Earthshaker Fest 2006


Aus dem Vorhaben, relativ früh aufzubrechen und demnach auch zeitig auf dem Earthshaker-Gelände einzutrudeln, wurde mal wieder nicht so wirklich was. Gegen 9 Uhr kam Holger zu mir, warf seinen Kram in mein Auto und wir machten uns auf den Weg. Seine Bedenken, ich solle doch lieber um Berlin herum fahren anstatt mitten über die Stadtautobahn, kommentierte ich mit einem leicht besserwisserischen „das geht schneller so, glaub mir“. Schließlich hatte ich den Weg gen Süden ja schon unzählige Male hinter mich gebracht. Dass er aus beruflichen Gründen mindestens ebenso oft quer durch die Republik gegurkt war, hatte ich in diesem Moment wohl verdrängt… Jedenfalls standen wir wenige Minuten später im Stau und neben mir erklang ein hämisches „das geht schneller so, glaub mir“. Ich versuchte es (und auch die darauf folgenden unzähligen Wiederholungen) zu ignorieren, kam mir aber schon ein wenig blöde vor. Man merke sich: Nächstes Mal Klappe nicht so aufreißen.

Irgendwann hatten wir die Blechlawine hinter uns gebracht und ich trat gnadenlos auf das Gaspedal. Holger – den man eher als äußerst defensiven Fahrer einstufen würde – schaute hin und wieder skeptisch auf meinen Tacho, beteuerte mir jedoch mehrere Male, dass alles ok sei und ich meinen Fahrstil ruhig beibehalten könne. Das hätte ich ja auch gerne getan… wäre da nicht mein Autochen anderer Meinung gewesen. Denn plötzlich leuchtete eine der unzähligen Alarmleuchten auf begann auch noch zu blinken wie verrückt. Gepaart mir dem nicht unmerklichen „Schubverlust“ ließ mir das Automobil also nichts anderes übrig, als in einem gemächlichen Tempo weiterzufahren. Holger versuchte ich zu beruhigen, indem ich ihm erklärte, dass ich das schon einmal hatte und ich weder in die Luft geflogen noch das Auto liegen geblieben war. Insgeheim diente das wohl eher meiner eigenen Beruhigung, grins.

Nach unendlich vielen Stunden standen wir dann endlich auf dem Hotelgelände, wo ich zur Passvergabe dackelte und natürlich gleich den ersten Bekannten über den Weg lief. Da es jedoch schon wesentlich später als geplant war, wurde die Begrüßungszeremonie auf ein Minimum abgespeckt, ich sackte die Pässe ein und dann machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Ort für´s Zelten. Diesen fanden wir zum Glück recht schnell – wir quetschten uns auf ein kleines Wiesenstück und hatten offensichtlich ganz nette Nachbarn erwischt. Das Zeltaufbauen ging recht schnell über die Bühne und so wanderten wir los zur Wasserquelle, einem Feuerwehrschlauch.

Nachdem dann endlich alles verstaut war, machten wir uns auf die Socken zum Gelände, die ersten Bands (Justice, Threat Signal, Communic und Knorkator) hatten wir bereits verpasst. Kurz nachdem wir auf dem Gelände angekommen waren, gingen Satyricon auf die Bühne. Ich machte mich auf den Weg zum Fotograben, während Holger sich die Band aus einiger Entfernung anschaute. Da bei keinem von uns beiden maßlose Begeisterung aufkam, beschlossen wir, erstmal über das Gelände zu schlappen und etwas zu essen und zu trinken. Als dann Sodom, die Holger UNBEDINGT sehen wollte, auf die Bühne gingen, verschwand er in der Menge und ich im Fotograben. Die Anzahl der sich dort ansammelnden Fotografen ließ schon nichts Gutes für den darauf folgenden Lordi-Auftritt erahnen!

Nachdem ich sowohl Holgers als auch meinen Chip mit zahlreichen Bilderchen bestückt hatte, entdeckte ich Holger in der Masse. Er schien recht begeistert bei der Sache zu sein und so beschloss ich, erstmal ein Bierchen mit Chris, der mir zufällig über den Weg lief, zu trinken. Er war mir promillemäßig definitiv überlegen, daran arbeiteten wir jedoch und als wir dann auf Holgersuche gingen, war auch der Boden unter meinen Füßen nicht mehr so ganz fest… Chris machte dann noch das ein oder andere Bild von Holger und mir, welche jedoch aus unbegreiflichen Gründen alle unscharf wurden ?. Die Zeit bis Lordi auf die Bühne gingen verquatschten wir, sodass ich fast meinen Fotoeinsatz verpasste. Zusammen mit einer Horde anderer Fotografen stürmte ich dann aber doch noch rechtzeitig in den Graben. Was ich da dann erlebte war schon recht… ja wie soll ich es nennen… ich bezeichne es mal völlig wertungsfrei als „noch nie da gewesen“. Mitten im ersten Song hüpfte der Security-Typ vor mir hektisch auf und ab und gestikulierte und redete (was direkt vor den Monitorboxen natürlich äußerst effektiv war) wie wild auf mich ein. Leicht verwirrt schaute ich mich um und stellte fest, dass dies offensichtlich nicht an einem epileptischen Anfall seinerseits lag… die restlichen Securities legten ein ähnliches Verhalten an den Tag. Die Erklärung war recht einfach, wenngleich nicht wirklich logisch: Man durfte halt nur 90 Sekunden knipsen und musste dann auf den nächsten Song warten um dann wieder 90 Sekunden aktiv werden zu können. Nach drei Songs – oder besser gesagt dreimal 90 Sekunden – quetschten sich dann alle aus dem Graben heraus – ich war schon vorher gegangen, von der Sorge angetrieben, mein dicker Hals könnte zu einer Verstopfung des Durchgangs führen! Ich schaute sie mir dann noch eine Weile an, irgendwann beschlossen Holger und ich jedoch, dass wir genug gesehen haben und traten den Rückweg zum Zelt an.

Dank der Sonne, die schon früh gnadenlos auf den Zeltplatz schien, war an lange schlafen nicht wirklich zu denken. So krabbelten wir also nach gerade mal 4 Stunden Schlaf an die frische Luft und versuchten, einen Behälter für unseren Kaffeefilter zu bauen. Das Kaffeekochen übernahmen dann unsere Nachbarn, was sich als keine gute Idee herausstellte. Holger kochte also noch einen zum Wachwerden hinterher und anschließend machten wir uns auf die Suche nach den Duschen. Auch wenn die Schlange auf den ersten Blick etwas abschreckend wirkte, kamen wir unserem Ziel schnell näher. Während ich durch das heiße Wasser wieder etwas schläfrig wurde, kam Holger topfit vom Duschen zurück. Kunststück, die Männer hatten nur kaltes Wasser, hihi. Er fand das weniger lustig und ich quetschte mir eine Tüte voll Mitleid aus den Rippen. Aber ehrlich gesagt hätte ich das an seiner Stelle auch nicht witzig gefunden, denselben Preis zahlen müssen und dann Frostbeulen bekommen ist schon ein Kackdeal.

Irgendwie lief dieser Tag dann ziemlich schleppend an, man kann auch sagen, wir bekamen den Hintern kaum hoch. Ursprünglich wollte ich mir Evergrey anschauen, die verquatschten wir dann aber… genauso wie die darauf folgenden Bands. Nach einigen Stunden und dem einen oder anderen Bier bzw. Radler begaben wir uns dann leicht angedüdelt zum Festivalgelände, wo wir während des Wintersun-Auftritts ankamen. Die darauf folgende Band, die Apokalyptischen Reiter, trafen unseren Geschmack jedoch eher. Ich hatte sie ja bereits das ein oder andere Mal gesehen und wusste, dass man sich bei ihnen immer auf einen unterhaltsamen Auftritt freuen kann, selbst wenn man nicht hundertprozentig auf diese Art von Musik steht. Diese Ansicht schien auch Holger zu teilen. Caliban, die nächste Band, hatte ich dann irgendwie anders in Erinnerung. Ich stand da, machte meine Bilder und fragte mich, ob ich das letzte Mal zu tief ins Glas geschaut hatte oder unter absoluten Lochfraß im Hirn litt. Egal… Es hätte zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich fast jede Band auf der Bühne stehen können, ich hätte mich bei allen über das Ende des Sets gefreut… schließlich standen danach RAGE auf der Running Order. Und wenn es um diese Band geht, kann ich mich ja nicht wirklich als objektiv bezeichnen. Kein Wunder also, dass ich aufgescheucht wie ein Huhn erst in – ebenso schnell aber auch wieder aus dem Fotograben rannte. Stillstehen wollte mir da nämlich gar nicht gelingen und so beschloss ich, das Fotografieren Tom zu überlassen und selbst ein wenig Nackentraining zu betreiben und das Gehör derjenigen, die unmittelbar neben mir standen, zu strapazieren.

Danach war dann Trinkzeit… der Schlafmangel machte sich langsam bemerkbar und ich schaute mir Soilwork lieber sitzend an. Testament erweckten dann wieder ein wenig Bewegungsdrang in mir und ich ging Fotos machen. Inzwischen fieberte ich aber eigentlich nur noch dem Hammerfall-Auftritt entgegen, eh klar. Nur dass da noch Saxon vorher spielten… Sowohl Holger als auch ich schwächelten ein wenig… na ja, etwas mehr als ein wenig, wir lagen beide mitten auf der Wiese und pennten während wir von Saxon beschallt wurden. Demnach kann ich jetzt auch nicht wirklich eine Beurteilung über ihren Auftritt abgeben.

Bei Hammerfall war ich dann schlagartig wach! NAAATÜÜÜRLICH!!!! Und ich rannte wieder in den Graben um dort festzustellen, dass ich eigentlich doch zu viele Hummeln im Hintern hatte um zu fotografieren. Ich checkte ob Tom Bilder machte und flitze dann vor die Bühne. Holger befreite mich netterweise von meiner Tasche – er befürchtete wahrscheinlich, ich würde mich damit enthaupten – und somit hatte ich freie Bahn. Ich fand die Jungs wie immer super (wobei diese Aussage definitiv nicht objektiv ist), auch wenn mich die karge Bühnendekoration schon überraschte. Wahrscheinlich lag das aber einfach daran, dass der Zeitplan eh schon gnadenlos aus den Fugen geraten war und der zeitintensive Aufbau die Spielzeit zusätzlich reduziert hätte. Aber eigentlich war mir das auch egal, ich hab eh kaum zur Bühne geschaut, hihi. Als dann kurz nach halb 1 Schluss war, war ich zugegebenermaßen völlig im Eimer. Kaum am Zelt angekommen war die Müdigkeit aber wiedermal wie verflogen und ich quatschte Holger noch ein bis zwei Pickel ans Ohr, grins.

Wie zu erwarten bretterte auch am Samstag die Sonne gnadenlos. Wer nicht im totalen Koma lag, hielt es nicht lange in seinem Zelt aus, sondern krabbelte ins Freie. Ich war mir anfangs nicht so sicher, ob mein Zustand mit einem Koma vergleichbar war und versuchte es erstmal mit einem Kompromiss: Ich hing meinen Kopf aus dem Zelt und versuchte so weiterzuschlafen. Suuuper Idee… Gelang mir nur nicht. Schlussfolgerung: Ich befand mich nicht einmal am Rande zum Koma und konnte somit auch aufstehen. Holger ging es wohl ähnlich, er hatte schon wieder das Kaffeekochen im Kopf. Um dem Anstehen an den Duschen zu entgehen beschlossen wir jedoch, gleich loszuziehen. Der Ausgang einer Wette des Vortages bescherte mir einen gedeckten Frühstückstisch inklusive fertig geschmierter Stullen. Anschließend hingen wir einfach rum und quatschten.

Die erste Band, die ich an diesem Tag unbedingt sehen wollte, war Brainstorm. Holger ließ sich nicht überzeugen, einen Blick auf die Herren zu werfen (falls du das jetzt liest brauchst du gar nicht zu schmunzeln…) und somit zog ich alleine los. Immer wieder hatte ich mich vergewissert, wann Brainstorm spielten und mich auf 12:55 eingeschossen. Während ich zum Gelände schlappte, kam ich an zwei Deathmetallern vorbei, die sich über eine Änderung der Running Order unterhielten. Ich sperrte meine Ohren auf und wurde aufgeklärt, dass Brainstorm schon um 12:55 spielen. „Hääää???“ mir fiel nichts schlaueres ein, als kopfschüttelnd zu erwidern, dass das sowieso so in meiner Running Order steht und insgeheim wunderte ich mich, was für ein altes Exemplar die denn gehabt haben müssen… Im Fotograben hatte ich dann das nächste merkwürdige Erlebnis. Die ersten Reihen sahen so ganz und gar nicht nach Brainstormfans aus und die Reaktion meiner Fotokollegen im Fotograben als Andi und Co. auf die Bühne kamen war auch äußerst merkwürdig. Ich raffte gar nichts mehr und wunderte mich nur, dass nach und nach hektisch Leute angerannt kamen…

Als ich dann später in den Backstagebereich ging, brachte ein Freund von mir ein wenig Licht in die ganze Sache. Er erzählte, dass sie gar nicht mitbekommen haben, dass der Brainstorm-Auftritt vorverlegt wurde und ich fragte ihn daraufhin, was sie denn alle für ne Running Order hätten, bei mir würde das eh so draufstehen. Als Beweis hielt ich ihm meine Miniaturausgabe unter die Nase und erntete skeptische Blicke. Da stand ganz deutlich 13.55. Ich weiß nicht, was ich da die ganze Zeit gelesen habe aber im Nachhinein hat sich meine Unfähigkeit Uhrzeiten zu lesen ja ausgezahlt, grins.

Nachdem ich im Backstagebereich ein paar Bekannte getroffen hatte und der ein oder andere Shäggy seinen Weg in meinen Magen gefunden hat, bin ich zurück zum Zeltplatz gegangen. Holger versuchte gerade, sein Gestrüpp auf dem Kopf zu entwirren (sorry, aber GENAU so sah es für mich aus) und als er diese Prozedur hinter sich gebracht hatte, beschlossen wir zu grillen. Ich wurde losgeschickt um Ketchup oder ähnliches zu besorgen, da Frauen Holgers Meinung nach diesbezüglich im Vorteil sind, weil sie „mit den Augen klimpern können“. Bevor ich jedoch das gewünschte Produkt erhielt, bekam ich erstmal ein Bierchen und nen anständigen Whiskey… schwankend kehrte ich dann mit Ketchup, Knoblauchsoße und Senf zurück. Mit gefüllten Mägen machten wir es uns bequem und fingen an, an dem Promillegehalt in unserem Blut zu arbeiten. Ich hatte ein wenig das Gefühl, als wenn mir das besser gelang als Holger, keine Ahnung woran das lag. Er wird ja wohl keine Radleratrappe in sich reingeschüttet haben…

Zu Jon Oliva´s Pain schafften wir es dann aber doch auf das Gelände. Die hatte ich ja bereits beim Bang Your Head und auf ihrer Akustik-Tour gesehen und fand sie wirklich genial. Auch auf Nevermore hatte ich mich gefreut… aber daraus wurde irgendwie nichts. Ich stand da im Fotograben und fing wirklich an, an mir zu zweifeln, als da ein paar geschminkte Typen auf die Bühne kamen. Erst das mit Caliban und jetzt sahen auch noch Nevermore total anders aus. Tine erklärte mir dann aber, dass dies die Death Stars waren und sie mit Nevermore die Auftrittszeit getauscht hatten. Nach einem Blick auf die Running Order beschlossen wir, die Zeit zu nutzen, um noch einmal unter die Dusche zu hüpfen.

Während wir dann so im Zelt hockten, fuhr die Polizei über den Campingplatz und warnte vor einem Unwetter. Toll, das kannte ich ja nun schon vom Bang Your Head letzten Jahres und so scharf war ich auf eine Wiederholung dieser Erfahrung eigentlich nicht. Wir machten uns nach einer Weile auf den Weg zum Gelände, kamen jedoch nicht weit, da die gesamte Veranstaltung unterbrochen worden war. Also gingen wir zurück zum Zelt… und da blieben wir dann auch eine ganze Weile. Genauer gesagt, bis die ersten Töne von Edguy zu uns dröhnten. Das Unwetter war doch nicht so schlimm wie erwartet gewesen und somit standen noch alle Zelte (wenn sie nicht vorher hektisch abgebaut worden waren). Ich warf mich in möglichst wasserdichte Klamotten und wir stürmten los. Mit Fotos machen war leider nichts mehr, da ich pünktlich zum vierten Song am Graben ankam und sich der nette Herr überhaupt nicht überzeugen ließ, mich noch kurz reinzulassen.

Die Rennerei hatte sich trotzdem gelohnt, Tobi schien bestens gelaunt, ließ einen Spruch nach dem anderen los und unterhielt somit auch die nicht ganz so eingefleischten Edguyfans. Venom beeindruckten uns dann nicht so wirklich und wir zogen es vor, den Rückweg zum Zelt anzutreten…

Am nächsten Morgen machten wir uns relativ früh auf den Heimweg. Für mich war es mal eine ganz neue Erfahrung, dass man während eines Festivals auch durchaus mal ein paar Stunden auf dem Campingplatz verbringen kann, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen. Nachdem ich im Vorjahr mit gemischten Gefühlen vom Earthshaker nach Hause gefahren bin, sind es in diesem Jahr eher Kleinigkeiten, die zu kritisieren sind (Holger würde an dieser Stelle wohl noch einmal ausdrücklich auf die kalten Männerduschen hinweisen, grins). Bleibt abzuwarten, wie es nächstes Jahr wird, ich freu mich jetzt schon drauf!!!

See you in 2007