| Bang Your Head 2006 Dies war das erste Jahr, in dem das BYH nicht auf das erste Wochenende der berliner Sommerferien fiel. Für mich bedeutete das, im Vorfeld wie eine blöde Überstunden zu sammeln, damit mir niemand diese zwei freien Tage verwehren konnte. So hatte ich das ganze Jahr über jede mögliche Überstunde bereitwillig übernommen und meine Rechnung ging auf: Mittwoch nach Schulschluss wünschte ich meinen Schülern ein schönes Wochenende und machte mich auf den Weg zu Bernd und Kirsten nach Gerlingen. Für mich ein Vorort Stuttgarts, für Bewohner dieses idyllischen Ortes jedoch eine STADT. Nach langen 650 km kam ich dann endlich an und nachdem wir uns mit ein paar anderen kurzgeschlossen hatten, machten wir uns auf den Weg nach Balingen. Wie jedes Jahr gab es im Vorfeld Debatten, wie man mit der angekündigten Öffnung des Campingplatzes umging. Bisher hatten wir uns immer mehr oder weniger angemeiert indem wir die angekündigten Öffnungszeiten als Orientierung für unseren „Abfahrtsplan“ genommen hatten und dann doch einen Telefonanruf von jemandem erhalten haben, dass der Platz wieder vorzeitig geöffnet worden war. Diesmal gingen wir also auf Nummer sicher und fuhren früh, sprich Mittwoch, los. Und was passierte natürlich? RIIIICHTIG, die Tore waren zu! Nur irgendwie turnten da ein paar Metaller auf dem Platz herum, es musste also irgendwo ein Schlupfloch geben. Wir fuhren zum Eingang, ich verwechselte den netten Security prompt mit einem Bekannten (Kunststück nach so einem Tag und dann auch noch ohne Brille, grins) und ging freudestrahlend auf ihn zu. Der freute sich offensichtlich über so viel Freundlichkeit und strahlte zurück. Das war doch schon mal ne Basis – auch wenn ich meinen Irrtum inzwischen bemerkt hatte, machte ich mir noch ein wenig Hoffnung, den Platz an diesem Abend nicht nur durch ein Gitter sehen zu dürfen. Nach einigem Hin und Her durften wir uns auf den Platz, schließlich waren wir ja nicht viele. So dachte zumindest der nette Herr und auch so ca. 75% von uns selbst auch. Als es dann um das Zelte aufbauen ging, wurden wir jedoch eines besseren belehrt… Irgendwie wurden es immer mehr Stoffhügelchen um uns herum und die ca. 10 Zelte, die dann da plötzlich standen, irritierten Kirsten und mich dann doch etwas (um es mal nett auszudrücken!). Dass ich versichert hatte, es handelt es sich doch nur um uns paar Figürchen, schien in dem Moment anscheinend total vergessen. Egal, die leichte Schieflage der Stimmung wurde mit einer kleinen Willkommensmischung ausgeglichen und ein kleines Schwätzchen gehalten. Vivi kam wie jedes Jahr noch dazu, half beim Aufbauen der Zelte und verschwand dann wieder, um am nächsten Tag bei uns einzuziehen. Da ich einen langen anstrengenden Tag hinter mir hatte, krabbelte ich an diesem Abend recht schnell in mein Zelt und horchte an der Isomatte. Am nächsten Morgen sah es schon etwas anders auf dem Platz aus. Die Türen waren geöffnet und rasch füllte sich alles bis auf den letzten freien Quadratmeter. Unser kleines Dörfchen wuchs immer mehr, keine Ahnung, wer sich da so alles zu uns gesellte – jedenfalls handelte es sich nicht wirklich ausnahmslos um eine Bereicherung der Runde! Ich wartete auf Vivi und Alex, um das ganze für meinen Geschmack wieder etwas ins Gleichgewicht zu bekommen. Auch wenn Kirsten, Bernd und Jea (GOTT SEI DANK!) da waren, waren meiner Meinung nach doch zu viele da, die es nicht unbedingt hätten sein müssen… Irgendwann stand dann das geplante Street Team-Treffen auf dem Plan und ich machte ich auf die Socken. Nunja, da stand ich dann recht planlos und versuchte irgendwie herauszubekommen, wer denn noch zum Team gehörte. Als erstes fiel mir ein Mädel mit einem aufgeklebten Hammerfall Aftershow-Pass auf und ich fragte mich, ob ich den Trend, Aufklebepässe monatelang an sich herumzutragen, noch nicht mitbekommen hatte… Für diesen Fall hätte ich ja schnell noch ein paar Objekte derselben Bauart aus dem Auto holen können :-) – ich hielt das dann aber doch eher für albern und überließ es anderen, ihre „ich-bin-wichtig-Beweise“ der Vergangenheit mit sich zu führen. Das Treffen wurde dann noch ganz nett, kein Wunder, schließlich war Micha wieder mit dabei und ihn und seinen einmaligen Humor hatte ich bereits im Vorjahr kennen gelernt. Nach einem Gruppenbild und ein wenig Smalltalk trennten sich unsere Wege und ich ging erstmal zurück zum Campingplatz. Die dort Anwesenden waren jedoch überwiegend nicht so nach meinem Geschmack und so verabschiedete ich mich erstmal von Bernd und Kirsten und schlappte zum Street Team Areal. Da wurde gerade ganz feudal gespeist: Auf dem Speiseplan stand Käsefondue mit einem lecker Cocktail. Auf das erste verzichtete ich, auf den Cocktail nicht. Es dauerte nicht lange, da bimmelte mein Handy und ich wurde zu einer kleinen Krisensitzung zum Zeltplatz beordert. Diese war dann relativ schnell beendet – wenn man bedenkt, dass die ganze Thematik eigentlich schon seit Jahren hätte beendet sein sollen war das doch ein längst fälliges Ereignis welches es zu feiern galt. Ich stiefelte also erstmal wieder zurück zu Micha, muffelte ein wenig vor mich in und wurde darüber aufgeklärt, dass an diesem Wochenende keine Zeit für schlechte Laune sei. Irgendwann beschloss ich, einen Blick ins Partyzelt zu werfen und Micha – ganz Kavalier – bestand darauf, mich zu begleiten. Das war der Beginn einer der lustigsten Festivalnächte, die ich je hatte. Als erstes meinte Micha, mir ein metallertypisches Verhalten demonstrieren zu müssen. Er positionierte sich vor einer Gruppe grillender Langhaariger, grunzte wie ein irrer „Mätääääääl“ und hielt seine zwei „Pommesgabeln“ in die Höhe. Tja, sein Plan war nicht so ganz aufgegangen… Statt zurückzugrölen starrten uns unzählige Augenpaare ungläubig an, drehten sich dann weg und grillten weiter! Ich konnte mich vor lachen kaum noch auf den Beinen halten und fragte Micha, ob er nicht noch ein paar mehr dieser Tricks auf Lager hätte. Am Partyzelt angekommen waren wir zwei dann schon so angegackert, dass er beschloss, noch ein wenig zu bleiben. Als nächstes schauten wir mal, wie unterschiedlich die Leute so reagieren, wenn sie von völlig Betrunkenen angelabert werden. Als Betrunkene dienten in diesem Fall mal er und mal ich. Ich hätte nicht gedacht, dass ich an diesem Abend noch so einen Spaß haben würde aber Dank Micha – dem ich solche Albernheiten gar nicht zugetraut hatte – hielt ich mir irgendwann nur noch den Bauch vor lachen. Als er sich dann verabschiedete, sammelte ich Yeti vom Zeltplatz ein und wir stürmten in bester Laune die Tanzfläche. Es dauerte nicht lange, da standen auch Aki und Jea bei uns und die Party war im vollen Gang. Wer sich noch so alles zu uns gesellte kann ich wirklich nicht sagen aber es waren viiieeeele. Yeti und ich kamen immer mehr in Feierlaune und es dauerte nicht lange, bis drei Typen bei uns blieben und uns netterweise ihre Aufpustegitarren zur Verfügung stellten. Während die drei äußerst nette Gesellschaft waren, gab es auch den einen oder anderen, den wir lieber auf die Transitstrecke geschickt hätten. Allen voran Herr Feinripp (diesen Namen bekam der Gute erst am darauf folgenden Morgen). Er meinte, mich immer wieder antanzen zu müssen, völlig unbeeindruckt von meinen Aufforderungen, sich doch bitte vom Acker zu machen. Irgendwann erbärmte sich einer unserer Pustegitarren-Herren und umarmte mich jedes Mal, wenn sich Herr Feinripp näherte. Es dauerte nicht lange, da wurde Jan, so hieß mein Retter in der Not, auch von einen TYPEN (!!!) angemacht. Erst schauten wir zwei ein wenig irritiert – dann revangierte ich mich und so kam es, dass wir eigentlich den restlichen Abend damit beschäftigt waren, wild in der Gegend rumzubangen oder an dem Anderen zu hängen. Hm, es gibt schlimmeres, grins. Yeti, die inzwischen auch zur Hochform aufgelaufen war und sich auf Mr. Feinripp eingeschossen hatte („Ich hau dir eine auf die Sch….. wenn du meine Carola jetzt nicht in Ruhe lässt!“), entpuppte sich zu einer idealen Partnerin in unserem inoffiziellen Luftgitarrenwettbewerb. Wir rutschten nur so über den Boden (hey und ich war nicht mal betrunken, also nix da mit mildernden Umständen und so :-), hüpften, gingen in die Knie, für unser Alter doch eine recht beachtliche sportliche Leistung – möchte ich mal nebenbei erwähnen, grins. Irgendwann geht leider jede Party zu Ende und so wurden wir zusammen mit den Anderen um 3 Uhr aus dem Zelt geschmissen. Mit Jan verabredete ich mich noch für den nächsten Morgen, irgendwie hab ich erst später geschnallt, dass er mich eigentlich noch eingeladen hatte – aber da war es schon außer Sicht. Auf dem Weg zu meinem Zelt beschloss ich, dass ich doch eigentlich noch gar nicht müde war und somit auch noch ein wenig weiterfeiern kann. Das tat ich dann auch, mit den Jungs von Chinchilla und ein paar Anderen auf dem Crew-Campingplatz. Dort hatten Chinchilla ihren Bus geparkt. Das Dumme war nur, dass die Crew von unserem Vorhaben gar nicht so begeistert war… ständig steckte jemand seinen Kopf aus seinem Zelt und beschwerte sich lautstark über den Lärm. Irgendwann wurden meine Vorschläge, wir sollten doch vielleicht ein wenig Rücksicht nehmen, erhört und wir schlappten zurück zu unserem Campingplatz. Inzwischen schwächelte ich doch schon ein wenig. Was ein Wunder, außer uns schnorchelte inzwischen schon jeder an seiner Isomatte! Ganz im Sinne der Demokratie schloss ich mich dem an und krabbelte in mein Zelt. Es dauerte jedoch nicht lange und das Leben auf dem Campingplatz begann – und meine Nacht endete, kaum dass sie angefangen hatte. Kirsten gab nebenan die ersten Lebenszeichen von sich und ich lud sie zu einem kleinen Morgenschwatz zu mir ein. Ich hatte kaum mit meinem Bericht begonnen, da dachte ich Opfer einer Fata Morgana geworden zu sein. Genau gegenüber kroch mein nerviger „Antanzer“ in einer sexy Feinrippunterhose aus einem Zelt! Während Kirsten sich halb schlapp lachte, versuchte ich mich ganz unauffällig mit meinem Schlafsack zu tarnen. So im Nachhinein frage ich mich schon, ob es eigentlich etwas Auffälligeres gibt als jemand, der sich hektisch einen Schlafsack über den Kopf zieht und wie ein Trottel in der Gegend rumsitzt aber egal – es hat geholfen. Feinripp lief an uns vorbei ohne mich zu bemerken und ich erzählte Kirsten weiter von der letzten Nacht. Nachdem auch Jeannine aufgestanden war, gingen wir zu REAL. Nach einem Brötchen und einem Kaffee war ich halbwegs fit und schaute mal beim Street Team vorbei. Da war jedoch noch große Schnarcheritis und so ging ich weiter. Pünktlich zur ersten Band Hellfueled ging ich auf das Gelände. Schließlich hatte ich mich mit Jan verabredet – gaaaaanz geniale Idee! Wenn man in den letzten Jahren am Freitag zur ersten Band zur Bühne gegangen ist, dann war es immer derselbe Anblick: ein recht übersichtliches Publikum (lediglich Majesty bildeten hier eine Ausnahme). Aber das war natürlich in dem Jahr, wo man das voraussetzt ganz anders. Ich dachte echt ich spinne, die Sucherei gab ich bald auf und verließ mich darauf, dass mir Jan früher oder später über den Weg laufen würde. Ich schnappte meinen Fotopass und flitzte in den Fotograben. Die nächste Band waren Communic und die wollte ich unbedingt sehen. Weshalb weiß ich inzwischen auch nicht mehr so genau, so richtig haben sie mich nicht von den Socken gerissen aber egal. Bei Leatherwolf beschränkte ich mich wirklich nur auf das Knipsen und machte mich dann auf den Weg zum Campingplatz. Unser Camp, welches ja schon am Mittwoch nicht wirklich mehr klein und beschaulich war, wuchs fast minütlich – so kam es mir jedenfalls vor. Ich überlegte, ob es inzwischen bereits Ausmaße erreicht hatte, die die Erstellung eines „Camplanes“ gerechtfertigt hätte, beschloss dann aber einfach diejenigen, die mich weniger interessierten, also so ca.70% der Leute, einfach auszublenden. Da Alex und Tommy inzwischen angekommen waren, fiel mir das auch nicht sehr schwer. Mit Kirsten und Bernd lief ich dann noch ein wenig in der Gegend herum, wobei sie ganz sicher nicht nur einfach so herumliefen, sie hatten wie jedes Jahr ein ganz bestimmtes Ziel auf dem Gelände: Den Chinaimbiss!!! Zu dem hatten sie inzwischen ein ganz besonderes Verhältnis aufgebaut :-). Auch die nächsten Bands sah ich nur kurz vom Fotograben aus, weder Leatherwolf, noch Vengeance oder Flotsam and Jetsam rissen mich so richtig aus den Schuhen. Fairerweise muss ich jedoch einräumen, dass das auch an meiner körperlichen Verfassung gelegen haben kann – die letzte Nacht hatte ihre Spuren hinterlassen. Und eigentlich wollte ich sowieso nur Jon Oliva´s Pain und Helloween sehen! Und die zwei Bands genoss ich dann auch. Anschließend schaute ich noch einmal bei Micha vom Street Team vorbei um mich zu verabschieden – ich trat an diesem Abend noch die Heimfahrt an – und während Foreigner spielten (die sind ja nun wirklich GAR nichts für mich … vielleicht in 20 Jahren…) packte ich meinen Kram zusammen und sagte ein paar Leuten tschüß. Zu in Flames ging ich dann noch fotografieren und als ich dann zurück zu meinem Auto kam, standen dort einige, um mich zum Ausgang zu begleiten. Ich freute mich riesig, knuddelte mich noch einmal von einem zum anderen und machte mich dann auf den Weg. Auch wenn dieses BYH durchaus seine Schattenseiten für mich hatte, war es doch eines der lustigsten Festivals, bei denen ich je war. Vielleicht liest dies ja irgendjemand von denen, die sich am Donnerstag im Partyzelt zu mir gesellt haben, seit alle gegrüßt und ich hoffe auf eine Fortsetzung in 2007! |