Bang Your Head 2010

In diesem Jahr sollte das BYH mal ganz entspannt für mich beginnen. So war es geplant. Da das Festival etwas später als sonst begann, lag es nun mitten in den Ferien und ich hatte vorher schon die Möglichkeit, einige Tage bei Bernd, Kirsten und meinem Patenkind zu verbringen. Ich war also schon fast vor Ort, die letzen paar Kilometer bis zum Festival sind bei der eigentlichen Strecke von ca. 750 Kilometern ja kaum erwähnenswert.

Holger sollte früh losfahren – er arbeitete zu dieser Zeit im Pott – und er, Bernd und ich wollten dann gegen 16 Uhr zusammen aufbrechen. Holger erwähnte noch, er müsse früh losfahren, da er bei sich wohl in den Ferienverkehr geraten würde, ich war mir jedoch nicht bewusst, dass „müsse“ etwas anderes bedeutet, als dass er es auch tun würde.

Ich bekam gegen 14 Uhr eine SMS, dass er noch einige Hundert Kilometer vor sich hatte, aber das sei ja nicht so schlimm.... Nee, natürlich nicht, wir waren ja nur ebenfalls mit Becher verabredet. Aber da dieser ja sowieso abgesagt hatte – aus welchen Gründen auch immer, da wirkt wohl gerade mein Verdrängungsmechanismus – betraf es jetzt ja nur noch Bernd und mich.

Ich war tagsüber noch unterwegs und brauchte mich nun nicht zu beeilen. Meine zwei Festivalbegleiter hatten ja offensichtlich die Ruhe weg... Um kurz nach 15 Uhr erhielt ich eine SMS von Kirsten, dass Bernd jetzt noch spontan die Sommerreifen auf sein Auto macht. Ja nee klar, war ja auch kein Thema, schließlich war ja Sommer und Holger ganz nebenbei auch noch längst nicht da.

Bei Kirsten eingetroffen, beide Männer noch weit entfernt vom „fertig sein“ weil abwesend, hockte ich mich auf die Couch (es war inzwischen viertel vor 6) und machte die Glotze an. Meine Festivallaune war dahin, ich hätte eigentlich gleich bei Kirsten bleiben können. Das wurde nicht wirklich besser, als Holger, sich keiner Schuld bewusst, in die Wohnung kam und so tat, als würde alles planmäßig laufen. Vielleicht lag es ja auch an der akustischen Ähnlichkeit von 16 Uhr und 6 Uhr – war es im Endeffekt gar MEIN Fehler??? Wohl kaum...

So gegen halb 7 konnten wir dann endlich los. Da hatte ich in meiner Planung eigentlich schon die ersten Jackys vernichtet!

Vor dem Gelände legten wir noch eine kurze Pause ein, da Bernd sich in Balingen verfahren hatte (nein, ich verkneife mir hier jeglichen Kommentar, das kann schon mal passieren :-), fuhren dann gemeinsam auf das Gelände und wurden von einem der Street-Team-Leiter zu unserem Platz gelotst. Nach einer weiteren halben Stunde standen die Zelte und der Pavillon und es war Zeit für den ersten Umtrunk.

Wir holten unsere Pässe ab und mir wurde gesagt, dass ich auch bei der Warm Up-Show in der Halle fotografieren könne, ohne Eintritt zahlen zu müssen. Cool, das wollte ich dann auch bei Saxon machen...

Als wäre es verabredet gewesen, zelteten Thizzly und seine Freunde neben uns. Würde ich unter Verfolgungswahn leiden, hätte ich inzwischen wohl ein komisches Gefühl, in den letzten Jahren stand sein Zelt oder Auto immer „neben“ meinem, auch wenn wir das manchmal erst nach vielen Stunden bemerkt haben. Nach ein oder zwei Mischungen machte ich mich dann auf den weg zur Halle und kam auch problemlos hinein. Saxon spielten noch nicht, die Halle platze fast aus allen Nähten und ich beschloss, wieder raus zu gehen und später noch einmal wieder zu kommen.

Guter Plan – schwer in der Umsetzung. Plötzlich durfte ich nicht mehr hinein! Hääää????? Wie jetzt? Ich redete mir die Zunge fusselig, diskutierte ohne Punkt und Komma (ich sehe meine Freunde förmlich grinsen, wenn sie das lesen, Ihr wisst genau, dass ich das guuuuuut kann) und wurde letztendlich hineingelassen. Nur waren die ersten drei Songs leider vorbei und somit der Fotograben tabu. Tolle Wurst! Ich trank also noch ein irgendwas mit einem Freund und ging dann schmollend zum Zelt zurück.

Dort unterhielt Holger inzwischen alle Anwesenden. Nein, ich habe mich nicht verschrieben – nach ausreichend Jackykonsum wird offensichtlich auch Holger redselig. Ich hatte für diesen Abend genug und verzog mich nach einem Schlummertrunk ins Zelt.

Der nächste Morgen begann für mich mit einer Katastrophe: Mein Fotopass war verschwunden! Ich stellte alles auf den Kopf, suchte wie eine Irre – erfolglos. Also wartete ich bis das Backstagehäuschen aufmachte und bekniete die armen Herren förmlich, bis sie Erbarmen mit mir hatten und mir noch einen Pass gaben. Wahrscheinlich hatten sie mir angesehen, dass ein Festival ohne Fotopass für mich einem Weltuntergang gleich kam. (Einen solchen hätte ich wahrscheinlich sogar eher verkraftet:-)

Strahlend kehrte ich also zum Zelt zurück, wo Bernd nur grinsend bemerkte, dass ihm von Anfang an klar war, dass ich so lange diskutieren würde, bis ich bekäme was ich will. Hm... Er kennt mich halt doch schon eine Weile :-)

Ich frühstückte also und packe dann meinen Kram zusammen, schließlich waren The New Black die erste – und für mich auch eine der wichtigsten Bands – des Festivals. Ich verballerte mal eben eine Unmenge an Speicherkapazitäten und blieb dann noch für Enforcer, die ich mir laut einiger Bekannter unbedingt anschauen sollte. Nunja, eine typische BYH-Band würde ich mal sagen. Mich haute es schon fast aus den Socken, als ich die Jungs in ihren 80er Revival Outfits sah. Die Musik blieb mir nicht wirklich in Erinnerung aber unterhaltsam waren sie dennoch irgendwie.

Bei Grand Magnus verabschiedeten Holger und ich uns und machten uns auf den Weg zum Schwimmbad. Dort war es erstaunlich leer, das inzwischen doch etwas weg vom Schuss gelegene Metal Camp hatte entweder super Duschen oder der Weg von dort aus schreckte alle so sehr ab, dass auf das Duschen lieber verzichtet wurde... Oder man versuchte sich durch einen animalischen Festivalgeruch um sich herum ein wenig Platz zu verschaffen – man weiß es nicht. Holger und ich zogen ein wenig Nass auf der Haut vor und verzichteten somit auf die nächsten Bands (Forbidden, Sabaton, Loudness, Anvil).

Anschließend hockte ich mich ans Zelt und drohte mit meinem Campingstuhl zu verwachsen. Da ich aber Jon Oliva´s Pain sehen wollte, musste ich mich irgendwann dazu durchringen, auf das Gelände zu gehen... Das tat ich dann zeitig genug, um noch einmal im Backstage vorbei zu schauen. Dort traf ich den ein oder anderen Bekannten, trank ein Bierchen mit Krusty, um mir dann von Markus anhören zu dürfen, ich sei doch betrunken. Also... ICH habe beim Anstoßen KEIN Glas zerdeppert, weil ich meine Kraft nicht mehr einschätzen konnte :-) Und auch andere Kommentare, die im nüchternen Zustand wohl SO nicht gefallen wären, kamen wohl eher von Dir, als von mir... Egal, ich hatte jede Menge Spaß und musste mich dann letztendlich beeilen, um rechtzeitig im Fotograben zu sein.

Ich machte einige Bilder und ging dann raus zu Bernd, Becher und keine Ahnung wem... Becher wollte mich zum Jacky holen überreden, ich erklärte, dass ich vor Edge of Thorns nirgendwohin gehen würde und wurde daraufhin aufgeklärt, dass es sich dabei um einen Savatage-Song handeln würde – und dieser würde bei Jon Oliva´s Pain nicht gespielt werden. Nee, ist schon klar... ich hatte mir das die letzten Male wohl immer eingebildet... blöd nur, dass genau in diesem Moment die ersten Töne des Songs erklangen und der Herr selbst für seinen Getränkenachschub sorgen musste. Zumal ich auch keine Anstellung als Kellnerin angenommen hatte.... soweit ich wusste...

Bei Doro schaute ich noch ein wenig zu, dann ging ich zum Zelt zurück. Für Krokus hatte ich definitiv noch nicht genug getrunken! (In meinem Fall käme das auch einer Alkoholvergiftung gleich). Ich gönnte mir also eine 5 Minutenterrine, trank mit unserer Zeltnachbarin einen Jacky (nach dem anderen) und machte mich startklar für den Hammerfall-Auftritt. Nur irgendwie fehlte mir die passende Begleitung – Holger versprühte nicht wirklich Partylaune und der Rest der Truppe ist ja auch nicht so für ekstatisches Ausflippen bekannt... da stand plötzlich das Nitsch neben mir... Na bitte, da flogen Haare, es wurde gegrölt, auf den Knien gerutscht und alles gemacht, was eines Hammerfallkonzertes würdig ist (jaaaaa, ich weiß, dass ich da nicht ganz objektiv bin und mich wahrscheinlich viele Fachkundige für diese Meinung steinigen würden.. na und? :-) Viiiieeeel zu schnell war alles vorbei, die Stimme weg, die Haare zerzaust und es kehrte Ruhe ein. In der Halle spielten noch Dark Tranquility, also war erstmal nichts mit Weiterfeiern.

Wir trotteten zum Zelt zurück und das laute Grollen am Himmel kündigte schon einen Wetterumschwung an. Nitsch, die seit dem Unwetter beim BYH vor einigen Jahren kein gesteigertes Interesse mehr am Miterleben weiterer Gewitter in freier Natur hat, machte sich schnell auf den Heimweg und ich hatte dann auch keinen Bock mehr, durch den strömenden Regen zur Partyhalle zu latschen. Also blieb ich mit den Anderen am Zelt. Sehr alt wurde ich an diesem Tag auch nicht...

Das Gewitter hatte für eine Abkühlung gesorgt, man konnte also tatsächlich mal etwas länger im Zelt bleiben, ohne einen Hitzschlag zu erleiden. Der Tag begann dann wie so oft... aufstehen und erstmal einen trinken. Da meine Männerrunde diesbezüglich schwächelte und sich lieber einem schwu... Kuchengedöns widmete, kam die Frau Nachbarin wieder zur Unterstützung vorbei und trank einen mit mir. Zum Ausgleich gab es dann noch einen Joghurt und einen O-Saft hinterher und dann horchte ich noch einmal an meiner Matratze.

Irgendwann packte mich das Pflichtbewusstsein und ich machte mich auf die Socken auf das Gelände. Die ersten beiden Bands hatte ich verpasst, als nächstes standen Bullet auf der Running Order. Ich machte Fotos und schaute mal, wer da sonst schon so im Backstage rum hing... Es waren nicht viele... Ich latschte mehr oder weniger planlos in der Gegend herum, quatschte mal hier und mal dort, machte Bilder und verzog mich während der immer wieder einsetzenden Regengüsse an ein halbwegs trockenes Örtchen. Der ein oder andere von den Nachwehen des Vortages geplagte (jaaa, ich meine insbesondere Dich Markus) lief mir über den Weg und half mir über die recht unspektakulären Fotografierpausen hinweg. Kurz gesagt: Es war ein wirklich unspektakulärer Tag.

Das Wetter machte es auch nicht wirklich besser. Entweder man war durchgeweicht oder von oben bis unten in Regenkleidung eingepackt – beides nicht wirklich die Wunschvorstellung für ein Festival. Während Twisted Sister liefen mir dann Jan und Jenny über den Weg. Holger wollte sich kurz ein Bier holen – und war dann für den Rest des Auftritts verschwunden. Naja, vielleicht war ja das Bier auf dem Gelände ausverkauft und er musste ins Dorf oder so, keine Ahnung. Dank eines äußerst merkwürdigen Typen, der offensichtlich einen Narren an Jan gefressen hatte, hatten wir unseren Spaß.

Nachdem ich dann noch in der Halle ein paar miserable Bilder von Destruction gemacht hatte, ging ich zurück zum Zelt. Da hatte sich schon eine Horde versammelt – auch Holger hatte inzwischen offensichtlich Trinkbares finden können – und war bereit für die Partyhalle.

Wir machten also noch die ein oder andere Mischung fertig und gingen dann mit unseren Luftgitarren zur Halle. Während das Festival für den Großteil der Besucher dem Ende entgegen ging, fingen wir erst richtig an! Die Halle war so gut wie leer – was uns nicht wirklich störte. Hauptsache war, wir hatten Musik, unsere Mischung und die Gitarren. Punkt zwei neigte sich jedoch rasch dem Ende zu, also gingen Nitsch und ich zum Zelt zurück, um für Nachschub zu sorgen. Da wir dafür durch den „Twisted-Tunnel“ mussten (wer jetzt nicht weiß, wovon ich rede, der muss einfach mal eine gute Handvoll Jahre zurückblättern), dauerte das Ganze eine Weile. Die Mischung machten wir dann so stark, dass davon auszugehen war, dass sie für den Rest des Abends langen würde... das tat sie auch!

Um kurz nach 3 war Schluss und wir wurden mehr oder weniger aus der Halle gekehrt. Nitsch und ich war aber noch nicht nach Feierabend, also gingen wir erstmal wieder in den Tunnel... Holger war schon ein wenig genervt, er war wohl der Ansicht, ich könne in diesem leicht alkoholisierten Zustand nicht alleine auf mich aufpassen. Mensch, was hatte ich ein Glück, dass ich bis zu diesem Moment auch ohne Personenschutz überlebt hatte! Nitsch und ich gingen weiter zum Imbiss beim REAL, da lief noch Mucke und es wurde gefeiert. Jedoch nicht mehr lange, die Polizei hatte wohl auch dort eine Sperrstunde angeordnet. Na tolle Wurst! Holger erklärte, ich hätte jetzt genug. Häääää??? Wie jetzt??? In meiner Gitarre war noch Luft (zumindest ein Restbestand davon), ich bewegte mich noch in der Vertikalen und außerdem dauerte es ein ganzes Jahr bis zum nächsten BYH! Nitsch schaute etwas verwirrt, ich stapfte knöcheltief in eine Pfütze und erklärte lautstark, dass ich jetzt noch ein wenig Gitarre spielen würde und sehr wohl auf mich selbst aufpassen könne. (Nasse Füße sind ja nicht wirklich bedrohlich und wurden zu diesem Zeitpunkt einfach ignoriert! – Zumindest von mir...)

So ganz ohne Musik ging uns dann aber auch bald die Lust aus und wir entschlossen, noch ein Abschlussliedchen im Tunnel zu trällern und dann schlafen zu gehen. Meine Regierung war sichtlich erleichtert, dass ich mich nicht weiterhin den Gefahren des Festivalalltages ausliefern wollte und so verzog ich mich brubbelnd in meinen Schlafsack.

Der Sonntag verlief für mich ungewohnt entspannt. Statt der knapp 800 Km nach Berlin fuhr ich nur eine Stunde bis nach Gerlingen, setzte dort Holger an seinem Auto ab und dann ging es weiter nach Bretten... Dort fiel ich dann in einen komatösen Schlaf und wurde mit blauen Knien wieder wach – ein Andenken an meine Partynacht inklusive zahlreicher Gitarrensoli :-)