Wacken Open Air 2005

Anfang August ist Wacken-Zeit, das ist seit Jahren so und wird es wohl auch in den nächsten Jahren bleiben… Wie immer machte ich mich am Donnerstag früh mit meinem gnadenlos überladenen Auto auf den Weg an die Nordsee und freute mich schon wie wild, endlich alle, die mir in Wacken erfahrungsgemäß früher oder später über den Weg laufen, wieder zu sehen.

Der einzige Stau, in den ich geriet, war kurz vor Wacken – und der gehört ja inzwischen eigentlich schon zum Festival dazu ?. Abgesehen davon hatte ich dieses Jahr das Glück, dass Alex und Tommy schon seit einer Ewigkeit am Backstage Check-In anstanden und ich somit nicht stundenlang in der Schlange stehen musste. Das nennt man wohl ausgleichende Gerechtigkeit: Im Vorjahr war ich diejenige, die in der brütenden Hitze stundenlang die Stellung hielt…

Nachdem auch Tom, der bereits früh am Morgen mit dem Metal Train aus Stuttgart eingetroffen war, bei uns ankam, machten wir uns auf dem Weg zum Camping Platz. Kaum waren die Autos bei den Leuten vom Metal Train abgestellt, machte sich Tommy – fleißig wie immer – daran, dass Zelt auszupacken. Auch Alex und ich waren fleißig wie immer, nur halt auf unsere Art: Wir packten meine Bowle aus. Ich musste ja zum Glück kein Zelt mehr aufbauen, das hatte Tom bereits erledigt, und so saßen wir zwei Mädels in meinem Kofferraum und süffelten an der Bowle herum. Nach kürzester Zeit stellte sich ein leichter Schleierblick ein und wir beschlossen, ein kleines Päuschen einzulegen.

Wir beschlossen erstmal zu grillen, was mir die Gelegenheit gab, meinen super-mini-Klappgrill zu demonstrieren. Statt Neid erntete ich jedoch eher Gelächter und keiner nahm mich bzw. meinen Grill auch nur ansatzweise ernst. Das konnte ich ja nun wirklich nicht auf mir sitzen lassen und forderte Tommy zu einem „Grillaufbauwettbewerb“ heraus. Den gewann ich dann auch haushoch, ich bin mir jedoch nicht so sicher, woran das lag. Zum einen musste ich wirklich nicht viel tun, außer die vier Wände hochzuklappen (ej, auch das war in meinem Zustand schon eine Herausforderung, das könnt ihr mir glauben!!!) und zum anderen war Tommy so damit beschäftigt, mich auszulachen, dass er kaum zum Zusammenbauen seines Grills kam, grins.

Nachdem wir uns mit Würstchen vollgestopft hatten war es Zeit, sich das Gelände mal genauer anzuschauen. Wir wackelten also los und warfen einen Blick auf die Bühnen. Tristania hatte gerade angefangen zu spielen und so blieben wir ein wenig und schauten zu. Da ich jedoch nicht wirklich ein Fan vom klassischen Gesang im Metalbereich bin, kann man die Formulierung „ein wenig“ wörtlich nehmen, ich zog es vor, mich auf dem Gelände umzusehen, auch wenn die Preise mich nicht wirklich zum ausgiebigen Shoppen einluden.

Während Tom an diesem Tag wenigsten einige der vier Bands gerne sehen wollte und sich besonders auf Candlemass freute, konnte ich mich kaum selbst überreden, wenigstens ein paar Minütchen bei ihnen und auch bei Oomph! und Nightwish vor der Bühne zu verweilen. Nicht zuletzt das Vernichten meines Eimers voll Bowle führte dann dazu, dass mich an diesem Abend schnell die Müdigkeit überkam und ich in mein Zelt fiel…

Der nächste Morgen war dann wettermäßig ein typischer Festivaltag des Jahres 2005: Es regnete. So langsam fand ich das alles nicht mehr komisch, beim BYH waren wir während des Sturmes fast weggeflogen, das Earthshaker wurde von einem penetranten Nieselregen begleitet und jetzt fing das schon wieder so an… Die anderen hatten sich unter einem Sonnenschirm zusammengekauert, wir zogen es aber doch vor, in unseren Miniaturvorzelt zu bleiben und dort zu frühstücken. Ich verzog mich anschließend ins Pressezelt, um unsere Akkus zu laden und die bereits gemachten Bilder auf den Laptop zu überspielen, Tom widmete sich währenddessen ausgiebig dem Shäggy, wie ich bei meiner Wiederkehr feststellte. Das hielt ihn aber nicht davon ab, kurz vor 11 auf das Gelände zu stürmen und sich Mercenary anzuschauen, auf die hatte er sich schließlich schon total gefreut.

Die folgenden Stunden verbrachten wir damit, von einer Bühne zur nächsten zu flitzen, um so viele Bands wie möglich fotografieren zu können. Der immer wieder einsetzende Regen zwang uns jedoch oft, uns ein möglichst trockenes Plätzchen zu suchen. Das war dann meist das Backstagezelt oder unser eigenes. Bands wie Sonata Arctica und Metal Church konnte ich mir dann aber doch einigermaßen relaxt ansehen, was mich vor allem bei Metal Church freute, von denen war ich ja beim Metal Forever Festival im Winter nicht ganz so begeistert gewesen. Diesmal gefielen sie mir aber wesentlich besser.

Aufgrund des Wetters waren wir jedoch einen Großteil des Tages innerhalb irgendwelcher Zelte, anstatt uns durch den immer schlimmer werdenden Matsch über das Gelände zu kämpfen. Tom feierte noch ausgiebig mit den anderen der Metal Train Crew, während ich mit meiner Alex in meinem Kofferraum saß und am Shäggy nippte. Zwischenzeitig zogen Oscar und Stefan von Hammerfall neben uns ein, meinen Wilkommensshäggy lehnte Oscar jedoch wie jedes Jahr ab, grins (inzwischen hab ich mir gemerkt, dass er keinen Whiskey trinkt…). Abends kämpften wir uns dann noch einmal quer über´s Gelände, um uns Metalium anzusehen. Das stellte sich jedoch als fast unmögliches Vorhaben heraus, der Matsch auf dem Gelände war inzwischen so tief, dass große Flächen einfach gar nicht mehr begehbar waren. Tommy und ich verbrachten den Rückweg dann überwiegend damit, andere beim Hinfallen zu beobachten und uns halb dusselig zu lachen (jaaaaa, das ist nicht die feine englische Art, ich weiß ? ) Irgendwann wackelte Alex ins Backstagezelt (sie ist irgendwie unermüdlich, das bewundere ich immer wieder an ihr) und ich schwächelte mal wieder und ging schlafen.

Der nächste Morgen begann wie jeder Morgen in Wacken. Aufstehen, duschen, frühstücken und dann ab ins Pressezelt zum Akkus Laden und Bilder von den Chips ziehen. Aufgrund des Matsches war das Zurücklegen der Strecke inzwischen doch schon recht beschwerlich und eigentlich hüpfte jeder nur noch von Grasfleck zu Grasfleck. Das Hüpfen war dann manchmal nicht die schlaueste Idee, da es bei dem ein oder anderen „leicht“ Alkoholisierten eher zu ´nem fetten Ausrutscher mit Anlauf führte (meine Schadenfreude konnte ich auch da leider nicht immer unterdrücken und entschuldige mich hiermit bei allen betroffenen für mein fettes Grinsen, smile).

Da sich das Wetter noch einigermaßen hielt, nutzten wir die Gelegenheit, möglichst viele Bilder zu machen. Ich schaute mir Zyklon an und Tom ging zur Party Stage um ein paar Bilder von Mob Rules zu machen. Wieder getroffen haben wir uns bei Dragonforce vor der True Metal Stage. Das „gute“ Wetter (jeder von uns hatte inzwischen diesbezüglich sämtliche Ansprüche auf ein Minimum reduziert) nutzten alle und somit war vor der Bühne ziemlich viel los und die Stimmung war demnach auch relativ gut.

Anschließend ging ich zu Suffocation und Tom zu Count Raven. Das Gelände wurde immer voller und ich musste schon ziemlich kämpfen, um möglichst dicht an die Bühne zu kommen. Bei Overkill scheiterte ich dann, Tom hatte sich anscheinend eine etwas bessere Ausgangsposition ausgewählt und war da deutlich erfolgreicher… Ich zog es vor, zur Pressekonferenz von Martin Kesici zu gehen. Aus dem Vorhaben, eventuell zusammen zu zelten, war ja nichts geworden – ihn hatte es auf einen anderen Campingplatz verschlagen – und somit nutze ich diese Gelegenheit, ihm ganz viel Glück für seinen Auftritt zu wünschen und ihm ein wenig Mut zuzusprechen.

Bei Axel Rudi Pell waren dann schon so viele Leute auf dem Gelände, dass ich bei meiner Sehschwäche fast ein Fernglas gebraucht hätte. Zwischenzeitig regnete es immer wieder so heftig, dass ich mich in eines der Zelte verzog. Meine Vorfreude auf den Hammerfall-Auftritt schwand bei dem Anblick des Geländes immer mehr: Ich versank an einigen Stellen schon knöcheltief im Schlamm.

Auch die Ausfahrt vom Campingplatz war zu einem reinen Sumpfgebiet geworden und die paar Autos, die das Gelände verlassen wollten, konnten dies nur mit Hilfe zahlreicher Helfer. Ich fragte mich, wie das am nächsten Morgen, wenn tausende von Autos fast zeitgleich abreisen wollen, wohl werden wird und wie das die paar Traktoren der benachbarten Bauern in den Griff bekommen sollen. Als es dann endlich soweit war und Hammerfall auf die Bühne gingen, kämpfte ich mich durch die Massen, versank im Schlamm und wurde dann von ein paar ganz lustigen Kerlen noch von oben bis unten mit Schlamm bespritzt. Was mir in diesem Moment so an Reaktionsmöglichkeiten in den Sinn kamen, behalte ich lieber für mich. Entschieden habe ich mich für folgende: Sachen packen, verabschieden, abhauen! Und das tat ich dann auch. Ich suchte die paar Leutchen, von denen ich mich unbedingt verabschieden wollte und die sich dann netterweise noch bereit erklärten, mich vom Gelände zu schieben (danke Tom, Alex und Tommy!!!), und dann machte ich mich auf den Heimweg. Tom hielt die Stellung bis sich der Metal Train nachts auf den Rückweg machte.

Ich bekam noch mit, dass Martin wohl nicht sehr freundlich vom Publikum aufgenommen wurde. Das tat mir wirklich Leid für ihn, schließlich steht er wahrscheinlich mehr hinter der Musik als viele derjenigen, die blöd rumkrakelend im Publikum standen! Mich juckte an diesem Abend jedoch gar nichts mehr wirklich... Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass gerade ich einmal so die Nase voll habe, dass ich vorzeitig von einem Festival abhaue und ich hoffe inständig, dass das Wetter im nächsten Jahr ein wenig gnädiger ist und wir das Wacken Open Air so genießen können, wie wir es in den vergangenen Jahren konnten!!!!!!!!!!!!!

See you in 2006