Bang Your Head 2008

Nach einem Jahr Pause – im letzten Jahr hatte ich das Graspop Metal Meeting vorgezogen – zog es mich in diesem Jahr Ende Juni mal wieder nach Balingen. Warum kann ich gar nicht so genau sagen, wahrscheinlich auch aus sentimentalen Gründen, schließlich gehörte das BYH jahrelang in meine Festivalplanung! Von den Bands her war es für meinen Geschmack mal wieder weniger attraktiv aber egal. Holger konnte meine Begeisterung nicht teilen, für ihn war die balinger Gegend Neuland.

Donnerstag Nachmittag stürzte ich also aus der Schule, schoss nach Hause, wo ich Holger einlud und dann ging´s los. Es gab zwar hin und wieder ein wenig stockenden Verkehr aber wir hatten Glück und mussten nie lange stehen. Trotzdem kamen wir erst gegen 22:30 Uhr am Gelände an. Unnötig zu erwähnen, dass es bereits dunkel war – und unser neues Zelt sich leider nicht alleine aufstellte. Da das Streetteam-Areal aber eh reduziert wurde (hey, wenn mir jemand erzählt, es sei irgendwas abgesprochen und macht sich dann auf dem Platz fett, da trag ich höchstpersönlich die Zelte wieder vor die Zäune :-) gut, dass Gutgläugigkeit so ganz und GAR NICHT zu meinen Eigenschaften zählt.) Aber das half in diesem Moment auch nicht, der Platz für uns war spärlich. Genauer gesagt: Er war zu spärlich für unser supi „Wir-haben-den-Pavillon-am-Zelt-dran-Zelt“! Denn nachdem wir beim Graspop die ganze Zeit bei Regen im Minizelt hocken mussten, da es schiffte ohne Pause und Pavillons verboten waren, hatten wir uns das kleine Monster zugelegt, bei dem uns NIEMAND mehr den Pavillon verbieten KONNTE! Tja... und das war nun die Rechnung... Ein tolles Zelt aber kein Platz dafür. Gott sei Dank erbarmten sich zwei der Streetteamer und fuhren ihre Autos beiseite – auch wenn sie sicher dachten, ich könne die Ausmaße meines Zeltes einfach nur nicht einschätzen... Nachdem die Autos weg waren, bekamen wir von Heike – sie war unsere Nachbarin – ein paar Kopflampen und so gelang es uns, unser kleines Monster aufzubauen... mehr oder weniger fachgerecht. Die Abspannschnüre wurden an den Reifen umstehender Autos befestigt, von den Heringen reden wir jetzt lieber gar nicht aber irgendwie stand das Teil dann.

Als das (und auch wir) endlich geschafft war (bzw. waren), wurde unsere 1,5 Literflasche Jim Beam geköpft, eine Mischung zusammengepanscht und dann zeigte ich Holger das Partyzelt. Das ist meiner Ansicht nach einer der Vorzüge dieses Festivals – wenn nicht die Hauptattraktion überhaupt. Wo sonst bekommt man schon alle Metal-Klassiker zu hören ohne sich zwischendurch irgendwelches Gegrunze (jaaaa. Ich weiß, auch das hören genug Leute gerne – ich aber halt NICHT) anhören zu müssen. Vor zwei Jahren waren so ziemlich die letzten Personen, die ich im Zelt gesehen hatte Jan (mein Luftgitarren-Held) und Mr. Feinripp. Und man soll es nicht glauben, kaum war ich im Zelt, kam Feinripp besoffen auf mich zugetorkelt und kurz danach erblickte ich eine Aufpustegitarre – und an der hing Jan. Ich stellte kurz Holger und Jan vor und dann nutzten wir die Zeit bis zum Feierabend. Das waren gefühlte 5 min. – aber wahrscheinlich so ca. 3 reale Stunden – und die forderten uns so ziemlich alles ab. Holger zeigte sich genauso begeistert von der Pustegitarre wie ich und so kreiste das Teil in unserem kleinen Kreis, dem sich immer mehr Leute anschlossen. Ein komischer Typ mit einem überdimensionalen Gefäß teilte brüderlich mit uns – nur leider weiß ich nicht, was wir da in uns hineinschütteten – und freute sich offensichtlich, auf ein paar ausgeflippte wild bangende und grölende Irre getroffen zu sein, grins. Als dann Schluss war, waren wir auch ziemlich am Ende, torkelten zu unserem Zelt zurück und fragten uns, ob der Inhalt unserer Flasche verdunstet ist oder ob das wirklich in unserem Inneren gelandet ist.

Am nächsten Morgen war nicht wirklich an ausschlafen zu denken, dafür war es viel zu warm. Wir krabbelten aus unserem Luxuszelt und fragten uns, weshalb wir uns so matt fühlten. Sogleich kam uns der rettende Gedanke: Es war der Beam!!! Hatte mich mein Motorradfuzzi nicht gleich gewarnt, man solle nur Shäggy trinken??? Aber nee, mit uns ging ja der Geiz durch... Nicht dass es vielleicht an der Menge der vernichteten Flüssigkeit gelegen hätte :-). Wir gingen also zum REAL und kaufen ein: Eier, Brötchen, Jogurt – all so unmetallisches Zeugs halt. UND: eine Flasche Shäggy!!! Das wollten unsere Zeltnachbarn gar nicht glauben... aber die waren wohl eh von der etwas gesitteteren Sorte, grins. Da Holger sich nach der Wanderung zum Backstagehäuschen sein Frühstück schon bei SUBWAY gegönnt und ich beim REAL ein Brötchen käuflich erworben hatte, war das Frühstück abgehakt. Und die erste Band auch! Seit wann fangen die in Balingen auch vor dem Aufstehen an??? Ganz neue Sitten! Contracrash hatten sich dann also erledigt aber TYR wollte Holger gerne sehen und ich war ja sowieso zum Knipsen da. Also machten wir uns immer noch leicht angeschlagen auf den Weg zum Gelände. Da Holger von der Band aber auch nicht sooo begeistert war, machten wir uns nach den ersten Songs noch mal vom Acker. Wahrscheinlich lag es auch einfach ein wenig an unserer körperlichen Verfassung – und die führte uns auf direktem Weg zu unserem Zelt wo wir uns ein wenig zu den anderen setzten und einfach nur faul waren.

Inzwischen hatten wir Agent Steel und Korpiklaani verpasst. Damit konnten wir ganz gut leben. Da um 12:50 Uhr Forbidden dran waren, hieß es für mich: BEEILUNG. Holger hatte nicht so wirklich Lust und widmete sich dem Grillen. Ich versprach mich zu beeilen und flitzte mit meinem Fotochen von dannen... Nur leider war es inzwischen auch auf dem Gelände mächtig voll, so einfach mal von einem zum anderen Ende durchlaufen war nicht mehr. So dauerte es ein wenig bis ich wieder bei den Grillwürstchen ankam. Holger hatte mich schon erwartet, dass er auf mich gewartet hatte, obwohl die Würste schon unter einem kleinen Sonnenbrand litten, fand ich ja echt lieb :-). Wir stopften uns also voll, sowohl mit fester als auch mit Flüssignahrung und dann ging´s uns gut. Ich war bester Laune als wir uns auf dem Weg zum Gelände befanden – Kunststück, schließlich waren jetzt RAGE an der Reihe, freu. Aber so richtig sprang der Funke dann doch nicht so über... warum weiß ich auch nicht.... schieben wir es einfach mal wieder auf die Katerstimmung. Ich wackelte also ein wenig mit dem Kopf, im großen und ganzen gab es aber schon Auftritte dieser Band, die mich mehr mitgerissen hatten.

Holger und ich hockten uns ein wenig ins Backstage, wo wir prompt den Axxis- und Primal Fear-Jungs über den Weg gelaufen sind und somit eine Weile dort hängen blieben. Den Anfang von White Lion schaute ich mir dann an, machte Fotos und ging dann mit Holger wieder zurück. Da er von „gut gelaunt“ weit entfernt war und ich vermutete, dass seine täglich Ration Wasser Besserung bringen würde, schlug ich vor, ins Schwimmbad zu gehen. Eine Premiere für mich, bisher hatte ich mich immer unter die ar....kalten Duschen gestellt, wo man durch unzählige Löcher in der Plane von draußen begafft wurde. Mein Test, inwieweit diese Löcher auch in diesem Jahr wieder für freie Sicht sorgten, ging etwas in die Hose. Die genau zu diesem Zeitpunkt vorbeikommenden Polizisten lachten sich schlapp über mich, wie ich da bei den Männerduschen im Loch der Plane rumstocherte. Naja, ich hätte in diesem Moment wohl auch niemandem abgenommen, es würde sich nur um einen Test handeln! Jedenfalls zogen wir das Schwimmbad vor, auch wenn wir keine Badesachen dabei hatten.

So lang wie erwartet waren weder der Fußweg noch die Wartezeit an den Duschen und so konnten wir nach einer Weile erfrischt den Rückweg antreten.

Great White hatten wir verpasst, zu Iced Earth konnte ich gerade noch losflitzen. Ob es das wert war... ich weiß es nicht. Aber da ich ja sowieso nicht gerade verwöhnt von dem diesjährigen Billing war, nahm ich halt fototechnisch so viel mit wie möglich (gemessen am Mindestlustfaktor). Ich machte also nur ein paar Bilder, Holger hatte sich ins Zelt gepackt und wir hatten verabredet, dass ich ihn dann zu Queensryche wieder abholen würde. Das tat ich dann auch. Er schlief seelenruhig und konnte sich nicht wirklich aufraffen. Da man auf Camp 2 alles, was sich auf der Bühne so abspielt bestens mithören kann, hatten wir es auch nicht ganz so eilig mit dem Losgehen. Ich wusste eh, dass das da auf der Bühne nichts für mich war – und Holger stellte das für sich auch nach einem Song fest. So landeten wir also im Partyzelt – nur die Partylaune hatten wir verlegt...

Kein Wunder also, dass wir nicht sehr lange im Zelt blieben, die ständigen Showeinlagen, bei denen zu allem Überfluss auch noch teilweise Techno lief, brachte die „Nicht-Stimmung“ dann zum überkochen und so machen wir uns recht früh auf den Weg zum Zelt. Dabei lief uns noch Jan über den Weg, der mit seiner neu erworbenen Pustegitarre auf dem Weg zum Partyzelt war (offensichtlich hatte er den Tag über seine Gitarre, die er uns geliehen hatte, schmerzlich vermisst und kurzerhand für Ersatz gesorgt).

Nachdem wir zwei endlich eingeschlafen waren, meinte irgend so ein Hirni auf dem Platz, seine Grunzmusik in voller Lautstärke anmachen zu müssen, was sich erheblich auf unsere Schlafqualität auswirkte. Hätte der Typ näher bei uns dran gezeltet, müsste ich jetzt wahrscheinlich auf mildernde Umstände hoffen!

Auch am Samstag bretterte die Sonne schon früh ohne Erbarmen, wir krabbelten also schon kurz nach 8 Uhr aus dem Zelt, da es einfach nicht mehr auszuhalten war. Leicht zerknautscht aber den Kater des Vortages hinter uns gelassen, tranken wir erstmal einen Kaffee und dann ne Mischung. Da uns die ersten Bands nicht so sehr reizten, das Schwimmbad aber umso mehr, machten wir uns nach dem Frühstück (wie immer lecker Spiegelei auf Toast) auf die Socken. Im Gegensatz zu Freitag hatten inzwischen deutlich mehr Festivalbesucher das Schwimmbad entdeckt und es hieß: anstehen.

Holger zog es vor, einfach mit seiner Shorts ins Becken zu hüpfen und sich dann unter der Dusche draußen zu waschen. Meine Unterwäsche war dann leider doch nicht ganz schwimmbadtauglich und so stellte ich mich blass vor Neid in die Schlange. Es gab allerdings nur kaltes Wasser – und das war gut so! Denn so hielt es niemand lange unter der Dusche aus und die Schlange wurde stetig kürzer.

Nachdem wir die Hälfte des Rückweges hinter uns gebracht hatten, war ich schon wieder reif für´s Schwimmbad! Aber egal, wir kauften uns was kaltes zu trinken und gingen zum Zelt zurück. Die ersten drei Bands hatten wir bereits verpasst – und diese Tatsache planten wir auch auf die vierte Band auszudehnen. Also gammelten wir ein wenig, futterten Joghurt und unterhielten uns mit unseren Nachbarn. Da ich Lizzy Borden dann aber doch fotografieren wollte, machten wir uns gegen 12:30 Uhr auf den Weg zum Gelände. Es war jedoch kaum eine der Bands nach unserem Geschmack, und so hingen wir nur so in der Gegend herum, fotografierten und wussten nicht so recht, was wir anfangen sollten. Also setzten wir uns eine Weile in den Schatten im Backstagebereich. Dort bekamen wir mit, dass die Pressekonferenz von Ingwie Malmsteen vorverlegt wurde und somit gleich beginnen sollte. Wir stellten uns brav an den Sammelpunkt und wurden dann nach hinten in die „Katakomben“ des „wichtig-Backstagebereiches“ geführt.

„War der Herr Malmsteen nicht mal ein attraktiver Mann gewesen?“, dachte ich mir dann so, als ich den Fragen und Antworten der doch recht überschaubaren Pressegemeinde lauschte... Nun ja, der Zahn der Zeit... Holger schaute währenddessen eher neidisch zur „Hier-bekommt-ihr-alles-für-umme-Bar“ und fragte sich wohl, wie wichtig man dafür sein muss. Na jedenfalls wichtiger als wir, schnief. Als wir uns dann wieder nach vorne begaben – ich wollte gerne noch ein paar Bilderchen von Tankard machen – lief uns noch ein ehemaliges Streetteam Mitglied über den Weg, der eine Art Sonderbackstageführung für uns dealte. Cool :-)

Die sollte dann stattfinden, wenn Grave Digger spielen. Das hieß für uns: weitergammeln... oder auch: weiter trinken! Hardcore Superstar sollten später spielen – die hingen wohl noch irgendwo in der Luft – und Obituary dafür früher. Na bitte, für mich hatte es eh kaum Relevanz. Holger knipste ein wenig und dann gingen wir noch mal zum Zelt. Inzwischen hatten wir auch erfahren, dass die „Superstars“ wohl gar nicht mehr auftreten würden, da sie es nicht rechtzeitig nach Balingen schaffen. Auch gut... So ist das halt, wenn man zu einem Festival fährt, wo man so gut wie keine Band sehen will: Alle Änderungen werden gleichgültig hingenommen, die Aufnahme der Infos dient lediglich der Bewegung der Hirnzellen, grins.

Wir grillten also mal wieder und ließen es uns mit unserem Shäggy gut gehen. Unser Date zur Streetteam-Führung hielten wir jedoch ein. Pünktlich standen wir am Backstage-Eingang, dumm nur, dass uns eine falsche Zeit gesagt wurde! Irgendwann kam Micha hektisch angerannt, schleppte uns zur Bühne, denn zu der Führung gehörte auch, dass man mal seitlich auf die Bühne und ein paar Bilderchen machen darf. Wie geil war das denn? Die Führung wollten wir ja eh nicht machen, wie es im Backstagebereich ausshieht wussten wir ja. Mir ging es von Anfang an nur um die Bühne!!! Alles supi also. Ich drückte mal ne Runde auf den Auslöser im Serienbildmodus und ging kurz darauf mit unzähligen Bildern mehr auf meinem Chip wieder glücklich vor die Bühne. Nur für den Fotograben war es jetzt leider zu spät, aber wurscht.

Wir legten mal wieder ne Zeltrunde ein... Weder Herr Malmsteen und schon gar nicht Saxon (bei denen waren wir vor zwei Jahren beim Earthshaker ohne Scheiß mitten auf der Wiese vor der Bühne eingepennt!) interessierten uns so sehr, dass wir uns in die Massen nach vorne drängelten. Inzwischen war es einfach nicht mehr möglich, einmal quer über das Gelände zu gehen, ohne sich durchboxen zu müssen und darauf hatten wir beide keinen Bock.

Als dann aber Judas Priest an der Reihe waren, nahmen wir den Fußmarsch mit integrierter Nahkampfausbildung auf uns. ICH HÄTTE ES BESSER WISSEN MÜSSEN!!! Hatte ich nicht vor ein paar Jahren schon einen Halford-Auftritt in Balingen miterlebt? DOCH! Und hatte der mich nicht schon an den Rande der Fassungslosigkeit gebracht??? DOCH! Und wiese musste ich mir diese Peinlichkeit noch einmal geben??? Ich weiß es nicht, vielleicht bin ich davon ausgegangen, so was kann der Typ nicht noch einmal bringen... Ich habe mich getäuscht. Na jedenfalls hätte ich eine Empfehlung für Herr Halford, was er vielleicht beruflich in Zukunft machen könnte: NACHRICHTENSPRECHER, das Ablesen vom Teleprompter scheint ja schon erstklassig zu funktionieren. Das war an dem Auftritt aber auch das einzige, was man als erstklassig bezeichnen kann. Abgehakt!

Wir machten uns vom Acker und zogen das Partyzelt vor! Und da auch Yeti, Jan und Dani bald darauf eintrudelten, hatten wir dort einen Heidenspaß. Wie immer gesellten sich ein paar Partylustige zu uns und somit war die gute Laune gesichert. Yeti und ich verdünnisierten uns noch mal schnell zu ihrem Auto – da hatte sie noch eine Bottle Shäggy gebunkert – und stürmten bewaffnet mit den neuen Mischungen wieder das Partyzelt. Dass wir dabei ein wenig wie Penner aussahen, störte uns nicht weiter. Yeti hatte nämlich die brillante Idee, alle Flaschen in einem Müllsack zu transportieren, da so die Securities nichts sagen würden. Ich war einverstanden – auch wenn ich sicher war, dass den Securities unsere Flaschen total egal waren!

Um 3 Uhr hieß es dann Abschied nehmen und sich für nach nächste Jahr verabreden...

Das beste am BYH ist und bleibt das Partyzelt, da stimmt mir inzwischen auch Holger zu. Wo sonst bekommt man einen Klassiker nach dem anderen um die Ohren gedonnert, ohne zwischendurch Gegrunze ertragen zu müssen???

Wir freuen uns auf das BYH 2009!!!