Wacken 2009

 

Und schon wieder begann ein Festival für mich ziemlich einsam...

Da Holger nicht zwei Tage freimachen konnte, fuhr ich Donnerstag früh alleine los nach Wacken. Ich war mir sicher, dass ich so früh dort sein würde, dass ich quasi freie Platzwahl haben müsste. Das war zumindest, was ich mir so vorstellte. Unterwegs entschied ich, mir die Eierei durch Hamburg nicht zu geben, bei der ich mich ja Jahr für Jahr verfuhr, sondern ich nahm einen Umweg in Kauf und blieb dafür auf der Autobahn. Das klappte auch sehr gut und so war ich kurz vor halb 11 schon am Check In. Nach 10 kurzen Warteminuten hatte ich meinen Pass und fuhr auf das Gelände. Auf das recht volle Gelände! Es war gerade mal 10:45 Uhr und der VIP-Campingplatz war schon gut gefüllt, großartig!

Da unser Zelt ja auch nicht gerade in eine kleine Ecke passt, entschied ich mich für das letzte Ende des Platzes – und das ist wirklich wörtlich zu nehmen! Die zwei Herren, die dort bereits saßen, stellten sich sofort als Aufbauhilfen zur Verfügung als sie mein Monsterzelt sahen – eigentlich half nur Jörg, Daniel schaute sich das ganze lieber aus sicherer Entfernung an – und somit hätte alles wunderbar klappen können. Hätte hätte Herrentoilette würde meine Freundin Conny jetzt sagen. Hat es aber nicht! Der Wind wurde immer stärker, die Stangen bogen sich bis auf den Boden durch, ich hatte kaum eine Gelegenheit die Heringe in den Boden zu stecken, kurz gesagt: Es war eine einzige Katastrophe. Ein paar relativ windstille Minuten ermöglichten mir dann aber doch, das Teil einigermaßen wetterfest aufzustellen. Ohne Jörg wäre ich allerdings ganz jämmerlich gescheitert. Inzwischen hatte sich noch ein Pärchen zu uns gesellt und baute ihrerseits ein Zelt auf, allerdings ein deutlich überschaubareres.

Ich war währenddessen schon mit meinem Pavillon beschäftigt. Vor 4 Wochen hatten Holger und ich uns ja gänzlich blamiert, da wir unseren eigenen Pavillon nicht mehr zusammen bekommen haben und nun deutete sich die nächste peinliche Situation an. Ich rannte immer wieder um das zusammengeklappte Teil herum, schob es Zentimeter für Zentimeter auseinander und dann war Schicht im Schacht. Von so Kleinigkeiten lass ich mich ja nicht unterkriegen und flitzte weiterhin Runde für Runde um das Teil herum – immer unter dem argwöhnischen Blick von Daniel, der sich weiterhin auf das Zuschauen der Aufbaubemühungen seines Umfeldes beschränkte. Einzig und allein die Befestigungsschnüre meines Pavillons, die im Sturm wild hin und her flatterten und sicher nicht angenehm waren wenn man sie abbekam, störten seine Ruhe.

Irgendwann frage ich dann doch mal bei dem Pärchen nach, ob sie vielleicht mal kurz mit anfassen könnten und so stand der Pavillon dann einige Minuten später und wankte schon verdächtig im Wind. Ich verankerte alles mit Heringen und erklärte Daniel, er solle mal ein wenig optimistisch sein, er war sich nämlich ziemlich sicher, der Sturm würde das Teil bald in einen Alu-Schrotthaufen verwandeln. Immer dieser Pessimismus! Ich ließ meinen klassischen „Das Glas ist immer halbvoll-Spruch“ ab und fuhr erstmal einkaufen.

Als ich zurück kam, lag mein Pavillon neben meinem Zelt. Das Glas war wohl umgekippt und nun nicht einmal mehr viertel voll... Es waren zwei Stangen zerbrochen und er hatte sich zerlegt, so wurde mir erklärt. Supi. Daniel (dieses Mal der männliche Part des Pärchens) und Nina hatten ihren Pavillon daraufhin ganz schnell wieder abgebaut. Gute Idee. Ich beschloss erstmal einen zu trinken. Während Daniel und Jörg schon wieder wie die beiden Opas der Muppet Show auf ihren Stühlen saßen und Bier schlürften, packte ich die 3 Literflasche Shäggy aus und erntete skeptische Blicke. Muss auch komisch ausgesehen haben, da kommt da so ne Tussi alleine mit 6 Mannzelt, zieht mit Megagepäck ein und kramt dann so ne Pulle aus. Egal, ich ließ es mir erstmal schmecken und während Daniel 2 (ich nenne ihn jetzt mal so, das ist der Freund von Nina) mit dem Aufbau ihres Kühlschranks beschäftigt war, sorgten wir zwei Mädels für den Promillegehalt im eigenen Körper. Ganz ohne schlechtes Gewissen, Daniel trink sowieso nicht, wurde ich aufgeklärt. Na umso besser, Nina und ich tranken einfach für die Herren um uns herum mit – und das mit Erfolg!

Inzwischen quetschte sich noch ein Zelt in unsere Ecke und es stellte sich Thorsten vor. Thorsten gehört zum Twilight Magazin und war seinerseits mit einem recht lustigen Haufen angereist. Angelockt von dem unverwechselbarem Geräusch einer Luftpumpe schauten wir mal bei der Gruppe vorbei und ließen die typischen Sprüche derjenigen ab, die NICHT pumpen müssen – während andere mit hochrotem Kopf versichern, es wäre gaaar nicht anstrengend, hihi. Das aufzupumpende Objekt war eine Rettungsinsel des Roten Kreuzes – oder so ähnlich. Auf jeden Fall hatte es Seltenheitswert auf einem Festival!

Mein Pavillon wurde dann in Gemeinschaftsarbeit geklebt und mit unzähligen Schnüren festgebunden, so dass er wieder einssatzfähig war und wir alle erstmal einen trinken konnten. Um kurz vor vier machten Daniel 2, Nina und ich uns auf den Weg zum Gelände. Ich wollte gleich mit den ersten Bildern beginnen und wunderte mich, was der Angelripper da auf der Bühne machte. Ein Blick auf die Running Order brachte die Erleuchtung: Er war dann wohl einer der angekündigten Gäste von Skyline. Sehr schön, die Band kannte ich nicht aber wenigstens ihre Gäste. Ich machte also ein paar Bilder und verlor somit meine beiden Begleiter. Anschließend watschelte ich zum Zelt zurück, das Wetter wechselte ständig zwischen heiß und etwas kühl und ich beschloss, mich ein wenig abzulegen. Vielmehr machte mir mein Körper unmissverständlich klar, dass ich dies tun sollte – ich war nicht mehr ganz Herrin meiner Sinne und befürchtete, dass sich der restliche Tag sonst für mich erledigt haben würde.

Auch Daniel 1 und Jörg lagen in ihren Zelten, nur konnten die ihre Köpfe aus dem Eingang baumeln lassen – das erweist sich als nicht ganz s einfach, wenn da noch 3 Meter Vorzelt dazwischen sind (es sei denn man ist eine Giraffe, bin ich aber nicht!). Zwischendurch versuchte ich noch völlig planlos eine SMS an meine Mutter zu schicken, diese war laut ihrer Aussage nur schwer zu entziffern (es war wohl ein kleines Buchstabenrätsel) erfüllte jedoch ihren Zweck. Alles was ich schreiben wollte verstand sie auch so: Tochter ist gut angekommen und hat schon mächtig gefeiert :-).

Nach zwei Stunden krabbelte ich entnervt von der Hitze im Zelt wieder heraus, setzte mich zu Jörg und trank ein wenig unmetallischen O-Saft. Ich hatte sowohl den W als auch Anthrax verpennt, was mich schon ärgerte aber ich hoffte inständig auf Tom bezüglich des Fotografierens (wie naiv aus heutiger Sicht). Als Running Wild spielten lief ich nur einmal an der Bühne vorbei, das genügte um die für mich relevanten Informationen zu erhalten: 1. Running Wild sind nach wie vor nicht so mein Fall, vor allem nicht ihre Optik (jaaaa, Hammerfall sind da auch sehr speziell, ich weiß – aber die dürfen das :-) und 2. waren da definitiv zu viele Menschen um halbwegs anständige Bilder machen zu können.

Also lief ich weiter zur Party Stage zu The Boss Hoss. Die wollte ich mir unbedingt mal kurz anschauen und ein paar Bilder machen. Ein wenig verdutzt war ich ja schon ob der Cowboyhütedichte, die sich mir da offenbarte! Waren wir in Texas oder in Wacken??? Wie soll man denn da bangen? Antwort: Gar nicht, bei The Boss Hoss steht offensichtlich das Crowdsurfen ganz an erster Stelle. So kam es dann auch, dass ich mehr von den Surfern als von der Band gesehen habe aber das war auch sehr sehenswert! Die Stimmung war jedenfalls erstklassig, das muss man den Jungs schon lassen und wenn man drauf steht, dann war es sicher auch eine gute Show!

Im Backstagebereich lief mir dann erst mal Joachim von Hammerfall über den Weg. Ich sah ihn zwar nicht aber er mich, so kam ich dann zu meinem ersten Hammerfall-Schwätzchen dieses Festivals. Kurz darauf kam Marco Wriedt von Axxis auf mich zu. Ich kannte ihn zwar noch nicht aber er offensichtlich mich. Auch nicht schlecht... Berny stand hinter ihm und es folgte erstmal eine ausgiebige Begrüßung, wir hatten uns ja schon über ein Jahr nicht mehr gesehen. Tom stand auch nicht weit und auch Verena war dort. Und ein großes angetrunkenes blondes Etwas. Bei genauerem Hinschauen entpuppte sich dieses als Oscar Dronjak, der mir dann erzählte, er wäre zu lange in der Sonne gewesen. Nee, ist schon klar. Er war jedenfalls so gut drauf wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen hatte und poste für etliche Kameras. Ich erklärte Berny noch kurz wie er zu meinem Zelt findet falls er mal Lust auf einen Umtrunk hat und dann ging ich mit Verena zum Zelt.

Das war dann wohl der Anfang vom Ende – oder so ähnlich :-). Kaum saßen wir, kam der erste Besuch. Kurz darauf trudelten Berny und Marco ein. Berny hatte ein paar Dosen Bier dabei – was das sollte.. wer weiß das schon, grins. Es dauerte nicht lange, da hatte er eine anständige Mischung in der Hand und redete mindestens so viel Müll wie ich, hihi. Wir ergänzten uns also prächtig und auch der ein oder andere vom Twilight Magazine gesellte sich zu uns. Es fing recht hartnäckig an zu regnen und selbst der inzwischen ziemlich hohe Pegelstand aller Anwesenden konnte uns nicht ignorieren lassen, dass es nass wurde. Somit wurde mein ach so toller Pavillon also doch als relativ unnütz enttarnt – zumindest was den Wasserschutz anging. Aber für genau diesen Fall hatte ich ja auf das riesige Vorzelt bestanden, wir zogen also um...

Die Party ging in meinem Vorzelt weiter. Das war zwar etwas enger aber wen interessierte das schon. Irgendwann saßen wir nur noch zu dritt da. Und die Flasche Jacky hatte sich auf wundersame Weise in ein leeres Objekt verwandelt. Kurz vor 5 beschlossen wir dann doch mal, uns ein wenig hinzulegen und ich war so was von froh, dass ich einfach nur umfallen konnte und nicht wie die anderen zu meinem Zelt torkeln musste!!!

An schlafen war jedoch kaum zu denken, kaum lag ich, donnerte neben meinem Zelt eine Anlage los. Ich tippe mal auf Cannibal Corpse...

 

Freitag

Die Nacht war also kurz, SEHR kurz. Ich kroch kurz nach 8 aus meinem Zelt und blickte in das ziemlich ausgeschlafene Gesicht von Jörg. Er war schon wieder mit Hausarbeit beschäftigt und kochte das Frühstück für sich und Daniel. Öhm, nach Frühstück war mir noch nicht so... ich suchte nach meinem O-Saft, schüttete ein paar Gläser in mich hinein und fing an wieder gerade schauen zu können. Da ich am Abend Holger vom Bahnhof abholen musste, war ja eh erstmal eine Zwangspause bezüglich des Shäggykonsums angesagt. Ich aß also noch einen Joghurt – Dank Nina und Daniel war der auch noch schön gekühlt – und fing an, meinen Tag zu planen.

Was für eine Illusion! Planen bei ´nem Festival... Nina war auch schon wieder gut drauf und wir zwei brauchten nicht lange, um wie die blöden in der Gegend herum zu gackern. Ich trottete zum Pressezelt und lud meine Akkus. Eigentlich wollte ich auch noch ein wenig was arbeiten aber daraus wurde nichts, ständig kam jemand vorbei, den ich kannte. Als dann auch noch Blaze Bayley vor mir stand, war endgültiges Einpacken angesagt. Wir zwei hatten uns schon eine Weile nicht mehr gesehen quatschten uns fest. Seine Begleiterin fand das aber offensichtlich weniger amüsant – als Störfaktor wollte ich nun auch nicht in Erinnerung bleiben und so verzog ich mich ganz unauffällig :-). Ich hörte die erste Band spielen und beschloss mal ein paar Bilderchen zu machen. Es waren VREID, von denen ich vorher noch nicht sooo viel gehört hatte. Aufgrund der doch noch recht überschaubaren Menschenmenge konnte ich einigermaßen gut fotografieren und tat das auch. Anschließend hüpfte ich noch schnell zur Party Stage hinüber, wo Suidakra spielten. Die gefielen mir richtig gut, also blieb ich eine Weile. Danach beschloss ich erstmal unter die Dusche zu hüpfen. Daniel und Jörg erzählten mir, wo ich ohne großes Anstehen duschen könne und ich mogelte mich zu dem streng geheimen Ort durch und ergatterte doch tatsächlich eine freie Dusche. Dies war aber ganz offensichtlich nicht für Menschen unter 1,65m Körpergröße konzipiert! Ich dachte echt, ich spinne. Der Duschknopf befand sich oben an der Dusche. Und mit oben meine ich auch OBEN. Ich musste jedes Mal hüpfen, um das Teil zu drücken und erhielt dann ein paar Sekunden Wasser. Auch die Ablagemöglichkeit befand sich in dieser Höhe! Ohne die hätte ich ja noch gut leben können aber die permanente Hüpferei machte das Duschen eigentlich sinnlos. Ich war danach wieder reif für eine Abkühlung, hatte aber das gute Gefühl, mich sportlich betätigt zu haben!

An meinem Pavillon, der erstaunlicherweise immer noch stand, hatte sich schon wieder eine nette Runde versammelt, die dann leider dafür verantwortlich war, dass ich so schnell nicht mehr auf das Gelände zurück ging. Ich weiß nicht mehr, was wir da alles so anstellten aber es lässt sich wohl kurz als reiner Blödsinn zusammenfassen. Und ich war definitiv neben Daniel (von Nina), die einzige, die nicht betrunken war. Eigentlich wollte ich unbedingt Gammy Ray sehen – aber auch die verpasste ich leider. Nevermore konnte ich mir dann nicht anschauen – und die hätte ich wirklich gerne gesehen – weil ich da los musste, um Holger zu holen. Ich machte in Itzehoe noch schnell bei einem Supermarkt halt und füllte den Jackyvorrat auf. Der war ja Dank der Spontanparty der letzten Nacht gänzlich aufgebraucht. Da Holger ja eh nie soo viel trinkt und ich fest damit rechnete, an diesem Abend nicht mehr so viel in mich hineinschütten zu können, nahm ich nur eine Flasche mit. Ich hätte es besser wissen sollen, schließlich war das Wacken und kein Kindergeburtstag!

Am Bahnhof sammelte ich Holger ein und versprühte ein wenig Hektik, um 19:15 Uhr hatten Hammerfall ihren Auftritt und die zu verpassen wäre für mich undenkbar gewesen. Meine Hetzerei hatte zur Folge, dass ich auch noch die letzten Songs von Dragon Force mitbekam und ein paar Bilder machen konnte. Allerdings war es inzwischen dermaßen voll auf dem Gelände, dass ich wie ein aufgescheuchtes Huhn in der Gegend herumrannte um einen möglichst guten Platz für Hammerfall zu ergattern. Fehlanzeige. Auf der linken Bühnenseite stimmte was mit den Boxen nicht und man hörte alles nur sehr gedämpft, das konnte ich ja gar nicht gebrauchen, mein eigenes Gegröle lauter als das der Band! Also sockte ich einmal quer durch die Masse auf die andere Seite, nun hörte ich zwar etwas mehr, sah aber dafür nichts mehr. Ich war begeistert. Also beschränkte ich mich auf´s Feiern ohne die Band zu sehen und gut war´s.

Mittelmäßig gelaunt kehrten ich dann mit Holger zum Zelt zurück. Die beste Entscheidung dieses Abends. Die Party war schon wieder voll im Gang, mein Pavillon platze fast aus allen Nähten und Nina hatte promillemäßig schon gut vorgearbeitet. Ich wurde kurz in die neuesten Geschehnisse eingeweiht: Nachdem sich eine Band namens Feuerschwanz bei ihnen vorgestellt hatte, die offensichtlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte (welcher Art bleibt hier jetzt offen), beschlossen die Jungs kurzerhand, selbst eine Band mit dem Namen Schwanzfeuer zu gründen. Und die Vermarktung dieser Band war nun zum Ziel des Abends erklärt worden.

Geplant wurde alles, von den Tourdates über den T-Shirtdruck – wie günstig, dass Nina Siebdruckerin ist! Und als die Theorie soweit stand, ging das ganze Projekt in die offensive Werbung. Die Jungs begannen, jedem – aber auch wirklich jedem von ihrer Band zu erzählen. Und wenn man das im Backstagebereich in Wacken macht, dann wird es schon ein oder zwei Journalisten geben, die einem Gehör schenken. Nina wurde prompt als Groupi vorgestellt, ich als Bandfotografin und der Rest konnte sich nicht so ganz entscheiden, wer nun welche Rolle innerhalb der Band innehatte, das war aber auch wurscht, Thorsten ließ eh niemanden zu Wort kommen. Als dann auch noch ein Interview mit ihm gemacht wurde und er auf englisch („Das macht uns noch wichtiger!“) in eine Fernsehkamera laberte, konnten Nina und ich uns kaum noch auf den Beinen halten. Das ganze zog sich über die halbe Nacht hin, Motörhead verpasste ich – was ich jetzt aber nicht sooo tragisch fand, In Flames sind irgendwie ganz raus aus meinem Erinnerungsvermögen (wer weiß, was ich da gemacht habe???) und bei Doro hab ich dann mal wieder kurz auf dem Gelände vorbeigeschaut. Da ich da fotomäßig nicht viel reißen konnte und Doro ja nun doch schon ein bis zweimal gesehen hatte, verzog ich mich auch wieder. So langsam ging ich am Stock und entschied mich für eine Auszeit und kroch zu Holger ins Zelt – der hatte sich schon sehr früh verabschiedet und die Bandgründung gar nicht mehr miterlebt...

 

Samstag

Unnötig zu erwähnen, wie sich das Aufstehen nach zwei solchen Tagen anfühlt... Nicht wirklich optimal. Aber auch nicht schlecht, zumindest bis zu dem Moment, wo mir die leere Jackyflasche in die Hand fiel. Wieso war die denn jetzt auch schon wieder leer? Mäuse, ganz eindeutig! Oder ein erhöhtes Verdunstungsaufkommen! Jedenfalls musste da Abhilfe geschaffen werden. Nach einem Kaffee, einem O-Saft und einem Joghurt (ich weiß, das ist kein gewöhnliches Katerfrühstück, für mich aber ein MUSS!) war ich physisch dazu in der Lage, Holger ein paar Eier in die Pfanne zu hauen ohne dabei das Zelt samt Pavillon abzufackeln und brutzelte also eine Weile vor mich hin.

Einigermaßen fit machten wir uns dann auf den Weg zum Supermarkt (es musste ja für Jackynachschub gesorgt werden) und anschließend ins Schwimmbad. Wir löhnten den Eintritt, um dann arschkalt duschen gehen zu können. Was für eine sensationelle Idee! Auf dem Gelände hätten wir für umme warm duschen können aber neeeee, wir sind ja knallharte Metaller, da duscht man net warm. Also ich nicht. Holger saß mal wieder da und wartete auf mich, er hatte beschlossen, dann doch lieber im Backstagebereich duschen zu gehen. Naja, ich musste hier wenigstens nicht zum Duschknopf hochspringen, ist doch auch was.

Kaum zurück, zeigte ich Holger den geheimen Duschplatz und ging dann ins Pressezelt. Tom kam auch vorbei und so verging die Zeit ziemlich schnell bis ich meinen Schleppi wieder zum Zelt bringen musste, um rechtzeitig zu den ersten Bands auf dem Gelände zu sein. Diese waren EINHERJER und Napalm Death. Gefallen haben mir eigentlich beide, da ich aber bei EINHERJER besser fotografieren konnte, blieb ich länger an der Black Stage stehen. Aber eigentlich wartete ich ja nur darauf, dass es endlich 13 Uhr wurde und Rage die Bühne betraten. Und diesmal OHNE Orchester. Holger war inzwischen auch wieder da, war aber offensichtlich nicht so scharf auf Rage wie ich. Egal, das kannte ich ja schon und schließlich kann ich ja auch alleine Spaß haben – wobei man in Wacken ja nicht wirklich von alleine reden kann.

Ich habe mich also ausgetobt, Holger sich in aller Ruhe umgesehen und so hatten wir uns beide eine neue Mischung verdient – so dachten wir. Also gingen wir zum Zelt, füllten unsere Flaschen und gingen los, um das Gelände zu erkunden. Der erste Stopp war der Jägermeisterstand. Mir war schon klar, dass man wohl kaum noch einen der heiß begehrten Plätze an der „fliegenden Bar“ ergattern würde aber probieren konnte man es ja mal. Negativ. Egal, wir zogen weiter auf den Zeltplatz und schauten uns auf Deutschlands größter Müllhalde im August um. Eigentlich sollte mich das nach all den Jahren ja gar nicht mehr schocken, tut es aber doch. Die bringen ihren Müll doch von zu Hause mit, das geht doch gar nicht anders... oder doch??? Jedenfalls ist es immer wieder ein Erlebnis und man trifft natürlich auch jedes Jahr wieder dieselben Leute, die durch ihren besonderen Aufwand der Zeltplatzgestaltung schon selbst eine Art Berühmtheit des Platzes geworden sind.

Ich konnte irgendwann keinen Jacky mehr riechen und kaufte mir eine Flasche Wasser. Jaaa, richtig gelesen, ich brauchte mal ne Pause. Es wurde immer heißer und wir beschlossen nach einer Weile, zum Gelände zurück zu gehen. Um die Diskussionen am Einlass zu umgehen – bisher hatten wir jedes Jahr irgendein hoch illegales Zeug dabei, sowas wie Patronengurte oder so – gingen wir durch den Ausgang rein. Das darf man in der Regel als Backstagebändchenträger. Aber es gab halt auch immer mal Situationen außerhalb der Regel, also zog ich Holger zur Sicherheit ganz wichtig auf ihn einredend schnell an den Securities vorbei.

Wir bekamen noch die letzten Songs von Testament mit. Ich versuchte mich nach vorne zu quetschen und Holger sah sich das ganze lieber aus sicherer Entfernung an. Er hatte wohl die weisere Entscheidung getroffen, ich wurde hemmungslos niedergebangt. Egal, bin ja nicht aus Zucker. Danach war erstmal Pause und wir gingen grillen. Als hätte Berny die Wurst gerochen, kam er auch schon an und nahm an unserem Galadinner teil. Allerdings wollte er keinen Jacky mehr, wieso nur? Ich hatte meine Wasserphase inzwischen wieder beendet und arbeite mit Holger an der Minimierung des Flascheninhalts unserer Jackyflasche. Äußerst erfolgreich...

Heaven Shall Burn sah ich also nicht. Aber Axel Rudi Pell konnte ich nicht verpassen, wie immer würde Ferdy Doernberg sicher damit rechnen, einige Bilder von mir zu bekommen. Ich packte meinen Kram und ging mit Holger wieder nach vorne. Er blieb weiter hinten, ich quetschte mich bis in die erste Reihe durch. Wirklich entspannt war es da aber nicht, ich verzog mich also auch in sichere Regionen und versuchte von dort aus noch ein paar Bilder zu machen.

In Extremo wollte dann Holger gerne sehen, also leistete ich ihm Gesellschaft. Das Gelände war schon wieder so affenvoll, dass ich meine Kamera eigentlich nur noch als Accessoir bei mir trug. Etwas besser sah es vor der Party Stage aus, also schlug ich noch einen Haken und warf einen Blick auf PAIN. Die hatte ich auch noch nicht so oft gesehen wie In Extremo, genaugenommen noch gar nicht.

Danach waren meine Highlights eigentlich vorüber, und ich ehrlich gesagt ziemlich im Eimer. Teile unserer Partytruppe hatte sich bereits verabschiedet und auch Nina und Daniel konnte ich nirgends finden. Kunststück, Nina wollte sich ja unbedingt Volbeat anschauen, von denen redete sie ja schon das ganze Wochenende. Ich hing ein wenig planlos mit Holger im Backstage herum und baute von Minute zu Minute mehr ab. Jaja, auch ich werde nicht jünger :-) Eigentlich hätte ich ja gerne noch einen Blick auf Machine Head geworfen aber da war es mir definitiv zu voll.

Tapfer hielt ich durch bis GWAR um 0:45 Uhr anfingen zu spielen. Mir ist bis heute schleierhaft, wieso ich nicht schon längst umgefallen war aber wahrscheinlich stand das im Zusammenhang mit der inzwischen schon wieder leerem Jackyflasche vor unserem Zelt. Ich schaute mir also dieses Theaterstück an, denn eine andere Beschreibung fällt mir zu diesem Auftritt nicht ein. Krank aber doch äußerst unterhaltsam, das muss ich zugeben. Meinen Plan, früh schlafen zu gehen, hatte ich schon längst ad acta gelegt, kein Wunder also, dass ich mir auch noch zusammen mit Holger Subway to Sally anschaute. Die machen ja in Wacken traditionell den Rausschmeißer – deswegen sehe ich sie ja auch so gut wie nie! Dann fielen wir aber beide total erledigt ins Bett und mir graulte schon vor dem Zusammenpacken am nächsten Tag!

Als wir endlich aus dem mittelschweren Koma erwachten, war um uns herum schon alles im Aufbruch. Wir konnten uns noch von einigen verabschieden und Verabredungen für das nächste Jahr treffen. Ich hoffe ja, dass wir es 2010 wirklich wieder hinbekommen, möglichst dicht beieinander zu zelten, das war seit vielen Jahren mit Abstand das lustigste Wacken – wenn auch sicher das ungesündeste!

Ich freu mich jetzt schon wie die S..... :-)