittags bereits mit dem Feiern begonnen hatten. Nur mussten die nicht mehr bis zum Gelände laufen! Und vor allem: Sie mussten es nicht erst noch finden!!! An der Rezeption ließen wir uns zwei Kreuze in unseren Stadtplan machen: Start und Ziel, so konnten wir im Notfall immer zurückfinden, das war der Plan. Ich konnte es gar nicht glauben - da findet ein paar hundert Meter weiter ein Festival statt und man sieht und hört nirgendwo etwas! Wir eierten also die Straßen entlang, fragten uns durch und trafen zwei Langhaarige. Der erste guckte nur skeptisch, als Michi ihm ein lautes „Meeeeetaaaaaaal“ über die Straße entgegen grölte, der andere war so eingeschüchtert, dass er sich fast gar nicht traute uns anzuschauen, als er in die Richtung zeigte, in die wir weitergehen sollten.

Irgendwann hörte ich aber endlich die Musik – Korpiklaani spielten schon längst – und somit waren die letzten Meter bald geschafft, wir bekamen unsere Pässe und gingen ohne jegliche Kontrolle auf das Gelände. Da hätten wir uns ja noch die ein oder andere Mischung einstecken können! Im Nachhinein muss ich allerdings sagen, dass das wohl gut so war...

Wir gingen also in das überschaubar gefüllte Amphitheater und schauten uns den Rest von Korpiklaani an, naja, eigentlich nur ein paar Songs, dann wurden wir prompt zu ´nem Drink eingeladen. Dem erstbesten mit einem Primal Fear-Shirt quatschte ich einen Pickel ans Ohr, der erzählte mir dann irgend etwas von Brainstorm und so waren wir gleich Freunde, hihi. In kürzester Zeit kannten wir alle um uns herum im Bierzelt, die haben sich wohl gedacht, die zwei deutschen betrunkenen Tussis sind willig und bekommen nichts mehr mit – ha, wir hatten doch gerade erst begonnen! Egal, wir unterhielten uns ´ne Weile und gingen dann zu Amon Amarth. Ich in den Fotograben und Michi – so stellte sich hinterher heraus – geradewegs wieder an die Theke. Nachdem ich meine Fotos gemacht hatte, war Michi nämlich verschwunden. Lange musste ich jedoch nicht suchen, zwei gackernde Gestalten kamen direkt auf mich zugetorkelt. Na eigentlich gackerte nur eine von ihnen, nämlich Michi. Die andere Gestalt war ein Typ, der von seiner Freundin zusammen gesch.... wurde, die fand wohl nicht so lustig, dass ihr Fuzzi Michi ein paar Drinks ausgegeben hatte! Nur um noch einmal kurz den zeitlichen Rahmen, von dem ich hier rede, festzulegen: Ich war drei Songs im Fotograben! Innerhalb dieser Zeit hatte der Typ Michi angegraben, ihr ein paar ausgegeben und dann Stress mit seiner Alten bekommen; das ist doch schon mal ne Leistung – find ich jedenfalls.

Michi hatte für diesen Abend also genug und ich war auch ziemlich im Eimer. Also machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel. An diesem Abend war Kumpel Michi auf meinen Orientierungssinn angewiesen, sie wäre wohl direkt bis nach Prag getorkelt :-). Im Hotel gab es dann noch eine 5-Minuten-Terrine und dann krabbelten wir beide ins Bett.

Am Samstag wurden wir beide schon um 6 Uhr wach. Taktisch äußerst unklug, wenn um 12 Uhr die erste Band spielt! Wir gammelten, saßen am PC, und als es dann endlich soweit war, sich fertig zu machen, waren wir eigentlich schon das erste Mal wieder müde. Und was hatten wir natürlich auch schon hinter uns? Unsere erste Mischung (oder auch zwei...), schließlich waren wir hier nicht bei einem Kindergeburtstag, sondern beim Metal Fest. Irgendwie schafften wir es aber doch, mehr oder weniger pünktlich bei Fata Morgana auf dem Gelände zu sein. Hätten wir auf unsere super Abkürzung verzichtet, wären wir wohl nicht nur mehr oder weniger pünktlich gewesen, so mussten wir aber einen Hang hinunterklettern – was sich besonders für Michi in ihren Latschen (Wer mit Hausschuhen anreist, darf auch mit Latschen auf das Gelände!) als besondere Herausforderung des Tages entpuppte. Ich werde jetzt nicht genauer Schildern, wie sich das für mich optisch darstellte – aber es war sehenswert!!!

Nach Fata Morgana standen Powerwolf auf der Running Order. Dieses Mal gefielen sie mir entschieden besser als vor einem halben Jahr in einem kleinen Club. Da es aber schon wieder unerträglich heiß war, setzten Michi und ich uns ein wenig auf eine Wiese in den Schatten und beobachteten das Treiben aus einer gewissen Entfernung. Bei der nächsten Band entpuppte sich das für Michi auch als die richtige Entscheidung. VARG waren nicht wirklich nach unserem Geschmack. Sie blieb also auf der Wiese liegen, während Cheffe – diesen Spitznamen hatte sie mir mittlerweile verpasst – nach unten ging und Fotos machte. War auch okay so, es gab ein paar anständige Flammenwerfer, genau das, was man sich bei 30 Grad so erhofft, und ich konnte mit einer vollen Speicherkarte wieder zu Kumpel Blanket zurückkehren.

Eigentlich wollte ich an diesem Tag nur eine Band unbedingt sehen – und das waren Freedom Call. Nicht weil ich zu ihren größten Fans gehöre, sondern weil ich mich darauf freute, den ehemaligen Primal Fear Drummer und Gitarristen wieder zu sehen. Beide waren heute mit dabei, Klaus als festes Bandmitglied, Tom als Gast. Aber erstmal waren noch Leaves Eyes und Citron an der Reihe. Leaves Eyes sagten mir ja was, Citron war eine in die Jahre gekommene tschechische Rockband, die bei den einheimischen Besuchern offensichtlich für Begeisterung sorgte... für Michi und mich brachte ihr Auftritt ein wenig Zeit zum Ausruhen. Michi hatte sich schon einen amtlichen Sonnenbrand zugezogen, mir klebte der Rock am Körper und wir beiden hatten Durst wie die Ziegen, da kam uns eine kleine Pause wie gerufen!

Umso schwerer kamen wir dann um kurz vor 17 Uhr wieder in die Gänge. Aber es half ja nichts... Also stiefelten wir wieder nach unten, ich in den Fotograben, Michi irgendwo ans Absperrgitter und warteten, bis Freedom Call auf die Bühne gingen. Die Stimmung war blendend, Michi hüpfte sich eins, ich machte Fotos, alles war also bestens :-). Nur eben auch recht schnell vorbei, genauer gesagt nach 50 Minuten. Wir verzogen uns wieder in den Schatten und während Michi sich mit einem Burger und einem undefinierbarem Etwas vollstopfte, ging ich so langsam wieder in Richtung Fotograben, um Eluveitie zu fotografieren. Anschließend warteten wir auf das Ende der Autogrammstunde von Freedom Call, um den Jungs „hallo“ sagen zu können. Wie erwartet quatschten wir uns fest und so konnte ich von Nevermore nur noch bedingt Bilder machen. Naja, auch nicht so schlimm.

Während die Freedom Calls dann essen gingen, machten wir uns auf den Weg zur Bühne, um uns die Deathstars anzusehen. Bei dem Kreischalarm war ich kurzzeitig nicht mehr sicher, ob ich jetzt bei The Dome, den Backstreet Boys oder vielleicht doch bei der Bravo-Show oder so gelandet war. Das war unglaublich! Wenn es die Boxen schon nicht geschafft hatten, mir einen Tinitus zu bescheren, die Mädels hatten vollen Erfolg! Ich versuchte, mich einigermaßen zu beherrschen – waren wir nicht alle mal jung? (ja, aber trotzdem habe ich nicht wie eine hirnamputierte vor mich hingekreischt!) – und machte meine Bilder. Auch ganz abgesehen von der Hysterie in der ersten Reihe riss mich die Band nicht so richtig von den Socken aber Geschmack ist ja bekanntlich relativ :-)

Ähnlich ging es mir bei Sonata Arctica. Die waren nicht schlecht, ich musste sie mir aber auch nicht ein ganzes Set lang ansehen – tat ich auch nicht. Kaum kam ich aus dem Fotograben, standen da auch schon Klaus und Tom, sie hatten bereits Michi eingesammelt, und gemeinsam gönnten wir uns dann die eine oder andere Tennessee-Schorle. Der Rest der Band kam auch noch dazu und mit dem Anstieg des Promillepegels wurden die Gespräche und Aktionen immer wirrer. Mein besonderer Gruß geht hiermit an Achim: Sorry, sollte dein Akku beim Abhören der unzähligen Nachrichten auf deiner Mailbox versagt haben! Und auch diejenigen, die unfreiwilligerweise auf ein paar Cola verzichten mussten, damit wir wieder Nachschub hatten, möchte ich hiermit um Vergebung bitten :-). Michi, die in ihren Latschen ohne Socken langsam kalte Füße bekam (es hatte zwischenzeitig geschüttet, was sich erheblich auf die Temperatur auswirkte), schnorrte sich noch zwei Socken, die sie dann oberstolz präsentierte. Dass es sich hierbei um zwei unterschiedliche handelte, war wohl eher sekundär und in unserem Zustand sowieso eher verwunderlich, dass wir es überhaupt bemerkten!

Es war jedenfalls ein sehr lustiger Abend und ich kann nicht mehr sagen, wer hier nun wen zurück zum Hotel führen musste, Michi und ich waren beide gut dabei und der Weg erschien uns unendlich lang! Im Hotel dauerte es dann etwas länger, bis wir endlich unser Zimmer erreicht hatten, Einzelheiten werden hier lieber totgeschwiegen :-) Irgendwann kamen wir dann aber doch vor unserer Tür an, hatten noch ein paar Becher mit Wasser vom Kanister auf dem Flur mitgebracht (inklusive Überflutung desselben) und dann gab es erst einmal etwas zu essen. Immer wieder hoffe ich, dem Alkoholgehalt in meinem Blut so entgegenwirken zu können – und immer wieder muss ich feststellen, dass es nicht wirklich funktioniert! So fielen wir dann vollgefuttert in unsere Betten.

Sonntag... Der Tag, an dem uns bis 16 Uhr eigentlich keine Band interessierte. Wie wir vom Vortag bereits wissen: Ganz schlechte Voraussetzungen! Aber wenigstens schliefen wir an diesem Tag ein wenig länger. „Ein wenig“ ist hier jedoch eher wörtlich zu nehmen, ich saß bereits um hab 8 vor dem PC und lud die Bilder der Vortages von der Kamera (Himmel, wer hatte denn die alle gemacht???) und schaute Kumpel Michi zu, wie sie seelenruhig in ihr Kissen schnorchelte. Ja, ich war neidisch – natürlich war ich das! Auch ich hätte meinem Körper mal gerne eine etwas längere Regenerationsphase gegönnt aber neeeee, mich trieb ja schon wieder die Unruhe. Michi wurde kurz wach, schaute verschlafen auf die Uhr und stöhnte nur ein „Du hast doch ADHS!“. Super, das will man am Morgen als erstes hören, klar. Haben wir nicht alle ein wenig ADHS??? Na Michi in diesem Moment jedenfalls nicht, sie hatte ihre Portion ADHS an mich weitergereicht und schlief schon wieder. Ich langweilte mich...

Während ein Bild nach dem anderen von der Kamera auf den PC wanderte, legte ich mich wieder ins Bett und versuchte zu schlafen. Bei dem Versuch blieb es dann auch. Ab 9 wurde ich etwas unruhig und somit nutzte ich die neue Diagnose, um nonverbal nach Aufmerksamkeit zu schreien, auf gut Deutsch: Ich machte so lange Krach, bis Michi endlich aufstand und sich als Kommunikationspartner zur Verfügung stellte. Mehr oder weniger freiwillig. Zum Frühstück gab es wieder 5-Minuten-Terrinen (jaaa, ich weiß, das grenzt schon an Perversion – na und?!?) mit Toast und dann gammelten wir noch ein wenig herum. Ich fasste den total absurden Entschluss, an diesem Tag mit dem Auto zum Gelände zu fahren, somit war der morgendliche Umtrunk für mich gestorben. Ich denke, Michi glaubte bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir ins Auto stiegen, nicht wirklich daran, dass ich das durchziehen würde. Ich wiederum glaubte nicht, dass mein Auto die ganzen zwei Tage über nicht verschlossen vor dem Hotel gestanden hatte! Kumpel Blanket hatte darauf bestanden, alle Wertgegenstände umgehend aus dem Auto zu entfernen, denn „bei den Tschechen weiß man ja nie!“, und hatte dann aber mal eben vergessen, dass Auto selbst zu verriegeln – oder mein Atze (das ist der werte Name meines „fast-Ghetto-Flitzers“) zählt für Michi nicht als Wertgegenstand, das sollte ich vielleicht noch einmal mit ihr erörtern... Jedenfalls war Atze noch da, die nicht vorhandenen Wertgegenstände natürlich nicht (hä???) – aber das war ja auch nicht schlimm! :-) Gegen 12 Uhr fuhren wir dann los und waren kurz darauf am Gelände.

Nightmare war die erste Band, die ich an diesem Tag aus dem Fotograben erlebte. Michi verzog sich auf die Rasenfläche oben und nach dem dritten Song folgte ich ihr. Irgendwie brauchten wir an diesem Tag etwas länger, um in die Gänge zu kommen. Und heiß war es auch schon wieder! Die nächste Band war wieder etwas tschechisches, meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, somit machte ich mich nach den ersten drei Songs schnell wieder vom Acker. Dieses Verhaltensmuster zog sich durch den gesamten Nachmittag. Auch Vader und Marduk standen nicht wirklich oben auf meiner Wunschliste und Kumpel Blanket stöhnte schon, ob das Gegrunze an diesem Tag auch noch einmal enden würde. Ja, das würde es... Genau genommen schon bei der nächsten Band: Brainstorm. Neben Hammerfall für mich so ziemlich der einzige Grund, an diesem Tag überhaupt anwesend zu sein. (Jaaaaa, so lange ich einen Fotopass habe, bin ich natürlich auch sonst gerne anwesend, mein Gehör jedoch nicht!) Von unseren Logenplätzen aus schauten wir den Jungs beim Ausladen ihrer Sachen zu und beobachteten die Vorbereitungen.

Irgendwann stiefelten wir dann die Treppen herunter, Michi ging wieder einmal ans Absperrgitter, ich in den Fotograben. Wie bereits am Vortag bei Freedom Call ging ich danach zu ihr und wir hüpften und sangen uns zusammen eins und ebenfalls wie am Vortag, war wieder alles viel zu schnell vorbei! Wir verkrümelten uns wieder auf die Wiese, packten unseren Orangensaft aus (den hatte Michi mit auf´s Gelände gebracht – ich wurde ja aus irgendwelchen Gründen im Gegensatz zu ihr immer durchsucht!) und machten mal wieder Pause. Legion of the Damned fielen dann ja wieder nicht so ganz unter unsere Favouriten, nach den ersten drei Songs gingen wir nach draußen, wo die Brainstorms gerade eine Autogrammstunde gaben. Und da war es ziemlich voll... Wir hockten uns in den Schatten und wurden natürlich wieder prompt von einem mega abgefüllten Tschechen angelabert. Dieser hatte mitbekommen, dass wir Deutsche sind und wollte mit seinen Fremdsprachenkenntnissen protzen: „Hallo, du bist hübsch, willst du mit mir fic...?“ „Ja klar, auf dich haben wir ja schon den ganzen Tag gewartet!“, war unsere Antwort und damit war das Gespräch zumindest von unserer Seite aus beendet. Er brauchte jedoch noch ein paar Minuten, um das zu begreifen.

Glücklicherweise kamen da auch gerade die Brainstorms um die Ecke und wir konnten uns vom Acker machen... und uns natürlich mal wieder etwas festquatschen... Naja, Deicide verpasste ich, das war für mich jetzt nicht sooooo ein großer Verlust. Michi wurde dann schon immer hibbeliger, da die Finntrolls bald dran waren und von denen redete sie ja nun schon, seitdem das Metal Fest auf unserem Plan stand. Ich drückte ihr also meinen Fotopass und meine Kamera in die Hand, stellte ein Automatikprogramm ein und wünschte ihr viel Spaß – und mir gute Nerven! Meine Kamera aus der Hand zu geben fiel mir nicht wirklich leicht und der skeptische Blick meines Gesprächspartners und die Bemerkung, ich sei aber mutig, machten das ganze auch nicht besser! Dankeschön hierfür noch einmal im Nachhinein! :-) Aber alles ging gut, Kumpel Blanket kam stolz wie Oscar zurück und übergab mir mein liebstes Stück ohne sichtbare Schäden.

Und wo wir schon einmal bei Oscar sind – der kam nicht vorbei, er war vorher in den angrenzenden Zoo gegangen – aber dafür schlappte Joacim Cans von Hammerfall in der Gegend herum, er war wohl auf der Suche nach ein wenig Privatsphäre. Hm, ich helfe den Hammerfalls ja immer gerne weiter, wenn es irgendwie geht aber eine Tüte Privatsphäre hatte ich gerade leider nicht dabei. Er wollte sich wohl fertig für die Bühne machen, schließlich kam da ja noch mein persönliches Highlight des Tages... Die Brainstorms mussten leider schon weg und somit konnten Michi und ich dann pünktlich zu den Hammerfalls vor die Bühne gehen. Auf dem Weg dorthin trafen wir noch Joacim und Anders, die mich ganz entsetzt fragten, ob ich gehen würde. Ja klar, ich bin doch dafür bekannt, dass ich immer abhaue, BEVOR Hammerfall auf die Bühne gehen, siiiiiicher. Was ´ne idiotische Frage, das sahen sie dann aber selbst ein. Michi, die stolz ihr geliehenes Hammerfallshirt zeigen wollte, zog sich den Pulli hoch, dummerweise aber auch das Shirt. Die Jungs waren glaub ich einen Moment lang etwas verwirrt, ob DAS nun wirklich das war, was Michi ihnen zeigen wollte (hihi, ich schmiss mich schon wieder weg vor lachen), bekamen dann aber nach einem kurzen hektischen Gezuppel am T-Shirt doch noch ihr eigenes Merchendise zu sehen.

Ich brauche wohl nichts zu dem Auftritt der Band zu schreiben, weit entfernt von jeglicher Objektivität fällt mein Urteil natürlich wieder grandios aus. :-) Aber auch das ist ja bekanntlich Geschmackssache...

Dank meiner Enthaltsamkeit in Bezug auf Tennessee-Schorlen an diesem Tag kamen wir recht schnell am Hotel an, fanden sogar einen Parkplatz und krabbelten nach der obligatorischen 5-Minuten-Terrine, von der Michi schon seit Stunden geredet hatte, ins Bett.

Auch am nächsten Tag, es war inzwischen Pfingstmontag, standen wir recht früh auf. Mir graulte vor dem Heimweg, nach so einem Festival muss ich mir inzwischen doch immer eingestehen, das diese Tage nicht ganz spurlos an mir vorbeigehen und ich eigentlich nur eines benötige: Ein Bett und Ruhe. Davon trennten uns aber noch ein paar Hundert Kilometer, die wir jedoch wie immer quatschenderweise hinter uns brachten.

Es war mein erstes Festival in Tschechien und alle Befürchtungen, die wir vorher hatten, haben sich nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil, das Metal Fest werde ich sicher auch im nächsten Jahr fest ins Auge fassen und vielleicht schaffe ich es dann ja auch endlich mal zum Masters of Rock...