Wacken Open Air 2007

 

Wie jedes Jahr fieberte ich dem ersten August-Wochenende entgegen. Und plötzlich war es da, na zumindest fast. Die Vorbereitungen für das anstehende Partywochenende begannen wie immer am Mittwochabend. Holger und ich stopften das Auto voll – diesmal würde auch endlich mal unser neuer Pavillon zum Einsatz kommen – und schlossen uns dann telefonisch mit Vogel kurz, wann wir uns in Wacken treffen wollen. Er redete mir ins Gewissen, gaaaanz früh loszufahren, da er heute schon von kilometerlangen Staus vor Wacken gehört hatte. Verkehrte Welt, sonst bin ich doch immer diejenige, die Stress macht weil sie möglichst früh los möchte... Sehr merkwürdig. Da der Backstage-Camingplatz aber erst um 12 aufmachen sollte, hielten wir an unserem Plan, um 6 Uhr zu fahren, fest. Mit Vogel, Michi und einen Kumpel wollten wir uns dann quasi vor Ort treffen, da die beiden ja schon bei besagtem Freund in wackener Umgebung waren.

So der Plan... Und mal soll es nicht glauben, dieser Plan wurde doch tatsächlich fast eins zu eins in die Tat umgesetzt. Fast. Erstmal fuhren wir noch zu Holger, da wir ein paar Stimmungsmacher bei ihm vergessen hatten. Mit einem Minus von ca. 1 Stunde auf dem Zeitkonto steuerten wir dann zielstrebig auf die A 24 zu. Wenn das das Vögli wüsste, dass seine mahnenden Worte so wenig Eindruck bei uns gemacht hatten, uiuiuiui.

Ein ewiges Ohr am Verkehrsfunk wuselten wir auch dieses Jahr wieder verloren in Hamburg herum, fanden dann aber doch irgendwann die Auffahrt zur A7 und waren somit nur noch einen Steinwurf von Wacken entfernt. Bei Holger äußerte sich die Vorfreude auf seine ganz eigene Weise: Er zielte mit meiner CD-Tasche auf die sich noch im Bau befindende Brücke bei Itzehoe (hey, die bauen an dem Teil, seitdem ich nach Wacken fahre und das sind ja nun doch schon einige Jährchen), was ich jedoch nicht als allzu gefährlich einstufte, die Munition in der Tasche bestand ja lediglich aus Metalalben, grins. Ich glaube aber ihm war es etwas unangenehm, dass ich seine ungewöhnlichen Schießversuche entlarvt hatte.

In Wacken gab es dann erfreulicherweise keinen Stau, nur die Überbleibsel der Blechkaravane der vergangenen Nacht waren noch deutlich sichtbar. Auch die Schlange am Backstage Check-In war so kurz, dass sie die Bezeichnung Schlange gar nicht verdiente. So hatten wir also kurz darauf unsere Bänder und brauchten nur noch auf Fojel und Co. warten. Das erwies sich dann aber als zeitintensiver als gedacht. Jaja, erst anrufen und Panik schieben, WIR könnten zu spät kommen und dann in Treckergeschwindigkeit die paar Kilometerchen hinter sich bringen, das mag ich ja... Nun fing Holger an sich zu sorgen, wir könnten durch die Warterei einen ungünstigen Zeltplatz finden. Häääää? Was war denn mit den Männern los? Das war doch mein Text! Um den Rollentausch perfekt zu machen, redete ich nun auf ihn ein, es sind genug Plätze da und wir werden sicher noch einen guten bekommen. Und noch einmal: Verkehrte Welt.

Nach einer Weile kamen die Trödlis dann aber an und wir konnten auf das Gelände fahren. Holger und ich wollten gerne in der Ecke zelten, wo wir im vergangenen Jahr gewesen waren und so suchten wir uns einen Weg durch die Zelte. Holger lief und ich fuhr. Weit kam ich jedoch nicht, bereits nach ein paar Metern sprang mir Andy Brings vor´s Auto. Wie cool, dachte ich mir, dann brauch ich ihn schon mal nicht zu suchen. Nach einer ausgiebigen Begrüßungszeremonie schwang ich mich wieder hinter das Steuer und fuhr die letzten Meter bis zu dem von uns auserkorenen Plätzchen, wo wir in Windeseile unser Zelt aufbauten. Bei Michi und Fojel war es eher eine „Lüftchen-Weile“, ihr eigentlich recht unkompliziert aufzubauendes Zelt (vorausgesetzt die Stangen sind weder verbogen noch zerbrochen) erwies sich als Geschicklichkeitsprobe. Irgendwann stand das windschiefe Hexenzeltchen und ich trank meinen ersten Schluck. Bei Holger lag dieses Ereignis schon ein wenig zurück und so hatten wir beide grundverschiedene Ausgangssituationen für eine Diskussion bezüglich des anstehenden Einkaufs. Er beharrt nach wie vor auf der Ansicht, ich hätte Stress gemacht, ich dagegen sehe es vielmehr so, dass es allerhöchste Zeit war, da promillemäßig viel später keine Chance zum Einkaufen mehr wäre.

Egal, nachdem auch der Pavillon, die „Essecke“ und der Rest stand, schwangen wir uns ins Auto und fuhren über die Käffer direkt zum Penny in ich weiß nicht wo. Wir teilten uns den Supermarkt mit einer Gruppe Metallern, die einen für Wacken doch recht ungewöhnlichen Einkaufszettel hatten: Labello, Zahnpasta und lauter so unmetallisches Zeug, wir kamen uns also kaum in die Quere... Nachdem wir dann auch noch das Klo auf der Tanke eingeweiht hatten, die Wasservorräte in unsere Kanister umgefüllt und das falsche Benzin getankt hatten, konnten wir endlich zurück nach Wacken. Das heißt mit einer kleinen Pause an einem Maisfeld, gegrillter Mais stand schließlich an diesem Abend auch auf der Menukarte.

Zurück an unseren Zelten wurde erstmal mit unseren Nachbarn auf eine gute Nachbarschaft angestoßen und dann der Grill angeworfen. Da das Gelände am Donnerstag erst recht spät auf macht, hatten wir noch jede Menge Zeit. Wir aßen uns kugelrund und füllten die letzten Lücken in unseren Mägen mit Flüssignahrung. Kein Wunder also, dass wir schon gut angetütert waren, als es Zeit war, das Gelände zu stürmen. Der Anblick der Strohmassen, die überall ausgelegt worden waren, um den Matsch begehbar zu machen, ließ alte Erinnerungen aufflackern... STROHBOGEN!!! Ich warf mich also prompt ins Stroh und fand in Michi eine begeisterte „wir-bewerfen-uns-mit-Stroh“-Partnerin.

Die erste Band war Blitzkrieg und da ich befürchtete, dass ich bei einem ausverkauften Wacken wohl nicht oft die Gelegenheit bekommen würde, Bands zu fotografieren, versuchte ich gleich mal mein Glück. Mit Erfolg. Wir kamen ziemlich dicht an die Bühne heran und ich war mir sicher, dass ich den Herren da auf der Bühne in den vergangenen Jahren schon einmal vor der Linse hatte, damals aber als Sänger von Satan. Spätere Nachforschungen bestätigten dies und ich schloss daraus, dass mein Alkoholpegel wohl nie so hoch war, dass ich nicht mehr mitbekomme, wer vor mir steht (Jaaaaa, ist mir schon klar, dass sich jetzt zahlreiche Personen melden, die das Gegenteil beweisen könnten, na und... ihr habt keine Beweise, hihi). Jedenfalls fand ich Blitzkrieg auch gar nicht schlecht. Rose Tattoo rissen mich dann nicht so vom Hocker, also liefen Holger und ich ein wenig in der Gegend herum und schauten uns die Stände an.

Sodom wollte ich dann sehen. Naja, nicht wirklich Sodom, ich wollte den Auftritt von Andy Brings sehen, bis zu diesem hielt ich aber nicht durch. Es war schon so voll (ES... nicht ICH!), dass mir die Lust verging. Dazu kommt noch, dass ich ja so rein von der Musik her nicht wirklich ein klassischer Sodom-Fan bin. Also beschloss ich, lieber in Richtung Zelt zu gehen und mal ein wenig ins Glas zu gucken. Michi war auch da und Vogel und Holger kamen kurz darauf. Zusammen mit unseren Nachbarn läuteten wir einen kleinen Umtrunk ein, der dann dazu führte, dass ich an diesem Tag nicht mehr wirklich viel tat. Aber ich bin um eine Erfahrung reicher: MAN TRINKT KEINEN MONK PUR! Einer unserer Trinkbrüder hatte das geheimnisvolle Getränk im Gepäck und bot uns ein Schlückchen des indischen Rums an. Ich hatte gerade keine Cola zur Hand und trank das Zeug pur und auf ex. DAS TUT MAN NICHT – WIRKLICH NICHT. Ich hatte danach erstmal genug und kramte meinen O-Saft heraus. Saxon wollte ich eh nicht sehen, das war also kein Verlust, bei Overkill sieht das ganze schon anders aus. Der Monkgehalt in meinem Körper hätte durchaus einen Ausflug zur Hellfast Stage zugelassen, ich war aber einfach zu faul. Also krabbelte ich in mein Zelt und ärgerte mich, dass ich Bobby und Co. nun nicht sah, super.

ARD und ZDF haben die Mainzelmännchen – wir haben Michi. Während ich noch an meinem Kissen horchte, war sie schon schwer in Aktion. Sie wusch ab, räumte auf und deckte den Frühstückstisch, es war unglaublich. Irgendwann wurden wir dann mal gefragt, wann wir endlich mal aus der Hütte kriechen – die Antwort war einfach: Wenn jeglicher Monk aus der Sicherheitszone von 30 Quadratmetern entfernt worden war. Meine Bedingung wurde von der Nachbarschaft lachend aufgenommen und mir wurde versichert, ich könne beruhigt mein Zelt verlassen. Das Kaffeekochen erwies sich dann als zeitaufwendiger als erwartet und so zwuckelte ich los und kaufte drei Becher – FÜR 7,50 EURO! Die hatten sie doch wohl nicht alle! Das war die erste und letzte Runde Kaffee, die ich an diesem Wochenende schmiss. Wir wechselten lieber zum preisgünstigeren Bananenlikör, der schmeckte eh besser. Kein Wunder also, dass wir schon vor Beendigung des Frühstücks einen nicht zu versteckenden Pegel erreicht hatten. Ich erinnerte mich dann aber, dass ich ja auch noch das ein oder andere Bildchen schießen musste und machte mich pünktlich zur ersten Band auf die Socken. Hätte ich mir sparen können... Ich kam genau bis zum Backstageeingang. Wo genau nun das Problem lag weiß ich nicht, jedenfalls wurden wir aus sogenannten technischen Gründen nicht reingelassen. Wann diese Probleme voraussichtlich behoben sein würden konnte mir auch niemand sagen. Na super! Also legte ich noch einen kleinen Stopp bei Marion, einer Freundin aus dem Schwabenländle ein und kehrte dann zu unserem Bananenlikör und dem Shäggy zurück.

Als wir dann wenig später (wenig stellt hier einen dehnbaren Begriff dar) auf das Gelände konnten, wussten Holger und ich nicht so richtig, welche Bands wir uns anschauen sollten. Vor der Black Stage wurde es schon bedenklich voll, ich versuchte ein paar Bilderchen von Napalm Death zu schießen, scheiterte jedoch. Entweder die Sonne blendete oder ich kam einfach nicht dicht genug an die Bühne heran. Und das um diese Uhrzeit, ich ahnte schon schlimmes für die folgenden Stunden. Da ich einen Blick auf Communic werfen wollte, blieb uns nichts anderes übrig, als die Wanderung zur Party Stage anzutreten. Man man man man man.... wer das Vergnügen hatte, dieses Jahr in Wacken mal eben von einer Bühne zur Party Stage laufen zu wollen, der weiß auch wie dieser Satzanfang zu deuten ist!!! Wir kamen dann sogar an, bevor die Band mit ihrem Set durch war und aufgrund der ungünstigen Lage hatten sich die Massen auch noch nicht bis zu dieser Bühne vorgekämpft. Ich konnte mich also mit meiner Knipse nach vorne drängeln und mich austoben.

Anschließend konnten wir uns für keine Band richtig begeistern und beschlossen, das Campinggelände zu erforschen. Wie erwartet hatte es auch in diesem Jahr Ausmaße, die man eigentlich gar nicht erfassen konnte. Einen Eindruck konnten wir uns jedoch verschaffen, als wir von ein paar Festivalbesuchern, die sich wie jedes Jahr ihre eigenes kleines Dorf errichtet hatten (und auf diese Weise schon zu einer Art Ruhm gelangt waren) eingeladen wurden, mal von ihrem Bauwagen aus über das Gelände zu schauen. Da des bei weitem der höchst gelegene Punkt war, von dem aus man auf das Gewusel runterschauen konnte, war es wirklich beeindruckend. Der Geruch, den der gastfreundliche Herr verströmte jedoch weniger... Schnell machten wir uns also vom Acker und liefen weiter über den Müllberg – nichts anderes war der Campingplatz streckenweise. Unglaublich, ich fürchtete schon, Michi würde bei dem ein oder anderen mal ne kleine Putzeinweisung starten, sie lief jedoch nur überrumpelt von so vielen Eindrücken neben uns her und war nahezu fassungslos. Kein Wunder, das geht wohl jedem so, der zum ersten Mal dort ist und in die kleinen Ghettos derjenigen vordringt, die auch mal eine Woche ohne Wasser leben können, grins.

Getrieben von Hunger und Durst liefen wir dann auch zurück zu unseren Zelten. Es war ziemlich warm und ich wollte mich gerne noch ein paar Minütchen unter unseren Pavillon werfen. Das tat ich dann auch, bevor wir uns alle zusammen auf den Weg zur True Metal Stage machten. Dort sollten Grave Digger als nächstes spielen. Kaum waren wir aus dem Backstagebereich rausgekommen, wäre ich am liebsten gleich wieder umgekehrt. Abgehalten davon hat mich Andy, der lief mir nämlich als erster über den Weg und so blieb ich auf ein kleines Pläuschchen bei ihm stehen. Holger lief irgendwo in der Gegend herum, Michi und Vogel waren auch schon vorgelaufen und so stand ich kurz darauf alleine unter tausenden. Und wen sah ich da? Alex und Tommy, freu. Kurz darauf kam auch Holger, Michi und Vogel folgten und hatten DKW im Schlepptau und so wurde unser Grüppchen von Minute zu Minute größer. Das Fotografieren hatte ich ganz schnell aufgegeben, es war quasi sinnlos zu versuchen, dicht genug an die Bühne heranzukommen. Zumindest wenn man keine absolute Profikamera hat. Also beschloss ich, mir Pharao auf der W.E.T. Stage anzuschauen. Da vermutete ich ein eher weniger großen Andrang. Dass dann aber fast niemand vor der Bühne stand und ich mühelos bis in die erste Reihe vorlaufen konnte, tat mir wirklich leid für die Jungs! Ich hatte den Sänger ja schon vor vielen Jahren in Berlin gesehen und wusste, dass es sicher ein ganz guter Auftritt werden würde aber anscheinend zogen es die meisten vor, sich jetzt Grave Digger anzusehen. Naja, so konnte ich wenigstens ungestört knipsen, ist ja auch was, grins.

Anschließend klappten wir unsere Wanderstöcke wieder aus und latschten zur Party Stage, wo Falconer auf dem Plan standen. Auch hier kamen wir wieder relativ gut durch und ich konnte noch ein wenig fotografieren. Die Stimmung war recht gut, das Wetter sowieso und somit war die Welt in Ordnung. Wenn man mal von unserem aufkommenden Hungergefühl absieht. Da wir noch ein wenig Grillfleisch hatten, gingen wir dann zurück zum Zeltplatz. Dabei kreuzten wir die True Metal Stage auf der gerade Turbonegro spielten. Die fand ich ja geil. Die anderen allerdings fanden jetzt gar nichts mehr geil – nur die Vorstellung von frisch Gegrilltem auf dem Tisch. So folgten wir dem Ruf der Mägen...

Bevor diese mit fester Nahrung gefüllt wurden, kam erstmal ein kurzhaariger Geselle auf Suche nach Gesellschaft mit einer Flasche Jägermeister vorbei und lud uns zu einem Umtrunk ein. Auch wenn ich das Zeugs ja nicht wirklich mag, in Wacken findet jegliche Flüssignahrung den Weg durch die Speiseröhre nach unten (na gut, bei manchen auch wieder nach oben) und so leerten wir erst sein Flasche, dann war der Bananenlikör an der Reihe und zu guter letzt stiegen wir auf alles mögliche um, was sich in unserer gut sortierten Minibar befand. Irgendwann kam dann noch ein mega schlauer Fuchs vorbei, stellte sich als Danny aus Neuseeland vor und erzählte mir was von meinen nice hairs. So promillegeschädigt war ich offensichtlich nicht, ein englischer Mutersprachler, der mir was von hairs erzählt – das kam mir schon komisch vor. Er sollte doch nun wirklich wissen, dass es keinen Plural von hair gibt! Ich fragte ihn, wie es den käme, dass er seine Sprache nicht richtig könne und er guckte nur blöde und erklärte, er sei eigentlich aus Deutschland, würde aber mit der Nummer immer auf einen Drink eingeladen werden. Doofe Nummer, da ich mich ungerne verarschen lasse und eh jeden einladen würde, der vorbei kommt, hatte er sich angemeiert... Wir tranken mit dem nächsten Besuch aus dem Schwabenländle weiter. Den Namen hab ich aber vergessen – oder ich hab ihn nicht verstanden, der Typ leierte schlimmer als wir alle zusammen!

J.B.O. wollten wir eigentlich anschauen – eigentlich. Uneigentlich war das Grillfleisch fertig, wir saßen gerade so bequem und vor allem hatte keiner von uns Bock, sich in das Megagewühle da vorne zu drängeln. Michi und ich schlossen Freundschaft mit einem Pärchen, die neben unserem Zelt in einem Z3 saßen und sich nicht regten, Holger verzog sich irgendwann leicht sauer zu Blind Guardian und ich versuchte ihn dann verzweifelt wieder zu finden. Das gelang nicht und nun war ich höchstgradig pissig, schließlich wollten wir uns seine Lieblingsband zusammen ansehen. So irrten ich rum, ärgerte mich ohne Ende und verzog mich dann ins Backstage, wo ich mit alten Freunden ein wenig quatschte.

Nachdem Holger von seinem Blind Guardian-Alleingang zurückgekehrt war, die Unstimmigkeiten aus dem Weg geräumt waren und auch Michi und Vogel sich bei uns eingefunden hatten, schlappten wir noch mal los, um einen Blick auf Iced Earth zu werfen. Was für eine idiotische Idee, natürlich war es so voll, dass man ohne die Leinwände überhaupt nichts gesehen hätte. Irgendwie rissen die Herren zumindest Holger und mich nicht so richtig vom Hocker und so blieben wir nicht wirklich lange, sondern gingen bald wieder ins Backstage und da dann fast auf direktem Weg zu unserem Zelt. Auch wenn Holger eigentlich einen Blick auf die Apokalyptischen Reiter werfen wollte, die Müdigkeit überkam uns und so krabbelten wir in unser Zelt und läuteten unser persönliches Ende des Tages ein.

Der nächste Tag bekann wie bereits die beiden vorherigen ... mit Geschirrgeklapper. Michi war schon wieder aktiv. Während Holger und ich so gar nicht in die Gänge kamen, waren die anderen beiden draußen schon höchstgradig beschäftigt, hatten den Tisch gedeckt, abgewaschen und zumindest Michi wartete nun auf unseren Kaffee. Ihre Langeweile bekämpfte sie einfach damit, auch noch die Plastikstühle abzuschrubben – wer´s braucht, bitte. Mich wundert bei Michi so langsam nichts mehr, grins. Ich kämpfte mich also aus dem Zelt, warf den Kocher an und versuchte Herrin meiner Sinne zu werden. Das gelang dann – wenn auch erst nach einiger Zeit – und schließlich kam auch Holger und half beim Kaffee kochen (jaaaaa, in dem Zustand kann es schon vorkommen, dass es dafür vereinte Kräfte bedarf!!!)

Schnell schwankten wir auf die hochprozentigen Getränke um. Ich nahm mir jedoch vor, das ganze ein wenig genauer zu kontrollieren als am Vortag – Holger verfolgte diese Taktik ja eh bereits seit Freitag... Zum Frühstück gab es dann noch ein paar Marmeladentoast und alles war gut. Anschließend gönnten wir uns eine Dusche und da meine Akkus so langsam leer waren und der Chip voll, führte mich mein nächster Weg ins Pressezelt, wo ich meine Akkus ein wenig auflud und die Bilder auf den Laptop zog. Kaum war ich damit fertig, war es auch schon Zeit, mal auf´s Gelände zu gehen. Schließlich bestand nur Vormittags eine reelle Chance, ein paar brauchbare Bilder machen zu können. Somit standen Sacred Reich als erste Band diesen Tages auf meinem Plan. Ich kam auch einigermaßen gut an die Bühne ran, schade nur, dass die Musik nicht so nach meinem Geschmack war. Kein Wunder also, dass ich Vogel das Knipsen überließ und zum Zeltplatz zurückging. Dort trafen dann auch Alex und Tommy ein, wir konnten also in aller Ruhe einen trinken und quatschen, bis wir uns auf den Weg zu Stratovarius machten. Natürlich war es schon wieder brechend voll. Ich fand das nicht wirklich lustig – Alex als großer Strato-Fan sicher auch nicht. Ich hielt es jedoch länger als gewohnt aus und hörte mir einige Songs an. Alex war schon längst auf und davon – keine Chance, sie in der Masse ausfindig zu machen. Schade, schließlich hatten wir schon das ein oder andere Strato-Konzert zusammen verbracht und einen Riesenspaß gehabt. Naja, eigentlich haben wir bei jedem Konzert einen Riesenspaß, Alex ist halt genau so ein verrücktes Hühnchen wie ich, grins.

Ich ging dann bald mit Holger nach hinten einen Schlürfen und mal schauen ob die Jungs von Rage – meinem absoluten Wacken-Highlight – schon da waren. Jupp, sie waren. Allerdings war außer einer kurzen Begrüßung nicht viel drin, da sie gerade Interviews gaben. Andre erzählte mir noch kurz, dass er als Drummer nicht so zum Einsatz kommen wird, da sie ja das Orchester dabei haben und demnach das meiste etwas ruhiger gespielt wird.??????????????? Ich wusste ja schon, dass die Fiedler mit dabei sind aber dass nun das gesamte Set mit Ihnen gespielt wird, das war mir neu – und keine wirklich gern gehörte Neuigkeit! Ich fing also schon im Vorfeld an schlechte Laune zu bekommen. MIT RECHT. Wer mich kennt, der weiß dass ich bei Rage wirklich alles andere als objektiv bin, sie können fast alles machen und ich find es einfach großartig. Aber eines können sie nicht: Auf `nem Festival mit `nem Orchester rumfiedeln! Das fand ich alles andere als lustig. Ich schaute mir den von mir heiß erwarteten Auftritt also ein paar Songs an und hatte dann die Nase voll und verduftete. Nee nee nee, das war nichts für mich. Tief gefrustet kehrte ich zu unserem Zelt zurück und startete einen kleinen Umtrunk – alleine, mit meiner Laune wäre ich wahrscheinlich eh kaum zu ertragen gewesen. Als kleiner Trost standen Destruction als nächste auf der Running Order. Schnell fand ich die anderen wieder und gemeinsam warteten wir auf Schmier und Co. Aber irgendwie hatten Holger und ich auch von dieser Kombo nach ein paar Songs genug und liefen ein wenig durch die Gegend. Das erwies sich zu dieser Zeit schon als richtige Herausforderung, überall waren Menschen und man kam kaum voran. Ich fahre ja nun schon jahrelang nach Wacken aber so was hab ich da noch nicht erlebt. Wie schon in Belgien sahen wir so gut wie nichts von Typ O`Negative, was ich persönlich nicht sooo schlimm fand. Holger auch nicht. Zu In Flames rafften wir uns noch einmal auf aber irgendwie konnten wir beide uns nicht damit anfreunden, kilometerweit von der Bühne (ok, das mag jetzt übertrieben sein, kommt der gefühlten Distanz aber sehr nahe) entfernt stehen zu müssen.

Subway to Sally hätte ich mir gerne angeschaut aber wie immer spielten sie einfach zu spät, wann sehe ich mir in Wacken schon mal eine Band um 2 Uhr an? (Außer natürlich es sind Primal Fear – siehe 2006!)

Am nächsten Morgen packten wir recht schnell zusammen, Vogel und Michi tauschten ihr völlig demoliertes Zelt gegen das von Micka. Er erklärte uns nämlich, er würde sich jedes Mal ein neues billiges Zelt kaufen und dann einfach stehen lassen, da er auf die Abbauerei keinen Bock hat. Wie dekadent, oder? Wir fanden das einfach nur lustig und Vogel und Michi übernahmen dann das Abbauen und nahmen das Zelt in ihren Besitz. Dieses Jahr kamen wir weder in eine Kontrolle noch in einen Stau und konnten somit auf direktem Weg nach Berlin fahren.

Es war wieder ein lustiges Wochenende, was aber mehr an der Gesellschaft als an dem Festival allgemein lag. Bei der Vorstellung, dass die Besucherzahlen noch einmal erhöht werden könnten, vergeht mir so langsam die Lust auf dieses Festival. Ich möchte nicht auf ein Fernglas angewiesen sein, um eine Bühne sehen zu können und auch keinen Wanderstock benötigen, um von einer Bühne zur nächsten zu gelangen. Ich hoffe, dass sich das ganze wieder ein wenig normalisieren wird – was bei dem angekündigten Headliner für nächstes Jahr wohl eher illusorisch ist. Abwarten und hoffen ist die Devise.