Bang Your Head 2005

Endlich war es soweit! Die Sommerferien in Berlin hatten begonnen und somit konnte ich mich sofort nach der Zeugnisvergabe auf die Socken nach Balingen machen. Kurz nachdem ich bei Tom in Ludwigsburg angekommen war, dröhnten Maiden aus seinem Handy und uns erreichte die Nachricht, dass der Camping Platz schon geöffnet war. Es war Mittwoch Abend und der für sofort angesetzte telefonische Rat aller Mitfahrenden ergab, dass wir nicht noch an diesem Abend losdüsten, sondern unsere Abfahrt am folgenden Morgen auf 5 Uhr vorverlegten.

Diese Zeit konnten wir dann auch fast einhalten, hätten wir nicht noch einmal zurückgemusst, da wir sämtliche Schuhe vergessen hatten, diese jedoch nicht für unwichtig genug hielten, um auf sie verzichten zu können. So ging es dann also mit leichter Verspätung auf die Autobahn und nach Balingen. Wider aller Erwartungen kamen wir noch auf den ersten Campingplatz und ergatterten sogar noch einen Platz, von dem wir hofften, dass er groß genug für unsere ganzen Zelte war. Dass dieser Platz DIREKT hinter vier Dixis stand, dämmte unsere Euphorie nur ein wenig. (Später wurden wir, bzw. Eddy eines besseren gelehrt…)

Tom warf mir also unser neu ersteigertes Zelt zu, welches laut seiner Ausführungen ein so großes Vorzelt hatte, dass man auch bei Regen bequem im Trockenen sitzen kann. Nun ja… Ich machte mich also ans Aufbauen, während er sich mit unserem Pavillon auseinandersetzte. Dieser war zum ersten Mal, seitdem er vor ein paar Jahren bei einem Megasturm in Wacken in unzählige Einzelteile zerfallen war, wieder mit am Start. Unserer Zelt entpuppte sich als stinknormales Iglo, was wir gar nicht so witzig fanden und schon Pläne schmiedeten, was wir dem Verkäufer so alles um die Ohren schmeißen würden. Nachdem Tom dann aber feststellte, dass es sich gar nicht um unser, sondern um Nitsch ihr Zelt handelte, machte ich mich daran, endlich unsere Neuersteigerung zu begutachten. Es hatte auch wirklich ein Vorzelt, allerdings war es so hoch, dass nicht einmal ich mich auf einen Stuhl darin sitzen könnte. Egal…

Irgendwann stand dann alles und Jeannine und ich läuteten das Partywochenende mit meinen 5 Liter Eimer Bowle ein. Nach zwei Stunden war der Eimer dann fast leer und ich eher das Gegenteil ? Kurzerhand nahm ich mir eine Decke und schlief ein Ründchen. Lange hatte ich jedoch nicht die Gelegenheit dazu, da so langsam alle Nachzügler von uns eintrafen. Ich verzog mich dann in den Einkaufswagen, den Jeannine und ich beim Einkaufen mitgenommen hatten und machte es mir dort gemütlich.

Yeti holte ihre Marshmellows raus und es dauerte nicht lange bis mir der erste an die Rübe flog. Ich bot in meinem Einkaufswagen wohl auch ein gutes Ziel, konnte ich doch nicht einfach ausweichen, sondern mich nur versuchen so weit zusammenzurollen, dass ich fast im Wagen verschwand. Wahrscheinlich sah das noch lächerlicher aus, als die inzwischen doch schon recht klebrigen Marshmellows an der Backe kleben zu haben! Diese Schlacht zog sich dann über eine ganze Zeit hin und wurde zu meinem persönlichen Highlight des Tages. Unsere Männer sorgten sich offensichtlich ein wenig um die ganzen dadurch entstandenen Flecken auf meinen Klamotten, anschließend kamen sie nämlich mit einem Kübel Wasser auf meinen Wagen zugelaufen und bevor ich in meiner Panik mit diesem umstürzte, ging die Marshmellow - Schlacht nahtlos in eine Wasserschlacht über.

Während ich den Tag dann lieber mit Cola und Wasser beendete, sorgten die Anderen fleißig dafür, dass die Anzahl der lehren Jackyflaschen zunahm…

Freitag früh erklärte sich Kirsten bereit, Nitsch ins Krankenhaus zu fahren, damit sie ihren schmerzenden Daumen untersuchen lassen konnte. Ich ging mit, um Kirsten die Wartezeit zu verkürzen. Aus Kirstens Sicht war das sicher ganz gut, denn die im Krankenhaus trödelten sich dermaßen einen ab, dass man wahrscheinlich auch nach Stuttgart und zurück hätte fahren können, ohne mehr Zeit zu benötigen! Ich fand das dann gar nicht mehr so komisch, da uns dadurch die erste Band entging und auch die zweite Band (Exciter) schon fast von der Bühne ging, als ich hektisch über das Gelände rennend endlich an der Bühne ankam.

Ich blieb dann gleich auf dem Gelände, da ich mir noch Kamelot und Destruction ansehen wollte. Beide Bands waren wie immer genial, besonders beeindruckt war ich ja von Schmier, der sich überhaupt nicht von den halbnackten Mädels, die sich an ihm herumräkelten, aus der Ruhe bringen ließ… Da war das bei den Herren um mich herum schon anders, und das, obwohl sie ja nur zusahen, grins.
Anschließend zog ich mich zum Zeltplatz zurück. Die Partystimmung dort ließ allerdings ein wenig zu wünschen übrig. Die Hitze machte alle ein wenig faul und träge, ich habe auch selten so viele nicht-alkoholische Getränke bei uns rumliegen sehen wie an diesem Tag! Ich machte mich auch ein wenig lang und konnte mich nur schwer wieder aufraffen, als Doro auf die Bühne ging. Kirsten und ich traten uns gegenseitig in den Hintern und machten uns auf den Weg. Auf dem Gelände trennten sich unsere Wege aber auch schon wieder. Sie ging in Richtung Shäggy-Stand und ich, wie sollte es anders sein, zur Bühne nach vorne. Überraschenderweise konnte ich ohne Probleme bis in die zweite Reihe vorlaufen, woraufhin ich kurzerhand beschloss, bis zu U.D.O dort zu bleiben. Doro gefiel mir diesmal ganz gut (das schwankt bei mir ja irgendwie immer sehr, mal bin ich total begeistert und dann gibt es auch Auftritte, wo ich nach dem dritten Song den Rückzug antrete…). Bei U.D.O. konnte ich dann endlich mal die … rauslassen und irgendwann tippte mir Nitsch auf die Schulter, sie hatte sich natürlich auch nach vorne gedrängelt. Wir grölten, bangten und feierten mal wieder wie die Bescheuerten (jaja, so kennt man uns, grins) und anschließend nahm ich mir dann eine kleine Auszeit.

Nö, eigentlich war es ne große Auszeit. Den Rest des Tages ging ich nicht mehr auf das Gelände zurück, da ich erstens keinen Bock hatte, mich durch die Massen zudrängeln (von der gemütlichen Atmosphäre, die ich in den vergangenen Jahren beim BYH so zu schätzen gelernt habe, war dieses Jahr wirklich nichts mehr zu spüren – zumindest abends nicht) und zweitens war ich auch nicht so scharf auf Saxon und Motörhead – zumal ich vom Zelt aus ja auch alles hören konnte.

Irgendwann verzog ich mich dann auch in mein Zelt und schlief ein. Kurz darauf wurde ich jedoch wach, da ein mächtiger Sturm aufgekommen war und ich mitbekam, wie um mein Zelt herum „leichte“ Unruhe entstand. Das Zelt war inzwischen kaum noch zu halten, Tom kam hereingestürzt, nachdem er es von außen nicht mehr fassen konnte und zusammen versuchten wir zu retten, was noch zu retten war. Es dauerte allerdings nicht lange, bis eine Ecke wegriss und sich über das halbe Zelt klappte - somit waren wir dem Regen total ausgeliefert. Während Tom versuchte, den Rest des Zeltes festzuhalten, sammelte ich schnell alles, was möglichst nicht nass werden sollte, zusammen und stopfte es in Tüten usw. Zu diesem Zeitpunkt stand das Wasser in unserem Zelt bestimmt schon 10 cm hoch. Nachdem ich alles halbwegs zusammengeräumt hatte, dass meiste was eh total durchnässt, ging ich raus um nach den Anderen zu schauen. Die standen eng zusammengefercht unter den Resten des Pavillons, hielten die Plane über sich und warteten.

Es war also keiner verletzt und so versuchte ich erstmal, die Fotoapparate (die sind mir ja schließlich heilig, vor allem wenn schon von einem ganzen Tag Bilder drauf sind!!!) und die Handys ins Auto zu bringen. Der Hagel (jaaa, es war Hagel und nicht nur Regen!) war jedoch so saukalt, dass mir das nicht wirklich leicht viel, ganz abgesehen davon, dass ich nicht wirklich ein Gewitter-Freund bin (und das ist wohl die Untertreibung des Jahrhunderts!) und jetzt unter krachendem Donner und Megablitzen durch den Hagel rannte. Naja, hätte ich mir vor Angst in die Hosen gemacht, hätte es ja eh keiner gesehen :-).

Nachdem das Schlimmste vorbei war, machten Tom und ich uns mit den Überresten unseres Zeltes und unseren triefnassen Klamotten auf den Heimweg, wo wir uns trockene Sachen holen wollten. Da wir am Montag nach Thailand fliegen wollten, waren wir nicht so scharf darauf, uns noch ne dicke Erkältung einzufangen. Die Anderen, deren Zelte sich verabschiedet hatten (Eddy wäre fast von `nem umfallenden Dixi erschlagen worden…), konnten diese Nacht bei Dany schlafen und so waren alle von uns gut untergebracht. Ich war froh, dass ich keinen Shäggy getrunken hatte (und das ist bei einem Festival ja eher unwahrscheinlich, hihi) und somit zu Tom fahren konnte!

Samstag früh machten wir uns dann wieder auf den Weg nach Balingen. Es wusste jedoch noch keiner, wie es wirklich weitergehen sollte, die Gerüchteküche brodelte… Einige sagten, das Festival würde nicht weitergehen können, da die Bühne zu sehr beschädigt sei, Andere sprachen von einer Zeitverzögerung. Letztere behielten Recht. Mit drei Stunden Verspätung ging es dann los und bis 18 Uhr wurde das Set jeder Band auf 3-5 Songs gekürzt. Auf diese Weise konnte zumindest jede der angekündigten Bands auch wirklich spielen. Ich war der absolute Gewinner dieser Regelung!

Noch bevor die erste Band auf die Bühne ging, suchte ich mir einen Platz in der ersten Reihe, von dem man ganz gute Bilder machen konnte und machte mich dort breit. Anstatt bei jeder Band nach vorne zu hetzten, um ein paar Bilder machen zu können, konnte ich jetzt ganz relaxt vorne stehen bleiben, ohne stundenlang Bands anschauen zu müssen, die mir nicht gefielen. Schon bei Demon war ich darüber ehrlich gesagt ein wenig froh. Auch wenn ich nicht sagen kann, dass ich sie nicht mag, gehören sie auch nicht wirklich zu meinen Lieblingsbands. Bei der nächsten Band, Vicious Rumors, war das schon anders. Auf die hatte ich mich wirklich gefreut! Und als sie dann nach einigen Songs von der Bühne gingen, gehörte ich zu denjenigen, die ein wenig enttäuscht über die kurzen Spielzeiten waren…

Die Enttäuschung legte sich jedoch schnell wieder, da an diesem Tag noch einige Bands spielten, auf die ich mich schon länger gefreut hatte und auch die Spekulationen über den Special Guest nahmen stündlich zu. Ich glaube, es gab kaum eine Band, die in diesem Zusammenhang nicht genannt wurde! Als nächstes kamen dann Jag Panzer und Nasty Savage auf die Bühne. Jag Panzer schaute ich mir noch von vorne aus an, bei Nasty Savage holte ich mir jedoch ein paar Flaschen Wasser, da die Hitze schon wieder kaum auszuhalten war. Frisch gestärkt und mit zwei Flaschen Wasser im Gepäck kämpfte ich mich zurück nach vorne. Axel Rudi Pell und Sebastian Bach wollte ich auf jeden Fall noch von diesem Platz aus sehen.

Kaum war ich dort angekommen, verzog sich die Sonne und es fing an zu regnen. Um mich herum wurde es zusehens leerer, kein Wunder, der Regen erinnerte eher an eine Sinnflut als an einen leichten Sommerregen! Ich versuchte mal wieder, den Fotoapparat irgendwie trocken zu halten (um mein Handy brauchte ich mich nicht mehr sorgen, es gehörte zu den Opfern der letzten Nacht) und war erleichtert, als das Ganze nach ein paar Minuten vorbei war. Jetzt war mir zwar megakalt, ARP konnte jedoch auf die Bühne gehen und es kam nicht noch zu weiteren Verzögerungen.

Und dann war es endlich soweit. Ein ganzes Jahr hatte ich mich darauf gefreut, Sebastian Bach wieder zu sehen! Hatte er doch im letzten Jahr eine Mega-Show hingelegt. Nitsch und Yeti hatten sich auch wieder rechtzeitig nach vorne gekämpft und standen so einen Meter hinter mir. Wahrscheinlich hätte es nach den ganzen Erwartungen und all der Vorfreude kaum anders kommen können, nach dem Auftritt von Sebastian Bach musste man leider zugeben, dass er bei weitem nicht so gut war wie im Vorjahr…

Ich entschloss mich dazu, auch bei Nevermore noch vorne zu bleiben, was ich auf keinen Fall bereute. Von der ersten Minute an war ich begeistert und konnte nicht so ganz verstehen, weshalb ich in der Vergangenheit immer eher einen Bogen um diese Band gemacht hatte. Da Nevermore die erste Band an diesem Tag war, der die volle Spielzeit zur Verfügung stand, ich aber so langsam richtig Hunger hatte, blieb ich nicht bis zum Schluss, sondern machte mich irgendwann auf den Weg um etwas zu essen. Viel Zeit blieb mir dazu jedoch nicht. Endlich war der angekündigte Special Guest auf der Bühne: Hanoi Rocks. Viele fragende und teilweise nicht wirkliche begeisterte Gesichter machten deutlich, dass einige gar nicht wussten, wer da nun über die Bühne rennt. Die Erwartungen waren wohl doch etwas zu hoch gesteckt gewesen. Auch der zweite Special Guest, Mike Tramp, der mit seiner Band White Lion Songs spielte, konnte viele nicht wirklich begeistern. MICH SCHON!!! Ich stürzte nach vorne, freute mich wie blöd und landete kurz darauf in der ersten Reihe (Wahrscheinlich sah ich so entschlossen aus, dass sich keiner wagte, sich mir in den Weg zu stellen, grins). Es war einfach genial, nie hätte ich gedacht, dass ich doch noch einmal in den Genuss kommen werde, diese Songs live zu hören.

Als ich dann völlig begeistert zum Zeltplatz zurückgekehrt war, war ich so ziemlich die Einzige… Die Ereignisse der letzten Nacht hatten ihre Spuren hinterlassen, kaum einer hatte Lust, ausgelassen zu feiern. Viele hatten beschlossen, noch an diesem Abend nach Hause zu fahren und somit standen auch nicht mehr viele Zelte. Am Zeltplatz war also kaum etwas los und so ging ich wieder auf das Gelände und suchte die Anderen. Super Idee… Es war so voll, dass man mit diesem Vorhaben eigentlich nur scheitern konnte. Ich hatte irgendwann echt keinen Bock mehr, krampfhaft zu versuchen, irgendwie die Bühne zu erspähen oder mich durch die Massen, die bis nach ganz hinten dicht an dicht gedrängt standen, zu drängeln und beschloss, auch auf Dio und Twisted Sister zu verzichten. Im Endeffekt hab ich vom Campingplatz aus genauso viel gehört und genauso wenig gesehen, wie ich auf dem Gelände gehört und gesehen hätte!

Alles in allem bleibt mir dieses BYH wohl nicht in so positiver Erinnerung wie all die anderen zuvor. Bisher hatte das BYH immer etwas von einem großen Familientreffen, man wusste genau, irgendwann läuft man seinen ganzen Bekannten, die man teilweise nur einmal im Jahr sieht (nämlich an diesem Ort), über den Weg. Dieses Jahr habe ich kaum jemanden getroffen. Wie auch, wenn man schon nachmittags vor lauter Menschen kaum noch 3 Meter weit schauen kann…
Positiv war jedoch, dass das Unwetter dem Ganzen keinen Strich durch die Rechnung machen konnte, sondern überall eine große Hilfsbereitschaft zu beobachten war und dass so schnell Hilfskräfte auf den Campingplätzen zur Stelle waren. Dafür kann man dem Veranstalter nur ein großes Lob aussprechen.

Zu hoffen bleibt, dass nächstes Jahr wieder ein paar Tausend weniger kommen…