Wacken 2010

Da ich im Vorjahr am Donnerstag schon Probleme hatte, einen guten Platz auf dem Campingplatz zu ergattern, sollte in diesem Jahr alles anders werden. Wir fuhren schon am Mittwoch los, wir, das waren Michi, Holger und ich. Wie jedes Jahr nahm ich mir vor, nicht quer durch Hamburg zu fahren, sondern den etwas längeren – aber dafür viel unkomplizierteren Weg über die Autobahn zu nehmen. Aber wie jedes Jahr scheiterte ich mit diesem Vorhaben und schwupps, fanden wir uns mitten in Hamburg wieder. Na super... Michi und Holger hatten schon gut vorgetankt und grölten die halbe Stadt zusammen während ich die A....karte hatte – einer musste ja schließlich fahren. Ich nahm mir jedoch vor, diesbezüglich alles nachzuholen, sowie unser Zelt aufgebaut war!

Unsere Pässe erhielten wir ziemlich schnell, leider jedoch nicht schnell genug, um dem einsetzenden Regen zuvorzukommen. Also bauten wir unsere Zelte im Regen auf. Als Entschädigung taten wir dies aber an strategisch äußerst günstiger Stelle, nur einige Meter vom Backstage-Eingang entfernt, die Toiletten und Duschen gleich um die Ecke und trotzdem etwas im Abseits. Aufgrund der Nähe zum Pressezelt auch noch mit vollem Wlan-Empfang – also ein Traumplatz für meine Wenigkeit :-)

Kaum standen die Zelte und der Pavillon, hörte der Regen auch schon wieder auf. Michis Zelt war im Vergleich zu unserem eine kleine Hundehütte und passte halb unter den Pavillon. Es war inzwischen früher Nachmittag und wir beschlossen, erst einmal einkaufen zu gehen, schließlich wollte ich dann auch endlich mal zum gemütlichen Teil des Tages übergehen! Das konnte ich dann auch eine knappe Stunde später... In Erinnerung an alte Zeiten mit Alex hatte ich mal wieder einen Eimer Bowle mitgebracht... Dieser sorgte dafür, dass ich in kürzester Zeit den Vorsprung der Anderen ausgeglichen hatte. Wir machten uns mit den mehr oder weniger Langhaarigen der unmittelbaren Umgebung bekannt und bildeten eine gemütliche Runde. Da das Gelände an diesem Tag noch geschlossen blieb, waren wir dazu verdonnert, am Zelt zu bleiben und zu feiern.... nicht das Schlimmste, was einem passieren kann :-)

Ich ging recht zeitig schlafen und genoss den doch sehr ruhigen Auftakt zu diesem Festival.

Am Donnerstag füllten sich die letzten freien Plätze um uns herum sehr schnell und ich war froh, dass ich das hektische Treiben wie von dem Muppet Show-Balkon aus betrachten konnte – immer mit einer ordentlichen Mischung in der Hand... Und auch die Duschen waren an diesem Tag noch so überschaubar besucht, dass man sich keinen strategisch günstigen Zeitpunkt für das erfrischende Nass aussuchen musste. Zu meiner Entgeisterung (was für ein Wort :-), musste ich auch in diesem Jahr wieder hüpfen, um den Wasserknopf drücken zu können, grrrr.

Nachmittags wurde dann endlich das Gelände geöffnet und Michi und ich stürmten los. Als erste Band standen Skyline auf der Running Order. Das bedeutete ein cooler Coversong nach dem anderen, Michi und ich bereuten, unsere Gitarren am Zelt gelassen zu haben und missbrauchten so ziemlich alles als solche, was ging :-) Wir hatten Spaß ohne Ende! (Die um uns herum wohl auch *lach)

Bevor Alice Cooper auf die Bühne ging, sorgten wir schnell für Getränkenachschub und packten unsere Gitarren ein. Eigentlich ging dann eine endlose Party los, so richtig erinnern kann ich mich an keine der Bands, weder Alice Cooper, noch Mötley Crüe oder Iron Maiden. Michi und ich feierten einfach nur wie die Wahnsinnigen, es gesellten sich immer wieder zahlreiche Feierwütige zu uns und auch Holger ließ sich schließlich bei uns blicken – wenn auch erst, als Iron Maiden ihren Auftritt hatten. Auch das ein oder andere Fernsehteam gesellte sich zu uns, das kannten wir ja schon aus den vergangenen Jahren – was für mich bedeutete, lieber kopfüber zu verharren... Sooo scharf bin ich auch nicht darauf, den Eltern meiner Schüler mit meiner Luftgitarre in der Hand und der Mischung in der Tasche aus der Mattscheibe entgegen zu lachen.

Während uns sowohl Alice Cooper als auch Mötley Crüe total begeisterten, fand der Auftritt von Iron Maiden nur mäßigen Zuspruch – und das nicht nur von uns. Viel zu viel neues Zeugs, dafür wurden alte Klassiker einfach weggelassen. Auch nachdem sie schon längst von der Bühne verschwunden waren, saß ich auf dem Boden und wollte nicht glauben, dass dieser Abend ohne „Run to the Hills“ zu Ende gehen sollte. Nachdem das Gelände fast leer und die Bühne geräumt war, musste aber auch ich akzeptieren, dass Maiden halt beschlossen hatten, einen mäßigen Auftritt hinzulegen und diesen dann quasi unvollständig zu beenden.

Na bitte, dann wurde eben zu anderer Musik weiter gefeiert. Holger war verschollen und Michi sperrte sich in ihrem eigenen Zelt ein und wurde dann von unseren Nachbarn befreit... im Vergleich zu ihr war ich wohl gar nicht sooo betrunken, ich kam noch raus aus meinem Zelt *lach. Was für ein Abend....

Am nächsten Morgen stellte sich folgendes Problem: Der Jacky war alle! Gibt es bei einem Festival ein größeres Problem, das auftauchen kann??? NEIN. Wir fuhren also los, um Nachschub zu besorgen. Im ersten Supermarkt wurde uns gesagt, der würde erst wieder am Abend geliefert werden... ja super, da hatte ich aber vor, nicht mehr fahrtüchtig zu sein – wofür ich jedoch zugegebenermaßen erst einmal das erforderliche Getränk käuflich erwerben musste... Verdammter Teufelskreis... Wir fuhren letztendlich bis nach Itzehoe, wo ein paar Flaschen in unseren Besitz übergingen.

Schnell ging es zurück zum Gelände und die Party konnte beginnen. Da ich am Donnerstag und am Mittwoch schon gut vorgelegt hatte, war mein Bedarf ziemlich schnell gedeckt und ich trank viel gesundes Zeugs nebenher, was Holger und Michi ein wenig verunsicherte *lach

Ich ging dann auf´s Gelände, um ein paar Fotos zu machen, gab dieses Vorhaben aber recht bald wieder auf. Es war schon mittags brechend voll, ein Rankommen auf Fotodistanz an die Bühnen quasi unmöglich. Michi und ich liefen in der Gegend herum, schauten uns die Stände an und kapitulierten vor den Massen. In diesem Jahr würde es wohl eher Bilder der Besucher als von den Bands geben. Aber eigentlich hatte ich ja bereits im Vorfeld mit so etwas gerechnet. Bei The Boss Hoss nahm ich die Drängelei auf mich, da ich aus der Vergangenheit wusste, dass das Publikum dieser Band immer einige nette Motive bietet – und so war es auch dieses Mal.

Außerdem war mir Mike Terrana (mit Tarja in Wacken) noch eine Drängelei wert. Anschließend gab ich auf und wir gingen zum Zelt etwas essen... Unter unserem Pavillon war schon eine große Gruppe versammelt, wir hockten uns also dazu und feierten mit. Der Herr Nachbar hockte bei sich im Auto – wie eigentlich die ganze Zeit und hörte Musik. Das war schon ein merkwürdiger Anblick, kommunikativ ist irgendwie anders...

Dafür war der Rest umso kommunikativer und wir hatten unseren Spaß. Zu Grave Digger gingen wir noch einmal nach vorne, blieben bis zu Rebellion und machten uns dann auf den Rückweg. Michi und ich blieben noch ein wenig im Backstage, wo schon einige alte Bekannte mehr oder weniger alkoholisiert herumhingen. Holger ging schon zum Zelt und wie es sich für eine fürsorgliche Freundin gehört, ging ich dann auch bald hinterher, damit er nicht so lange allein rumhocken musste. Dumm nur, dass er gar nicht da war! Er ging auch nicht an sein Telefon... das tat er dann über eine Stunde später mal... er war bei irgendwelchen Freunden aus dem Kaff, wo er herkommt... wollte aber bald zum Zelt kommen... So ca. 1,5 Stunden später rief ich nochmal an... da war er dann bei der Metal Hammer Party. Ganz nebenbei die Party zu der ICH nicht gegangen bin, da ich ja meinen Freund nicht so lange alleine hocken lassen wollte.

Ein wenig verwunderlich schien mir auch, dass er inzwischen wohl der Meinung war, ich könne mich durchaus alleine alkoholisiert auf einem Festival herumtreiben, das ging ja schließlich 3 Wochen vorher beim BYH ÜBERHAUPT nicht, da musste ja auf mich aufgepasst werden... alles schon etwas verwunderlich...

Mit einem Hals bis nach Timbuktu und dem Vorhaben, in Zukunft keine Rücksicht mehr auf meine männliche Begleitung zu nehmen, schlief ich irgendwann ein.

Samstagmorgen krabbelte ich recht früh aus dem Zelt. Auch Michi war schon schwer in Aktion, sie räumte mal wieder auf und war bereit für das Frühstück. Wir holten also den Kram unter dem Auto hervor – in der Regel der kühlste Ort auf einem Festival (hin und wieder vergaß man dieses Depot auch mal und fuhr dann drüber) und machten uns erst einmal einen Kaffee, frühstückten und gingen duschen.

Da an diesem Tag die ersten Bands erst um 12 auf die Bühne gingen, blieb ausreichend Zeit für einen Spaziergang über den allgemeinen Campingplatz. Auch wenn das immer wieder sehenswert ist, fällt doch auf, dass man jedes Jahr über dieselben Freaks stolpert und auch die Müllberge unterscheiden sich irgendwann nicht mehr wirklich von denen der vergangenen Jahre. Aber wir bekamen die Zeit rum und gingen dann gegen halb 1 auf das Gelände. Ektomorf hatten schon jede Menge Besucher vor die Black Stage gelockt, bei Nightmare auf der WET-Stage sah das ein wenig anders aus. Da mir unsere Zeltnachbarn erzählt hatten, sie würden bei dieser Bühne mit ihrem normalen Fotopass in den Fotograben kommen – also ohne speziellen Pitpass – versuchte ich das auch mal. Unnötig zu erwähnen, dass ich natürlich nicht hineingelassen wurde *grummel.

Ich hatte aber eigentlich auch nichts anderes erwartet. Wir stellten uns also in die erste Reihe und so konnte ich bei The New Black die ganze Zeit über Bilder von ganz vorne machen – nicht nur während der ersten drei Songs! Eine halbe Stunde ist bekanntlich recht schnell vorbei und so standen wir kurze Zeit darauf auch schon wieder in der prallen Sonne. Caliban donnerten gerade von der True Metal Stage herüber. Wir sahen dem Treiben aus sicherer Entfernung zu. Kurz nachdem sie die Bühne verlassen hatten, ging es auf der Black Stage mit Unleashed weiter – kurz gesagt: Alles nicht unbedingt unsere Lieblingsbands. Da es zum Fotografieren auch schon wieder viel zu voll auf dem Gelände war – einige verzweifelte Versuche hatte ich zwischendurch immer mal wieder gestartet – verzogen wir uns dann zu unserem Zelt. Natürlich waren auch von den Nachbarn wieder einige dort, Holger saß da auch herum – und wir tranken gemütlich einen. Ich war immer noch nicht wirklich in Trinklaune, wahrscheinlich hatte mein Körper immer noch Restreserven von Donnerstag *lach.

Unser Auto-Nachbar hockte wieder in seinem Töff und auch eine freundliche Einladung unsererseits konnte ihn nicht zum Aussteigen bewegen. Er fühlte sich wohl nicht gut und hatte vor, bald nach Hause zu fahren.

Ursprünglich wollte ich ja unbedingt Overkill sehen... die Anderen auch... Gesehen hat sie dann glaub ich keiner von uns, da wir uns ordentlich festgequatscht hatten. Eine Ausnahme bildeten hier die ein bis zwei absoluten Fotofreaks, deren einziges Ziel es in Wacken war, möglichste jede Band zu fotografieren. Jaja, die Jugend :-) Vor 8 Jahren war ich auch noch so – nur mit dem kleinen Unterschied, dass man damals auch noch einigermaßen stressfrei Bilder machen konnte und sich nicht erst an 50.000 Leuten vorbeidrängeln musste. Inzwischen sehe ich das W:O:A: ja mehr als großes Fest, als dass ich noch so naiv wäre zu glauben, man könne da auch nachmittags und abends super Bilder ohne Pitpass machen...

Um 18 Uhr packten wir unsere Gitarren und machten uns auf den Weg zu WASP. Michi war wieder gut angegangen.... ich auch (nur ohne Alkohol – was mir aber wohl so ziemlich niemand glaubte) und wir zogen mit den Herren der Umgebung im Schlepptau nach vorne. Michi wurde prompt von irgend so einem Vollpfosten angemacht, verkaufte diesem dann aber einen unserer männlichen Begleitung als ihren Ehemann. Dumm nur, dass der Vollpfosten das wohl nicht so wirklich kapierte, und auch noch dem vermeintlichen Ehemann ein Gespräch auf´s Auge drückte. Ich machte mich unterdessen mit meiner Gitarre auf den Weg... einige Meter weiter hatte ich erst den Blind Guardian Gitarristen entdeckt, den ich einfach mal anspielte... nachdem er erst ein wenig überrumpelt schien, spielte er ein wenig mit auf meinem Pusteteil, dann zog ich weiter zu dem gestrandeten Wal in rosa mit Wikingerhut, der einem seit Jahren immer wieder auf Festivals entgegen kam, spielte ein Ründchen mit ihm (er hatte seine eigene Gitarre in zartem Rosa dabei) und kurz darauf kehrte ich zurück zu meinen Leuten.

Dort war inzwischen auch Nina eingetroffen – und als wären wir verabredet gewesen – kam einige Minuten später auch noch Thorsten (mit ihm hatten wir ein Jahr zuvor MEGA-Parties im Backstage gefeiert). Wir schütteten schnell die Mischung, die ich für den Notfall dabei hatte, in uns hinein, teilten brüderlich meine Gitarre und hatten jede Menge Spaß. Irgendeine meiner „auf-den-Knien-rumrutsch-Aktion“ sorgte dann dafür, dass mir Blut an den Beinen entlang lief, was ich jedoch gar nicht bemerkte.... Ich bin auch nicht dran gestorben, es gab keine Blutvergiftung... kein Grund also, irgendetwas an meinem Verhalten zu ändern.

Inzwischen war es so brechend voll auf dem Gelände, dass wir uns irgendwo weiter hinten hinhockten und Edguy aus der Entfernung anschauten. Wirklich sehen wollte ich nur noch U.D.O. um halb 2 Uhr nachts. Ich zweifelte aber daran, dass ich das wirklich noch hinbekommen würde, die Bands vorher rissen mich nicht so von den Socken, fotografieren konnte ich eh nicht mehr und mein Körper zeigte auch so langsam erste Schwächeerscheinungen. Michi und ich legten uns irgendwann hin – und ich stellte den Wecker.

Es war echt schon ein Kampf, mitten in der Nacht wieder aus dem Zelt zu krabbeln, der größere Kampf war es jedoch, auch Michi dazu zu bewegen! Ich redete auf sie ein, zog ihr den Schlafsack weg – ich hätte sie wohl auch noch eigenständig angezogen... Das war dann aber doch nicht nötig. Total im Eimer, unsere mäßig aufgepusteten Gitarren in der Hand, schleppten wir uns nach vorne. Die Massen waren inzwischen verschwunden, wir kamen also relativ dicht an die Bühne heran. Auch Holger tauchte mal kurzfristig dort auf...

Michi versuchte sich wach zu halten, ich hüpfte ein wenig in der Gegend herum – und als es dann auch noch anfing zu regnen, kapitulierten wir und gönnten unseren Körpern den verdienten Schlaf.

Der Sonntagmorgen in Wacken ist bekanntlich ein äußerst besch... Tag. Erstens weil man total im Eimer ist und zweitens weil es zumindest in meinem Fall in der Regel das letzte Festival des Jahres war. Entsprechend gelaunt bauten wir unser Zelt ab, ich demonstrierte der Nachbarschaft noch, wie man sein Zelt so lange platt rollt, bis es doch wieder in seine Tasche passt – die Herren waren der Ansicht, das würde bei meinem Monsterzelt NIEMALS klappen. Ich erntete dabei jede Menge blöde Sprüche und Gelächter, war aber letztendlich erfolgreich. Nachdem alles verstaut war, mussten wir nur noch versuchen, auch Kumpel Blanket ins Auto zu pressen. Dank des ganzen Leerguts war mein Atze gnadenlos überladen! Michi quetschte sich also zwischen die ganzen Flaschen und wir drückten die Tür zu....

Ich hätte mich jedes Mal, als ich in den Rückspiegel guckte, totlachen können! Noch mehr allerdings, als wir beim Meckes eine Pause machten und erst einmal unzählige Flaschen aus dem Auto flogen, bevor Michi überhaupt einen Fuß auf den Boden setzen konnte. Unnötig zu erwähnen, dass wir der Lacher auf dem Parkplatz waren – was nicht unbedingt besser wurde, als wir Michi samt der Pullen wieder ins Auto hinein beförderten :-))))

Irgendwann kamen wir total gerädert in Berlin an... mit unzähligen Erinnerungen und Blessuren, die uns noch lange an dieses W:O:A: denken lassen würden...