Amsterdam 24.7. – 27.7.2008

Eigentlich neige ich ja dazu, meine Reisen sehr lange im Voraus zu planen. Manchmal überrasche ich meine Umwelt aber auch mit kaum schlagbarer Spontanität. Mein Trip nach Amsterdam fällt dann wohl in die zweite Kategorie. Kaum hatten die Ferien begonnen, packte mich auch schon der Berlin-Koller. Ich wollte auf keinen Fall die ganze Zeit in Berlin bleiben, also durchforstete ich das Internet. Meine erste Wahl fiel auf London. Holger war um einen erheblichen Prozentsatz weniger als ich begeistert von dieser Idee. Ich würde sagen, es pendelte sich da so bei 0% ein... Da er aber auch meine anderen Vorschläge ablehnte (für mich ist es einfach schwer vorstellbar, dass man sich nicht ständig mit dem Gedanken einer Reise – und sei sie auch noch so kurz, grins – beschäftigen kann), suchte ich also für mich alleine weiter. Ich entschloss mich für Amsterdam, nicht wegen der Coffee Shops, sondern weil ich dachte, meinen Fotowahn in dieser Stadt voll ausleben zu können!

Und so machte ich mich am Donnerstag Abend auf den Weg zum Busbahnhof. Geplant hatte ich, sofort die letzte Bank zu belegen und mich dann während der ca. 8 Stunden Fahrt, so war meine grobe Kalkulation, schön bequem bubu zu machen. Ja, wie gesagt, das war der Plan... aber wie das halt mit Plänen so ist... Die Reiseleiterin klärte uns gleich auf, dass der Bus bis auf den letzten Platz besetzt sei. Suuuuuuuuuuuper.... Die in der Beschreibung der Reise immer wieder betonten „gemütlichen Schlafsessel“ entpuppten sich natürlich auch als stinknormale Bussitze, alles war also wie erwartet... nicht ganz. Die Krönung waren dann die Busfahrer! Einer von ihnen sprach dermaßen tuntig, dass es mir in den Ohren klingelte, gepaart mit seinen megamäßig bescheuerten Sprüchen war es dann fast nicht mehr erträglich. Der zweite meinte wohl er würde auf einer Bühne für schlechte Komiker stehen und laberte nur Scheiß. (sorry aber ein charmanteres Wort, welches trotzdem noch zutreffend ist, fällt mir einfach nicht ein) Und dieses laberte er dann auch noch an meine Backe. Ich dachte ich platze.. geübt habe ich mich aber in Selbstbeherrschung und lieber gaaaaanz weit von denen weg einen Platz gesucht. Nebeneinander sitzen sollte ich dann mit einem anderen allein reisenden Mädel. Die versprühte Charme wie meine Oma nach einer Woche Durchfall – es waren also noch Steigerungen in den negativen Bereich möglich, wer hätte das gedacht! Da wir noch Einsammelorte in Magdeburg, Hamburg, Hannover und Bremen hatten, blieben uns aber noch ein paar Stunden getrennt voneinander. Dank der integrierten Nord-Deutschland-Tour dehnte sich die Fahrzeit auch auf schlappe 12 Stunden aus.

In Hamburg war es dann soweit, ich rückte zu der Eumeline mit zugenähtem Mund rüber und fand das ja schon mal sehr nett von mir – schließlich gab ich damit meinen Fensterplatz auf! Sie revangierte sich kurz darauf: Es stellte sich heraus, dass sich meine Rückenlehne nicht verstellen ließ und das wurde dann alles andere als angenehm als mein Vordermann seine Lehne zurückstellte. Mit Schrecken dachte ich an die folgenden 6 Stunden und kam auf die glorreiche Idee, dass wir beide uns ja noch schnell in eine freie Reihe umsetzen können, die erst beim nächsten Stopp besetzt werden würde. Aber neeeee, Fräulein „möchte lieber nicht nach hinten.“ Ich hab meinem Gehör nicht ganz getraut, meinen aufschwellenden Hass versucht zu ignorieren und sie einfach für ihren gnadenlosen Egoismus, der ihr hoffentlich ein EINSAMES Leben verschaffen würde, bemitleidet. ICH WAR STINKESAUER!!! Unsere Reiseleiterin schlug vor, ich könne den freien Platz ganz vorne nehmen und der neue müsse dann da sitzen. Uiuiuiui, die steife Lehne zog nun ins Rennen mit dem Platz unmittelbar hinter den Fahrern. Da zu diesem Zeitpunkt mein MP3-Player noch ging, zog ich nach vorne... Mit schlafen war nicht wirklich was, für den Mann neben mir und mir selbst – beide nicht von der gertenschlanken Sorte – wurde es recht kuschelig und durch die Lücke zwischen unseren Sitzen bekam ich ständig den Fuß der Frau hinter mir in den Rücken. Sie hatte es offensichtlich nicht so drauf, eine geeignete Schlafposition zu finden. (Dabei fällt mir ein, dass auch mir das im Flugzeug manchmal passiert – ich werde in Zukunft sicher aufmerksamer auf meine Füße achten!!!) Nachdem ich dann das 5. Mal durch einen zärtlich Fußtritt geweckt wurde, schob ich meinen Sitz mit voller Geschwindigkeit wieder an meinen Nachbarn und wartete auf einen Aufschrei. Dieser blieb aus, der Fuß war wohl rechtzeitig aus der Gefahrenzone entfernt worden. Zu meiner Verteidigung möchte ich vorbringen, dass Schlafentzug einen in Ausnahmezustände versetzen kann :-)

Nun gut, um halb 7 Uhr morgens kamen wir dann endlich in Amsterdam an. Ich nahm an der Stadtrundfahrt teil – was soll man auch um diese Zeit sonst machen??? Auf diese Weise konnte ich mir einen kleinen Plan von der Stadt machen, obwohl es die Kanäle – oder auch Grachten – nicht wirklich leichter machten, sich zurecht zu finden. Als wir am Anne Frank Haus ankamen, nahm ich mir gleich vor, mich später noch einmal auf den Weg dorthin zu machen. Nadine, unsere Reiseleiterin – kündigte zwar schon an, dass es voll werden würde aber das war mir ziemlich wurscht. Auch den anscheinend einzigen großen Supermarkt zeigte sie uns. Den merkte ich mir natürlich gleich...

Um halb 9 Uhr wurden wir alle am Hauptbahnhof rausgelassen und aufgefordert, uns pünktlich um 13 Uhr wieder an dieser Stelle einzufinden. Denn dann sollten wir zu unseren Hotels gebracht werden. Ehrlich gesagt hätte ich mich ja gerne erstmal unter eine Dusche gestellt aber das stand ja gar nicht zur Diskussion. Also lief ich los in Richtung Supermarkt. Bewaffnet mit meiner Kamera kam ich dann aber sehr schnell vom Weg ab. Immer wieder sah ich einen interessanten Ort, eine nette Gasse usw. und natürlich lief ich überall hin um ein Bild zu machen und verlor somit auch bald total die Orientierung. Auf wundersame Weise kam ich dann aber doch zum Supermarkt, kaufte eine Tüte Salat und Dressing und lief dann weiter in der Gegend herum. Wunder zwei ließ nicht lange auf sich warten: Ich kam am Anne Frank Haus an! Naja, die Schlange hätte man auch von weitem nicht übersehen können. Da ich bis 13 Uhr aber noch jede Menge Zeit hatte, stellte ich mich an.

Das Haus ist das originale Versteck der Familie Frank, auch wenn es teilweise saniert bzw. neu aufgebaut wurde. Mit einem leicht beklommenen Gefühl kam ich dann nach einer Weile wieder heraus und ging an den Grachten entlang. Auch wenn mir so langsam die Socken qualmten, es gab immer wieder die ein oder andere Ecke, die sich als Motiv anbot und mich somit zum Weiterlaufen brachte. Kurz nach halb 1 Uhr war ich zurück am Bahnhof und zum Glück kam auch der Bus bald. Inzwischen war ich schon ziemlich fertig. Dass unser Hotel in der Nähe des Flughafens lag und somit ein ganzes Stück außerhalb der Stadt, begeisterte mich nur bedingt aber in diesem Moment zählte für mich nur, bald unter eine Dusche und in ein Bett hüpfen zu können.

Nachdem ich meine komische Karte – heutzutage hat man ja keine Zimmerschlüssel mehr – unzählige Male in den Türöffner hineingesteckt und wieder herausgezogen habe, ging dann auch mein Zimmer als letztes von denen auf dem Gang auf. Die nächsten 2,5 Stunden verliefen wie geplant: Duchen, bubu machen!

Gegen 17:15 Uhr machte ich mich auf die Socken in die Stadt. Das bedeutete, erst einmal vor dem Hotel den Shuttle zum Flughafen nehmen und da dann mit dem Regionalzug nach Amsterdam rein fahren. Ein Pärchen und der einzelne in Bremen zugestiegene gesellten sich zu mir und nach dem Prinzip „gemeinsam sind wir stark“ kämpften wir uns vorwärts. Vor allem der Alleinreisende schien merkwürdige Anwandlungen zu haben: Als wir auf die Besucherterrasse am Flughafen gingen, holte er einen Fußball aus der Tasche du spielte dort ein wenig mit sich selbst. Dieses Verhalten trat dann während der 2 Tage noch das ein oder andere Mal auf... Abgesehen davon merkte ich jedoch auch, dass sich das Tempo der drei nicht so ganz mit meinem vereinbaren ließ und somit machte ich mich in Amsterdam ziemlich schnell vom Acker als die drei bei einem Straßenkünstler, der nur noch so vor sich hinlallte, stehen blieben. Wir trafen uns dann nicht wieder und ich hoffe mal, dass die drei – denn nett waren sie zweifellos – nicht zu viel Energie in die Suche nach mir gesteckt haben. Ich hatte schließlich gesagt, dass ich schon mal weitergehen würde...

Das tat ich dann wie gesagt auch. Nachdem mir Holger immer so vom Dungeon in Hamburg vorgeschwärmt hatte, beschloss ich, die holländische Variante aufzusuchen. Nur dass diese bereits geschlossen war. Pech gehabt. Inzwischen hatte ich Hunger wie Bolle und konnte kaum noch laufen. Ich kaufte mir also ne Portion diätfreie Pommes (die werden hier mit unzähligen verschiedenen Soßen angeboten – bei den meisten konnte ich aber nicht erahnen worum es sich handeln könnte) und schlappte zurück zum Bahnhof, wo ich in den Zug zum Flughafen stieg. Dort kam dann auch bald der Shuttle zum Hotel. Während der Fahrt stellte ich fest, dass das Flugfeld hier offensichtlich nicht eingezäunt war. Ich hatte nachmittags schon gestaunt, als ich ohne jede Kontrolle auf die Besucherterrasse durfte, um ihre Sicherheit scheinen sich die Holländer nicht so zu sorgen. Dass ich aber auch direkt am Ende der Rollbahn mit meiner Fotoausrüstung Platz nehmen könnte, das verwunderte mich dann schon! Und vor allem wurmte es mich, dass ich es nicht getan hatte, grins.

Nachdem ich noch ein wenig am Laptop gesessen hatte, machte ich es mir in meinem Bettchen bequem.

Am nächsten Morgen konnte ich irgendwie nicht so lange schlafen also mache ich mich auf zum Frühstück. An dem Restaurant, wo uns die Reiseleiterin hingeschickt hatte, wurde ich nach Nennung meiner Zimmernummer zurück zur Rezeption geschickt. OK.... ich hatte also die Ehre mich ins Gewimmel zu stürzen. Das tat ich dann auch. Nach einigen suchenden Blicken kam ich zu dem Schluss, dass es wohl keine Brötchen gab, also begnügte ich mich mit einem Toast und etwas Joghurt. Und das war nun also unser super 4 Sterne Frühstück, wegen dem wir am Ar... der Welt wohnten. Na egal.

Als ich fertig war, setzte sich noch unser tuntiger Busfahrer zu mir. Er mag ja wirklich nett sein aber nachdem er dann 4 Mal erwähnte wie toll er es fände, dass es mir so gut geht (und das hatte ich nebenbei nicht einmal gesagt) war ich schon etwas genervt und machte mich vom Acker. Es blieb mir noch eine gute Stunde zum Packen und auschecken, mehr als genug also. Um nicht wieder zum Opfer des Busfahrers zu werden, blieb ich bis zum Schluss auf dem Zimmer.

Da ich die sogenannte „Klein Holland-Tour“ gebuchte hatte, stieg ich in Amsterdam nicht aus, sondern in einen anderen Bus um. Es ging in Richtung Küste nach Volendam. An diesem Tag war das Wetter nicht mehr ganz so gut wie am Freitag. Auch wenn es noch sehr warm war, war es doch bedeckt. Während der Fahrt hielten wir an einem Bauernhof, wo uns gezeigt wurde wie Käse und Holzschuhe hergestellt werden. Die Kombination erschien mir etwas merkwürdig aber egal. Gekauft habe ich jedenfalls weder das eine noch das andere. Kurz darauf kamen wir dann am Meer an. Ich spazierte die Promenade entlang, suchte den Supermarkt um mich dort durch die Megaauswahl der Optiwell-Produkte zu wühlen und kaufte mir dann ein Fischbrötchen. Denn dieses – so wurde uns gesagt – mussten wir dort unbedingt essen. Wahrscheinlich um zu wissen, wo man auf keinen Fall ein Fischbrötchen essen sollte!!! Ich persönlich stehe nicht so auf Fisch im Milchbrötchen, aber die Beschaffenheit des Brötchens konnte ich auf die Entfernung leider nicht so erkennen.

Nach 1,5 Stunden ging es wieder nach Amsterdam. Wir hielten noch kurz an einer Mühle um diese fotografieren zu können und kurz vor 15 Uhr waren wir zurück. Ich machte mich auf die Socken zum Blumenmarkt. Der war dann recht klein aber wirklich schön, vor allem da die Stände fest installierte Boote waren. Anschließend lief ich noch zum Trödelmarkt, da war es mir aber definitiv zu eng und zu heiß.

Um 16:45 Uhr hatte ich die Grachtenfahrt gebucht, also ging ich dann zum Anlegesteg der Reederei. Als die anderen ankamen und wir auf unser Boot konnten, fing es schlagartig an zu schütten. Ich war begeistert!!! Wir waren alle SEHR sommerlich gekleidet und unsere Koffer befanden sich im Bus. Nur dass der uns erst nachts um 0:30 Uhr abholen würde. Ganz toll. Die Grachtenfahrt war also weniger spektakulär aber wenigstens waren wir im Trockenen.

Nach der Stunde wurden wir aber leider wieder auf die Straße entlassen. Es war 18 Uhr. Bei dem Gedanken, nun noch stundenlang durch die Straßen irren zu müssen, wurde mir ganz anders. Da es gleich wieder regnete, hockte ich mich erstmal zu Mc Doof und wartete. Anschließend ging ich ins China Town und schaute mir die Massageangebote an. Das war dann meine nächste verplante Stunde, ich könnte mir eine Fußmassage.

Als diese dann vorbei war, hatte sich auch das Wetter wieder gefangen und ich schlenderte weiter durch die kleinen Gassen. Schneller als ich schauen konnte, befand ich mich im Rotlichtviertel und somit vor unzähligen im Schaufenster hockenden Frauen. Ich war sprachlos, da biegt man einmal in eine Gasse ab und ist plötzlich mitten im Geschehen! Nichts da mit Absperrung wie in der Herbertstraße oder so, nö, in Amsterdam ist das eigentlich das Weggehviertel schlechthin, da liefen alle Touris und so rum und die Mädels, die da auf ihre „Kundschaft“ wartete, machten sich auch gar nichts daraus, dass unzählige Frauen an ihnen vorbeigingen und neugierig in ihr kleines Räumchen mit dem Arbeitsmobiliar – sprich dem Bett – guckten. KNALLER.

Irgendwann hatte ich dann genug geguckt und ging in Richtung Bahnhof. Da traf ich das Pärchen vom Vortag wieder und erzählte ihnen von meinen Entdeckungen. Daraufhin sollte ich sie da auch noch mal hinführen. Nachdem auch die zwei sprachlos waren, fing es schlagartig wieder an zu schütten. Im ROCK CAFE saßen ein paar andere aus unserer Gruppe, zu den gesellten wir uns kurzerhand dazu. Da es sich um wirklich nette Leutchen handelte, die gerne die ein oder andere lustige Geschichte preisgaben, war das ein glücklicher Zufall. Das Pärchen zog dann bald weiter, die hatten ja im Gegensatz zu mir auch einen Regenschirm. Dafür kam ich in den Genuss, Batman (oder war es doch Superman?) zu treffen und einen äußerst spärlich bekleideten jungen Mann zu begutachten. Seine Kleidung bestand lediglich aus einem Stück Klebeband, welches er sich einmal über die signifikanten Körperstellen geklebt hatte...

Die erste halbwegs trockene Phase nutze ich, um zum Bahnhof zu gehen und dort auf den Bus zu warten. Da ich keine Lust mehr zum Rumsitzen hatte und mir kalt war, hatte ich mich entschieden, die einstündige Lichtertour vor der offiziellen Abfahrt mitzumachen. Nachdem ich jedoch auch einfach nur mein Buch und meine Jacke aus dem Bus holen konnte, machte ich mich doch lieber vom Acker und setzte mich noch mal zum Mc Doof rein.

Um 0:30 Uhr war dann endlich ein langer Tag zu Ende und eine noch längere Nacht begann. Da ich nach 4 Stunden jedoch auf einen Zweierplatz umziehen konnte, wurde die Rückfahrt nicht ganz so anstrengend wie die Hinfahrt.

Fazit: Amsterdam ist eine interessante Stadt. Sie hat mich jedoch nicht so sehr fasziniert, dass ich noch einmal dorthin muss.