| Kenia 16.10.-31.10.2009 |
Tag 1 – Eine Nacht in der Holzklasse
Nach einem langen Arbeitstag – zumindest für einen der beiden Reisenden – ging es am Abend endlich zum Flughafen Tegel. Das Anstehen dauerte dann länger als der eigentliche Flug, vor allem, da wir zweimal anstehen durften. Der erste Versuch war nur insofern erfolgreich, dass wir unsere Bordkarten erhielten, unser Gepäck konnte aber noch nicht aufgenommen werden, da noch die Maschine davor abgefertigt wurde – wir können erst 1,5 Stunden vorher einchecken, so wurde uns mitgeteilt. Super, das war dann genau 9 Minuten später – Willkommen in Deutschland! Aber kein Problem, wir stellten uns einfach noch einmal an, wechselten dann aber doch wie vorgeschlagen zum first class-Schalter. Das Übergewicht der Koffer wurde mit einem netten Lächeln abgetan und so war die erste Hürde geschafft. Die zweite war für mich die Handgepäckkontrolle. Drei Fotoapparate, drei Wechselobjektive, ein Laptop, das war für den Sprengstoffexperten schon eine Herausforderung :-). Aber auch das wurde sehr nett erledigt und kurze Zeit später saßen wir im Flieger nach Frankfurt.
Dort angekommen, mussten wir erstmal durch den ganzen Flughafen latschen, was für mich nicht so tragisch war, da unser Weg auch durch einen toll belichteten langen Tunnel führte, in dem ich erstmal die Fotoausrüstung auspackte... Meinen Hunger bekam ich in Frankfurt leider nicht in den Griff, da es dort an einem Freitag um 22:30 Uhr nicht möglich war, etwas zu Essen aufzutreiben. UNGLAUBLICH! Ich knabberte also an meinem letzten Apfel, wurde etwas pissig und wollte endlich in den Flieger.
Bis zum Essen konnte ich mich dann gerade noch so wach halten, danach schlummerte ich mehr schlecht als recht bis 2 Stunden vor der Landung vor mich hin.
In Mombasa landeten wir gegen 9 Uhr Ortszeit. Es war bewölkt aber trotzdem warm und schwül. Am Eingang gab es dann noch mal ein Formular wegen der Schweinegrippe, das füllten wir aus und dann durften wir nach einigen Fragen auch am Zoll vorbei.
Unseren Bus fanden wir schnell und ich hatte schon ein wenig Mitleid mit dem Kofferträger, der alle Koffer auf das Dach des Busses heben musste. In unseren Koffern befand sich schließlich noch der Rest meiner Fotoausrüstung... Die Busfahrt führte uns erstmal auf die Fähre, die uns auf das Festland brachte. Dass diese allerdings unter der Masse Menschen nicht zum U-Boot mutierte, grenzt an ein Wunder. Nachdem ich die erste halbe Stunde aufmerksam aus dem Fenster geschaut hatte, fielen mir die Augen zu und ich dämmerte so vor mich hin. Kurz vor Diani war der Tiefpunkt überstanden und ich freute mich auf die Ankunft.
Das Einchecken dauerte etwas länger aber erfreulicherweise wurden wir gleich überall auf Deutsch angesprochen, was natürlich vor allem Mutti freute. Unser Zimmer war im zweiten Stock, das freute sie dann wiederum weniger! Vor sich hinbrubbelnd stieg sie also die Stufen hinauf und wir begutachteten unser Zimmer. Es war ok, verursachte kein ehrfurchtsvollen Schweigen aber auch kein Entsetzen. Der Balkon hatte eine schöne Aussicht auf den Garten, das Bett war ok und das Bad auch. Für mein Gewissen war auch der zweite Stock ok... ich sage nur: all inclusive...
Wir packten schnell aus und gingen dann zum Strand. Bei der Ankunft hatte es geregnet, klar, wenn ich irgendwohin komme, dann regnet es halt. Somit war der Tag in Punkto Braunwerden für mich abgeschminkt und der Kommentar der Reiseleiterin, man solle vorsichtig mit der Sonne sein, mit einem abschätzenden Lächeln abgetan.
Kaum waren wir aber am Strand, verschwanden die Wolken und die Sonne bretterte los. Das tat sie gnadenlos und ich gebe nur äußerst ungerne zu, dass sowohl Mutti als auch ich diese Nacht ein wenig unter einem Sonnenbrand zu leiden hatten. Das kommt davon, wenn man nicht auf diejenigen hört, die es besser wissen müssen. Hätten wir mal gleich daran gedacht, dass wir quasi auf dem Äquator hockten – und das war für uns beide ja eine neue Erfahrung.
Auch an die kommende Flut gewöhnten wir uns schnell – uns blieb ja auch nicht viel anderes übrig, denn wir hatten in der vorderen Reihe Liegen belegt und die wurden immer mehr zum Feuchtgebiet... Das Meer an sich war nicht der Brüller, Mutti nahm sich vor, in Zukunft ihre Badeschuhe mitzunehmen. Ich hatte ja alles in dieser Richtung aus dem Koffer geräumt (Badeschuhe, Flossen), um für die Fotoausrüstung den notwendigen Platz zu schaffen und meinte jetzt nur, das ginge auch problemlos ohne. Klar ging es, die Frage war nur wie! Wir gingen zum Snackrestaurant, welches diesen Namen nicht wirklich verdiente. Nachdem ich kein Buffett fand, bekamen wir eine Karte in die Hand gedrückt. Man hatte die Wahl zwischen zahlreichen Gerichten, die man bestellen konnte. An Snacks erinnerte das teilweise gar nicht mehr aber mein Burger, der ja eigentlich für Frankfurt eingeplant gewesen war, schmeckte gut.
Zwischenzeitig konnten wir uns kaum noch auf den Beinen halten vor Müdigkeit, hielten aber tapfer durch. Nur das Baden im Meer vermieden wir, auch wegen der etwas nervigen Strandverkäufer, die einen sofort belagerten, wenn man den geschützten Bereich der Liegen verließ. Dafür hockten wir uns an die Bar im Pool und schlürften einen Cocktail. Vor dem Essen schauten wir nur noch nach den Preisen für die Internetnutzung, wechselten etwas Geld und mieteten einen Safe. Eigentlich satt vor Müdigkeit schlürften wir um 19 Uhr zum Abendbrot, anschließend noch auf einen Drink zum Pool und dann fielen wir total übermüdet ins Bett.
Tag 2 – Wo sind denn nun die Affen???
Der Tag begann irgendwie mit einer Art Hindernislauf – die Hindernisse waren in diesem Fall die Beachboys (oder auch Strandverkäufer). Wir versuchten bis zum Meer zu kommen ohne alle paar Meter einen Pickel ans Ohr gelabert zu bekommen und scheiterten jämmerlich. Ich merkte schnell, das man hier offensichtlich seine guten Manieren ablegen musste und den Typen deutlich sagen, dass sie sich verziehen sollen. Mutti konnte das weniger und erhielt prompt wieder diverse Ausflugsflyer. Letztendlich stand sie mit ein paar Massais da, die zur Abwechslung mal nett und höflich waren und einem nichts aufquatschen wollten. Sie erzählten nur, dass sie am Abend im Hotel tanzen würden und fragten ob wir nicht gucken kommen wollen. Da war ja nicht wirklich was anderes vor hatten, befand sich das also durchaus im Bereich des Möglichen...
Anschließend lagen wir noch eine Weile am Strand und am Pool herum, bis es Zeit war sich für das Begrüßungsgespräch bereit zu machen. Wir wurden also abgeholt und zu einem Biergarten gefahren. Auf dem Weg dorthin sah ich zwei Affen an der Straße – es gab hier also doch Affen, nur irgendwie in unserem Hotel nicht.
Diese Vermutung bestätigte sich gleich bei der Begrüßung der Reiseleitung. Die ging nämlich davon aus, dass wir alle bereits viele Affen gesehen hätten und wahrscheinlich auch schon etwas genervt sind. Wie bitte??????? Aber die Touris aus den anderen Hotels nickten und ich bekam so eine Ahnung, dass ich als Affenfreak mal einfach das falsche Hotel gebucht hatte, toll! Während die ganzen mehr oder weniger interessanten Infos also über mich hereinprasselten, ärgerte ich mich ´ne Runde.
Wir kamen relativ spät wieder im Hotel an, so dass wir noch einen Kaffe tranken und dann ins Zimmer gingen. Ich hing über dem Schleppi und Mutti über ihrem Buch.
Nach dem Abendbrot gingen wir dann zum Pool und setzten uns an einem Tisch wo wir eine Piña Colada nach der anderen tranken. Jaaaa, ok, Mutti trank eine, ich mehrere... Aber um das Gehüpfe dann zu ertragen, war das auch nötig. Als erstes kam eine Gruppe, die wir nachmittags schon in dem Biergarten gesehen hatten. Die rissen mich ja förmlich von den Socken. Die Massais danach konnten das aber noch toppen. Der eine von ihnen hatte mich ja am Strand schon vorgewarnt, dass es nicht wirklich tanzen sei... Jupp, das war es in der Tat nicht. Aber es war unterhaltsam – irgendwie...
Mutti und ich gingen dann bald ins Zimmer, ich mit einem leichten Federgang (und dieser war weniger motiviert durch die Hüfeinlage der Massai als schlicht und einfach dem Rum zuzuschreiben) – Mutti doch eher sicheren Schrittes.
Tag 3 – Faullenzen mit Unterbrechung
Wer früh schlafen geht, steht auch früh auf. Wir standen äußerst früh auf. Vor dem Frühstück brachten wir unsere Sachen zum Strand (pssst, nicht weitersagen, ich weiß, dass man das nicht macht!) und die Zeit zwischen dem Frühstück und unserem Date mit Kurt, unserem Safarianbieter, verbrachten wir auf den Liegen und lasen. Ins Wasser gingen wir nicht, wie auch, es war Ebbe. Und der Weg bis zum Wasser hätte zum einen unausweichlich in den Armen eines Beachboys geendet, denn die waren da doch flinker unterwegs als wir, und zum anderen hätte die Zeit einfach gar nicht gereicht, so weit raus zu latschen.
Kurz vor 11 waren wir dann an der Rezeption und warteten. Und warteten. Also eigentlich wartete eher Mutti, ich hing mit meiner Kamera über dem Teich und fotografierte Libellen. Mit einer freundete ich mich dann noch an und die ließ dann so ziemlich alles mit sich machen. Zwischendurch machte ich mir jedoch mal kurz Gedanken, was da jetzt eigentlich mit Kurt los sei, es war schließlich schon nach 11 Uhr. Da klingelte auch schon das Telefon an der Rezeption und ich bekam den Hörer hingehalten. Peinlich, Kurt stand draußen, wir hätten eigentlich auch nach draußen kommen sollen, da er nicht in das Hotel durfte.
Wir entschuldigten uns also und fuhren in ein Café. Unsere Fragen wurden geduldig beantwortet und Kurt erzählte, was auf anderen Safaris so vorgefallen ist. Die ein oder andere Story machte mich echt sprachlos. Wer bitteschön legt sich in einem Nationalpark einfach so unter einen Baum um zu schlafen??? Wer schleicht sich an einen Elefanten heran, um ein gutes Bild machen zu können??? DAS MACHE JA NICHT EINMAL ICH FÜR EIN FOTO!!! Wir wurden ausgiebig gewarnt, dass vor allem im Amboseli ganz viele verendete Tiere liegen würden und dies teilweise kein schöner Anblick sei und auch unangenehm riechen könne. Hm, naja, das werden dann zumindest keine Zoobilder, hab ich mir gedacht. (Jaaa, ist vielleicht ein wenig makaber aber war ich zum Fotografieren da oder nicht???) Es kam noch ein Pärchen dazu, die auch am nächsten Tag auf Safari gehen würden und als die zwei noch die Delfintour für die kommende Woche buchten, schlossen wir uns gleich mit an.
Irgendwann brachte Kurt uns zum Hotel zurück und wir buchten noch schnell einen Ausflug zu den Shimba Hills bei der Reiseleitung. Anschließend gingen wir zurück zum Strand. Nee, eigentlich hüpfte ich erstmal in den Pool und bestellte ´ne Piña Colada. Die bekam ich aber nicht, es gab wohl keinen Ananassaft. Na toll, ich bestellte also irgendetwas anderes mit Alkohol und ging dann leicht beschwipst zu Mutti an den Strand.
Wir wagten einen Strandspaziergang. Ohhhhh mannnnnnn.... Das ist schon gewöhnungsbedürftig, permanent so unfreundlich sein zu müssen, um seine Ruhe haben zu können! Auf dem Rückweg kamen uns dann ein paar Massais entgegen, mit denen wir gemeinsam zum Hotel zurück gingen. Das passte den Strandfuzzis ganz offensichtlich gar nicht und sie fingen an irgendwelche blöden Sprüche zu machen. Klar, warum sollte ich in den Ferien auch nicht mit kleinkindlichem Verhalten konfrontiert werden...
Uns traf das natürlich alles wahnsinnig, ja es verdarb uns quasi die gesamte Urlaubsstimmung – NICHT. So langsam kam ich in absolute Safari-Stimmung und packte meine Fotoausrüstung zusammen. Klamotten gab es nicht so viele, man muss halt Prioritäten setzen, hihi. Mutti machte sich Sorgen, was man für Abends und für früh am Morgen benötigt, ich wusste, was ich zu diesen Zeiten brauchen würde: EIN STATIV! Ganz einfach :-). Wir schmissen alles in meinen kleinen Koffer, gingen früh essen und tranken anschließend noch einen Kaffee am Pool. Ananassaft gab es immer noch nicht! Tolle Wurst!
Tag 4 – Tsavo, wir kommen!
Unnötig zu erwähnen, dass ich am nächsten Morgen eigentlich keinen Wecker brauchte, ICH WAR BEREIT!!!! Beladen mit der Fototasche, dem Fotokoffer, dem Stativ und den paar Klamotten stiefelten wir also die zwei Stockwerke hinunter und gingen ins Restaurant.
Da wir um halb sechs abgeholt werden sollten, waren wir schon um 4 Uhr aufgestanden. Wir sind schon Deppen, aber alles der Reihe nach...Da wohl jeder Keniaurlauber früher oder später auf eine Safari geht, hat sich das Hotel auf die Frühaufsteher eingestellt und man hat ab 3 Uhr die Möglichkeit, etwas zu essen. Wir schlürften also unseren Kaffee, aßen Toast und holten dann unseren Koffer und natürlich meinen ganzen Fotokram samt Schleppi. Kurz gesagt, wir waren gut beladen!
Vor dem Tor wartete wir dann. Als es etwas heller wurde, sah man den ein oder anderen Affen in den Bäumen sitzen oder spielen und die Einheimischen erwachten langsam und gingen nach und nach zum Strand wo sie sich, wie Mutti vermutete, wohl wuschen. Das hört sich jetzt an, als hätten wir eine ganze Weile dort gestanden. Haben wir auch! Irgendwie war meine Vorahnung vom Vortag doch begründet gewesen und auch die Tatsache, dass ich extra noch einmal deutlich „Bis halb 6 dann“ gesagt hatte, hatte wohl nicht geholfen... Um 6 fragte unser Pförtner schon besorgt, wann wir uns denn verabredet haben. Wir erklärten ihm, dass wir wohl einfach nur ´ne Stunde zu früh dran waren. Toll, aber wer will im Urlaub auch schon so lange schlafen wie er kann? Grrrrr. Ich freute mich über den Sonnenaufgang, der von dieser Stelle jedoch recht bescheiden anzusehen war und als ich gerade mit der Knipse unter einem Affen stand, kam unser Fahrer. Es war 6:15 Uhr.
Wir steigen also ein, nahmen noch einen Engländer mit, der gerne zur Bank wollte und los ging es. Der Engländer stieg kurz darauf wieder aus und wir fuhren zu Kurt und Elke, wo wir noch einen Kaffee kredenzt bekamen. Ich war von dem Grundstück jedoch so geplättet, dass da erstmal gar nicht an Kaffee trinken zu denken war. Mutti und Elke schienen botanisch gesehen auf einer Wellenlänge zu liegen und auch der Typ von dem anderen Pärchen stieg in die Fachgespräche ein. Ich, die gerade einmal eine Palme von einem Kaktus unterscheiden kann, schaltete rein akustisch ab und war ganz in meinem Element. Ich machte Fotos, eh klar :-). Während immer wieder Wörter wie Hibiskus, Bodenbeschaffenheit und was weiß ich was alles an mein Ohr drangen, hechelte ich also durch den Garten, der bis zur Küste auf einem Felsen ging und machte meine unzähligen Bilder. Da gerade die Ebbe einsetzte, ergab sich auch ständig ein neuer Anblick, ich hätte also problemlos die ganze Zeit dort verbringen können, ging dann aber auch mit den Anderen auf die Terrasse – die einen ebenso vor Neid erblassen lassen konnte – und trank meinen Kaffee.
Nach einer Weile ging es dann los. Mutti, Unser Fahrer Richard und ich fuhren Richtung Tsavo Ost. Da auch das andere Pärchen dorthin wollte, kreuzten sich unsere Wege immer wieder.
Gegen 11 Uhr erreichten wir dann endlich den Eingang von Tsavo Ost. Ein Verkäufer wollte uns noch zwei Hüte andrehen. Ich handelte wild drauflos, besser gesagt, ich sagte ihm meinen Preis und ließ ihn ´ne Runde jammern. Es folgte wie immer – jedoch in variabler Reinfolge: „Ich selbst bezahle mehr!“, „Das ist der normale Preis“, „Meine arme kranke Mutter...“ Wie immer erwiderte ich: „Du zahlst nicht mehr“, „Der normale Preis ist mir egal“ und „Meine kranke Mutter hätte gerne den Hut!“ Kurz, ich gewann und statt 4000 Schilling zahlten wir 1000. Der Typ beschwerte sich noch, dass die Holländer im Nebenauto gerade 3500 gezahlt hätten und ich erklärte ihm nur, dass er froh sein soll, dass die so blöd waren. Laut Richard war unser Preis ok, den habe ich lieber gefragt ob ich immer noch viel zu viel gezahlt habe.
Wir fuhren also in den Park. Ich stand im Auto, reckte meinen Hals wie eine Giraffe aus dem Dach, die Kamera im Anschlag und hatte nach 5 Minuten immer noch kein Tier gesehen. Das stand so aber nicht im Vertrag!!! Mutti zückte ihr Fernglas, welches ihr aber auch nicht wirklich weiterhalf. Die ersten Elefanten entdeckte ich dann einige Minuten später. Ich gab Richard, der sie von unten nicht sehen konnte bescheid und er erklärte mir, dass es Büffel seien. Na super, ich bin zwar ein Stadtmensch aber den Unterschied zwischen einem Büffel und einem Elefanten bekomme ich doch noch auf die Reihe. Das sah Richard dann auch ein als er die Elefanten in einiger Entfernung entdeckte. Er versprach jedoch, dass wir auch noch welche ganz nah am Auto sehen würden. Die ganze Elefantenkacke auf der Straße und am Straßerand unterstrich diese Aussage noch einmal.
Wir sahen noch einige Giraffen und Zebras, Antilopen und Gazellen, bevor wir eine ganze Ansammlung von Safariautos an einer Stelle entdeckten. Ein sehhhhhhhr gutes Zeichen. Da musste es etwas zu sehen geben. Es war ein Gepard – nur dass ich ihn nicht sah. Wer konnte denn auch damit rechnen, dass die Anderen über Adleraugen verfügten??? Mutti suchte mit ihrem Fernglas und ich mit meiner 400er Brennweite. Irgendwann entdeckte ich das schlafende Etwas im Gras. Plötzlich ging alles sehr schnell, der Gepard stand auf und setzte zur Jagd auf eine Antilope an. Sicher wäre die Hektik bei den Safariautos auch einen Blick wert gewesen, ich versuchte jedoch nur noch, irgendwie meine Fotos zu schießen. Richard schien ebenso viel Ehrgeiz zu besitzen, seinen Gästen den bestmöglichen Blick bieten zu können und fuhr vor und zurück wie es irgendwie ging. Ich würde mal sagen, dass die Fahrerwahl ganz in meinem Interesse gewesen ist (jaja, so kann man sich täuschen... aber dazu später) und so konnte ich das ein oder andere Bild machen, bevor der Gepard nach nur wenigen Sekunden scheiterte und sich wieder lang machte. Richard Adlerauge hatte da schon wieder den nächsten Geparden entdeckt. Natürlich brauchte ich wieder eine Ewigkeit, bis auch ich ihn sah. Viel passierte aber leider nicht mehr oder besser gesagt, die beiden verzogen sich hinter einen Busch und machten dort Dinge, die offensichtlich nicht für Zuschauer gedacht waren, schmoll. Prüdes Pärchen :-)
Es waren nur noch einige Kilometer bis zu unserem Camp, die wir ohne spektakuläre Sichtungen zurücklegten. Dort bezogen wir unser Zelt – ja ein Zelt, richtig gelesen – und schauten uns etwas um. Die Zelte waren zwar recht groß und hatten auch ein Badezimmer mit Dusche, Klo und Waschbecken und so, ich machte mir jedoch trotzdem etwas Sorgen, was da vielleicht so zu Besuch kommen würde, was nicht eingeladen war. Aber da mussten wir jetzt durch. Das Mittagessen war sehr lecker. Zuerst bekamen wir eine Maissuppe serviert, dann konnten wir uns etwas vom Buffet nehmen und zum Schluss gab es noch einen Obstsalat.
Die vor dem Camp liegende Wasserstelle war ein kleines Tümpelchen an welchem sich leider gerade keine Tiere aufhielten und so legten wir uns noch für eine Stunde hin.
Pünktlich um 16 Uhr standen wir an unserem Bus und es ging los. Auf dem Wunschzettel standen Löwen: Natürlich in Aktion. Als Auswahl hatte ich jagende Löwen, spielende Löwenkinder und poppende Löwen eingereicht und nun war ich gespannt, was daraus werden würde. Wir mussten wieder eine Weile suchen bis wir einige Zebras und Gazellen sahen. Plötzlich wurden die Stimmen aus dem Funkgerät ziemlich hektisch, ich verstand zwar nichts aber Richard drehte und fuhr in einem Affenzahn die Sandpiste entlang. (Zu diesem Zeitpunkt wusste er offensichtlich noch, welches das Gaspedal war...) Das konnte ja nur Gutes bedeuten. Als wir dann wieder eine Ansammlung von Autos sahen, fing die Sucherei wieder an. Und ich brauchte wieder unendlich lange, bis ich die liegende Löwin entdeckte. Dafür war ich aber die erste, die die zweite Löwin mit ihren Jungen erspähte. Ich bin halt eher für den Nachwuchs zuständig, grins.
Da das ganze aber leider in ziemlicher Entfernung stattfand, waren auch die 400mm Brennweite schon recht knapp. Richard gab wieder sein Bestes, indem er hin- und herfuhr und so entdeckten wir auch noch den männlichen Part der Familie, der aber nur faul im Gras lag.
Das ein oder andere Tier kreuzte noch unseren Weg, ich war aber mehr von der Landschaft mit dem roten Boden im Abendlicht beeindruckt als von den Gazellen, die uns irgendwie immer nur den Hintern zudrehten.
Pünktlich zum Sonnenunterganz waren wir im Camp wo ich gleich unter eine warme Dusche sprang. Ich hatte mich schon auf kaltes Wasser eingestellt und war doch recht positiv überrascht. Vor dem Essen setzten wir uns ans Lagerfeuer. Ich hatte meine Kamera im Zelt gelassen und das rächte sich gleich. Kaum saßen wir, kam ein Elefant vorbei und stellte sich schön dekorativ unter den Mond. Ich flitzte also los und kam kurz darauf mit Stativ und Kamera zurück. Nur der Ele war schon wieder weg. Toll, ich war begeistert. Naja, wenigstens der Mond mit den angestrahlten Bäumen blieb mir ja noch. Den wollte ich dann in aller Ruhe nach dem Essen fotografieren. Schließlich scheint so ein Mond ja die ganze Nacht, so sollte man annehmen!
Tolle Idee – nur in der Umsetzung zeigte dieser Plan seine Schwachstelle: Der Mond war weg. Ich fragt mich, wo den bitteschön ein Mond hin sein kann wenn der Himmel doch klar ist. Irgendwann fragte ich einen Campangestellten und der erklärte mir, dass der Mond dann schon weg sei, quasi hinter den Hügeln verschwunden. Ich war mir nicht so sicher ob ich nun gerade voll veräppelt wurde oder nicht. Die Hügelchen waren nicht hoch und von einem plötzlich um 21 Uhr verschwindenden Mond hatte ich auch noch nichts gehört... Okay, das war dann fototechnisch also ein voller Erfolg gewesen an diesem Abend. Beim nächsten Mal sollte ich lieber gleich knipsen was ich möchte und nicht warten bis es weg ist.
Bald darauf gingen wir schlafen, da der Wecker bereits um 5.30 Uhr klingeln würde.
Tag 5
Das tat er dann auch. Mutti und ich waren die ersten beim Frühstück und ich hatte meine Klippo dabei, um nicht wieder so jämmerlich zu versagen. Das war auch gut so denn hinter Mutti erschienen plötzlich ziemlich große Schatten und nachdem ich gleich zu ihnen geflitzt war, entpuppten sie sich als Büffel, die mal beim Camp vorbeischauten. Ich machte meine Bilder und ging zurück zum Frühstück.
Um 6:30 Uhr war Abfahrt. Die Fahrt ging noch eine ganze Weile durch den Tsavo Park, wir sahen neben den ganzen etwas kleineren Tierarten noch zwei Elefanten, an denen wir jedoch vorbeidüsten, da Richard sie nicht sah (jeden Löwen in 800 Meter Entfernung sieht er aber die Elefanten nicht – merkwürdiges Adlerauge, grins). Aber wahrscheinlich konnte er sie von unten aus dem Auto gar nicht sehen. Damit uns das bei den Giraffen, die gerade mal ein Stückchen über den Büschen herausguckten, nicht auch passiert, rief ich einfach laut. „Giraffen!“ Das brachte den gewünschten Erfolg, Richard fuhr zurück und wir konnten in Ruhe schauen – und fotografieren.
Nach einer Weile und etlichen Tieren später verließen wir Tsavo und fuhren zum Amboseli. Das dauerte allerdings einige Stunden, die wir im Auto mal mehr und mal weniger durchgeschüttelt wurden. Als dann endlich der Parkeingang vor uns lag, stellten wir uns auf die prophezeiten Tierkadaver ein, die uns erwarten würden. Das erste tote Zebra hatten wir bereits auf der Straße zum Park hin gesehen.
Es kam aber anders als erwartet. Wir sahen gleich ein paar Strauße, einige Giraffen und Zebras. Zwischendurch lagen da zwar auch einige tote Tiere, jedoch war es keinesfalls so schlimm, wie wir befürchtet hatten. Die Dürre hatte offensichtlich ihre Spuren hinterlassen, die Erde war spröde und total ausgedorrt. Dass es hier nicht genügend Gras für alle gab, war offensichtlich. Nachdem wir allerdings 20 Minuten gefahren waren, und uns dem Kilimanjaro näherten, wurde die Vegetation etwas abwechslungsreicher. Zum einen gibt es genug Wasser, welches vom Berg in die Umgebung abfließt und zum anderen ließen die den Gipfel umgebenen Wolken darauf schließen, dass es hier wohl etwas mehr Regen geben würde. Die Bäume wurden grün und die Tierwelt üppiger. Wir sahen Gnus, Elefanten, Zebras, alle möglichen Gazellenarten und Antilopen. Wir verließen dann den Amboseli wieder, da unser Camp außerhalb lag. Was man halt so außerhalb nennt. Es gibt zwar einen Eingang und Ausgang an der Straße aber da es keinen Zaun oder ähnliches gibt, zählt diese Begrenzung natürlich nicht für die Tiere.
Unsere Lodge, das Sentim, war der Hammer. Das Zelt verdient den Namen Zelt wirklich nicht, alles war vom Feinsten, ehrlich gesagt war das Zimmer schöner als unser Hotelzimmer in Diani. Und einen Pool gab es auch. Da wir aber nicht sehr viel Zeit bis zu unserer Pirsch am Nachmittag hatten, ließen wir uns von einem Angestellten den Aussichtspunkt zeigen, von dem man einen guten Blick auf den Kilimanjaro hat. Da dieser inzwischen nicht mehr von Wolken umgeben war, war der Anblick schon imposant!
Wir quatschten noch ein wenig mit den Männern, die ebenfalls mit unserem Safariveranstalter dort waren und dann ging es auch schon wieder los. Unser erster Halt war ein Massaidorf. Richard hatte uns gefragt ob wir es uns anschauen wollten. Wir nahmen die 10 Euro Eintritt in Kauf – auch wenn sich ein Massai davon wahrscheinlich eine ganze Kuhherde kaufen kann – und wurden dort zusammen mit anderen Touristen nett empfangen... standesgemäß mit dem Willkommenstanz. Ich war begeistert... Hüpfende Massai hatten wir ja nun schon öfters gesehen. Aber keine hüfende Carola – und dieser Anblick bot sich nun den Anderen. Ich wurde mit in die Gruppe geholt und musste mit hüpfen. Hervorragend! Die nette Massai neben mir schaute begeistert auf meinen Nasenring, die hinter mit befummelte meine Haare und ich stand da wie ein Depp. Aber offensichtlich diente ich zur Unterhaltung der Massai... war da nicht was falsch gelaufen mit dem Eintritt??? Wie viel kann man denn für Haare fummeln und hüpfen mit einer Weißen verlangen? Mir blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken, denn als nächstes wurden uns alle möglichen guten Geister mit auf den Weg gegeben. Cool, ich werde also lange mit meinem Mann verheiratet sein (dafür müsste ich dann erstmal schnell heiraten...) und wir werden während der Safari alle möglichen Tiere sehen (wofür es hier nicht alles zuständige Götter gibt!), dann bleiben wir natürlich immer gesund usw. Was da nun wirklich alles gesagt wurde, kann ich natürlich nicht wissen, vielleicht haben sie uns auch gekräuselte Haare und Hütten aus Kuhkacke gewünscht, wer weiß? Aber sie waren nett und dann ging es auch schon weiter. Der nächste Programmpunkt war das Feuer machen. Wir bekamen die unterschiedlichen Holzsorten erklärt und wofür sie benutzt werden. Wer sich also nicht den Nebenwirkungen von Viagra aussetzen möchte, der sollte sich mal mit einem Massai in Verbindung setzen. Ich war ganz begeistert, dass ich bei jeder Kleinigkeit zum Fotografieren aufgefordert wurde. Wie geil ist das denn? Ich muss nicht einmal ansatzweise ein schlechtes Gefühl haben, da ich förmlich zum Knipsen gezwungen werde. Willkommen im Schlaraffenland!
Als nächstes ging es dann in ein Häuschen oder besser gesagt in das Innere von aneinander gebundenen Holzstücken, die mit Kuhkacke zusammen gekleistert waren. Gestunken hat es aber nicht, keine Sorge. Das Innere war überschaubar und die Einrichtung hätte noch den Feinschliff eines Innenarchitekten vertragen können, es war jedoch sauberer als ich erwartet hatte. Eingezogen bin ich trotzdem nicht. Dann kann die wohl aus Sicht der Massai wichtigste Etappe: der Markt. Den ließen wir dann aber sehr schnell hinter uns, mein Interesse fiel auf einen Haufen Kadaver etwas außerhalb. Und wie das im Schlaraffenland für Fotografen so ist, man wird sofort hingeführt und zum Fotografieren genötigt. Die Massai posierten dann noch stolz – worauf sie dabei allerdings stolz waren blieb mit verborgen – und ich konnte anschließend gut gelaunt in unseren Bus steigen.
Ursprünglich wollten wir dann zu einem Wasserloch... Schnell kamen wir nicht voran, man kann sagen, dass alle paar hundert Meter ein oder mehrere Tiere standen und wir aus dem Gucken gar nicht mehr herauskamen. Elefanten mit Kindern, Giraffen, Zebras, die vor uns über die Straße liefen und so weiter. Wir waren einfach nur begeistert. Richard merkte das und freute sich über unsere strahlenden Gesichter. Plötzlich hörten sich die Stimmen im Funkgerät wieder hektisch an und Richard hetzte los. Zwei Löwen waren das Ziel, Die waren allerdings so faul, dass wir erst gar nicht sicher waren ob sie lebten oder nicht. Einer aus unserer Männertruppe warf daraufhin einen Stein in die Richtung des Löwen – was den jedoch sehr wenig interessierte. Wir standen dort und warteten. Das kenne ich ja schon aus dem Zoo... auch vergebliches Warten ist mir durchaus vertraut.... Ich hatte also ein Déjà Vu. Nichts passierte. Wir hatten allerdings so viel Zeit verplempert, dass mit dem Wasserloch nichts mehr war an diesem Tag. Vielmehr raste Richard über die Straße – und das alleine war schon ein bedenkliches Zeichen, er gehört ja eher zu den gemütlicheren oder netter gesagt, vorsichtigen Fahrern. Es war dann auch schon fast dunkel, als wir an der Lodge ankamen.
Wir duschten, aßen und setzten uns ans Lagerfeuer. Dort saß auch schon ein Angestellter der Lodge, der uns zum Aussichtspunkt brachte. Ganz nebenbei zeigte er uns den Mond. Er war einige Zentimeter über dem Horizont, also schon fast verschwunden. Ich glaubte es kaum. Wie gesagt, hatte ich die Aussage vom Vortag, der Mond sei schon verschwunden, als Verarsche angesehen. Wer bitteschön soll denn auch glauben, dass der Mond gegen 21 Uhr verschwindet? Das ist ja wirklich eine reichlich kurze Dienstzeit, die der Gute da hat. Beneidenswert. In meinem nächsten Leben werde ich Mond über Kenia :-). Ich beschloss also, am nächsten Tag unbedingt rechtzeitig ein Bild vom Mond zu machen...
Da keine Tiere in der Nähe des Camps waren, gingen wir wieder zurück und ins Zimmer, wo wir nach kurzer Zeit groggy ins Bett fielen.
Tag 6 – Nashörner – nicht im Angebot!
Der Tag begann schon sehr früh. Um 6 Uhr klingelte der Wecker. Nur waren wir da schon von einem lauten „Jambo“ und noch lauterem Gedonner an der Tür geweckt worden. Anscheinend hatten unsere Fahrer Angst, wir würden verschlafen. Kurz darauf war dasselbe Gepolter am Nebenzelt zu hören – auch die Männer gingen auf Frühpirsch. Ich machte noch schnell ein Bild vom Kilimanjaro im Morgenlicht. Ausnahmsweise hatte ich mal ein gutes Timing, einige Minuten später war er in den Wolken verschwunden. Um 6.30 Uhr trafen wir uns alle an den Bussen und fuhren los.
Kaum losgefahren, rannten die ersten Affen um unseren Bus herum und wir trafen auf einige Giraffen. Das ging quasi die ganze Zeit so weiter. Da wir mit unserem Fahrer ja nicht wirklich einen Formel Eins-Piloten am Start hatten, mussten wir auch nie wirklich suchen sondern immer nur schauen, wo die Männer stehen blieben oder auch schon andere Busse standen. Dort gab es dann immer was zu gucken.
Wir waren also das Schlusslicht. Selbst wenn sich von hinten ein Auto näherte, dauerte es nie lange, bis wir wieder hinter ihnen waren – und das lag NICHT daran, dass ich durch meine Knipserei alles aufhielt! Während wir also so dahin gondelten, sah ich plötzlich einen Geparden auf einem Felsen direkt neben der Straße liegen. Den hatte aber offensichtlich niemand anders gesehen. Ich wurde also leicht hektisch und forderte Richard auf, zurück zu fahren. Der Gepard blieb noch ein paar Sekunden ruhig liegen und stand dann langsam auf und lief durch die Gegend. Dank des Busch – oder besser Steppenfunkes – dauerte es auch nicht lange, bis sich ein Bus nach dem anderen zu uns gesellte. In Hochstimmung fuhren wir also weiter. Zumindest ich war in Hochstimmung und vor Stolz, auch endlich mal etwas entdeckt zu haben, war ich sicher auch noch um einige Zentimeter gewachsen!!! Anschließend ging es vorbei an zwei faulen Löwen, die kannten wir nun ja schon – zum Wasserloch. Das hatte ich mir irgendwie ganz anders vorgestellt. Das Loch entpuppte sich als großes wassergetränktes Gebiet, in dem die Tiere teilweise knietief oder auch noch tiefer herumwateten und tranken. Ich hätte stundenlang dort bleiben können. Vor allem schien es niemanden zu interessieren, dass wir dort standen, die Zebras liefen um unser Auto herum, der Elefant stellte sich direkt neben uns und die Büffel beobachteten uns neugierig. Nur das Licht war kacke. Ich dachte an den tollen Sonnenuntergang des Vorabend, wo wir es nicht mehr bis zu dieser Stelle geschafft hatten und ärgerte mich ein wenig.
Für meinen Geschmack viel zu früh fuhren wir zurück zur Lodge und frühstückten. Wir hatten eine halbe Stunde, bis wir mit unseren Sachen wieder an der Rezeption sein sollten. Es war also etwas hektisch aber da mein zweiter Name Hektik und mein dritter Name Stressi ist, störte mich das nicht weiter. Zusammen mit dem anderen Bus, also den Männern, fuhren wir in Richtung Tsavo West. Im Amboseli sahen wir wieder einige Tiere bevor wir auf eine Schotterpiste gelangen. Dort mussten alle Busse gemeinsam als beschützter Konvoi fahren, da es vor drei Jahren wohl zu einigen Überfällen auf Touristen kam und weitere so vermieden werden sollten. Für uns konnte das ja nur gut sein, so musste Richard ein wenig auf die Tube drücken und konnte nicht ewig zurück fallen. Schließlich gab es auch hinter uns noch Autos...
Die Straße führte durch ein altes Vulkangebiet und war dermaßen löchrig, dass es uns nur so durchschüttelte. Nach gefühlten 20 Stunden kamen wir dann am Eingang von Tsavo West an.
Es dauerte eine ganze Weile bis wir ein paar Zebras sahen. Elefantenhaufen waren überall zu sehen, nur die Verursacher ließen sich nicht blicken.
Auf dem Weg zur Lodge entdeckten wir auf einem Baum zwei Leoparden – nur leider waren die ziemlich weit weg. Durch unsere Ferngläser (ich vielmehr durch mein Objektiv) konnten wir ihnen aber trotzdem bei nicht jugendfreien Aktionen zusehen. Dass die dabei nicht vom Baum gepurzelt sind, war mir ein Rätsel...
Es war schon recht spät und um noch rechtzeitig zum essen in der Lodge anzukommen, mussten wir uns beeilen. Das tat Richard dann auch und hetze über die Sandpisten, dass wir nur so hin- und herrutschten. Hin und wieder ging das also doch mit Herunterdrücken des Gaspedals.
Die Lodge selbst war der Hammer. Wir hatten ein in den Berg hinein gebautes Zimmer mit Blick auf ein Wasserloch. In diesem Wasserloch befand sich auch noch ein Hippo. Nur gab es diesmal keinen Zaun und nichts, jeder nicht geladene Gast hätte einfach mal bei uns vorbei schauen können. Entsprechend waren auch die Sicherheitsvorkehrungen. Sowie es dunkel wurde, war das Verlassen des Zimmers verboten. Auch den beleuchteten Balkon durften wir nicht verlassen, nicht einmal ein kleines Stückchen auf den Weg, um das Wasserloch besser sehen zu können. Mutti und ich belächelten das ein wenig, da wir diesen einen Meter nicht wirklich für gefährlich hielten... Im Hellen sieht halt manches unspektakulärer aus...
Wir aßen Mittag und hatten anschließend ein wenig Zeit bevor es um 16 Uhr ins Nashornschutzgebiet ging. Die Leoparden vom Vormittag konnten wir leider nicht mehr aufspüren und auch mit den Nashörnern war das so eine Sache. Wir gondelten wie die Deppen hin und her, angestrengt durch das Dach spähend und verließen 1,5 Stunden später das Revier ohne auch nur ansatzweise ein Nashorn gesehen zu haben. Unsere Fahrer erklärten jedoch, dass wir vielleicht noch eins im übrigen Park sehen würden.
Da war ich eher skeptisch, irgendwie war der Tsavo West nicht so üppig was die Tierdichte anging. Und spektakulär schon gar nicht. Hier und da eine Antilope, ein Zebra oder ein Büffel, das war nach dem Amboseli jetzt kein Knaller mehr für uns. Wir kamen mit Einbruch der Dunkelheit wieder an der Lodge an und waren somit ins Zimmer verbannt. Um halb 8 sollten wir abgeholt werden. Bis dahin wollten wir den Ausblick auf das beleuchtete Wasserloch und das Hippo genießen. Wir versagten kläglich. Die Großspurigkeit war bereits verschwunden, als ich die Zimmertür öffnete und irgendein riesiges laut knatterndes Etwas um mich herumflog. Ich knallte die Tür zu und das war es erstmal. Beim nächsten Versuch – schließlich war mir meine Feigheit schon vor mir selbst ein wenig peinlich – kam ich schon einige Schritte weiter. Für diese paar Schritte brauchte ich allerdings auch eine Ewigkeit – schließlich musste die Umgebung für jeden neu zu erobernden Millimeter genau unter die Lupe genommen werden! Mutti sah ein imaginäres Tier auf der Mauer, dieses entpuppte sich als ganz fieser hinterhältiger Stein und wir sahen ein, dass wir für diese Herausforderung noch nicht reif waren und verzogen uns in das Zimmer und schauten lieber durch das Fliegengitter. Stadtmenschen halt... Und jaaaaa, es war uns auch bewusst, dass unser Fliegengitter wohl eher weniger als Schutz gegen die Raubtiere dienen würde, sollten sie mal Appetit auf ein Steak auf zwei Beinen bekommen – aber so was kann man gut ausblenden.
Unser Abholservice war bewaffnet mit einem Speer. Wow, da fühlte ich mich gleich bombensicher. Ich fragte, ob er denn schon Tiere im Camp gesehen hat und er zeigte mit den total ramponierten Speer und berichtete, dass wäre bei einer Auseinandersetzung mit einem Elefanten passiert. Na supi – aber die fliegen wenigstens nicht gleich fies auf einen los wenn man die Tür aufmacht... Und in Begleitung eines mit einem Speer bewaffneten Afrikaners, was soll einem da schon passieren??? Optimismus ist alles. Wir kamen also lebend im Restaurant an und bedienten uns am Buffet. Zurück wurden wir dann wieder gebracht und mit der Info bestückt, dass morgens um 6 öfters ein Nashorn zum Trinken vorbei kommt. Klare Sache, der Wecker wurde auf 6 Uhr gestellt.
Die Nacht war recht unruhig, unzählige Tiergeräusche umringten uns und machten meine Ohrstöpsel wirklich essentiell. Einerseits... Andererseits konzentrierte ich mich die ganze Nacht darauf, Geräusche zu identifizieren um eventuelle Gefahren frühzeitig erkennen zu können. Sehr sinnig, was hätte ich dann getan? Den mutigen Kampf mit einer Nagelpfeile bewaffnet aufgenommen? Wo ich doch schon vor einem knatternden Insekt kapituliert hatte? Hm... Mutti drehte ich irgendwann in der Nacht auch Ohrstöpsel an, so konnte sie auch etwas schlafen. Zumindest in der Zeit, in der ihr der sich unter unserem Moskitonetz befindende Falter nicht ständig ins Gesicht flog!
Tag 7 – Safari mit ohne Tiere sorgt für Schmolllaune
Um 6 Uhr klingelte also der Wecker und ich hechelte raus zum Wasserloch. Inzwischen war es hell und die unbekannten Gefahren der Dunkelheit in Vergessenheit geraten. Ich ging also todesmutig auf den Balkon :-) Die Büffel vor mir interessiertes das wenig. Die Antilope gegenüber auch nicht und das Hippo, welches inzwischen wenigstens bis zu den Bartstoppeln aus dem Wasser lugte, schon gar nicht. Mehr war aber auch nicht los. Was war denn nun mit dem Nashorn? Nichts! Tolle Wurst, da steht man extra früh auf und dann ist da nüscht...
Ich packte unseren Kram, Mutti nahm erstmal ein paar Imodium als Vorfrühstück und dann gingen wir mit Sack und Pack nach vorne. Wir hatten zwar den besten Blick auf das Wasserloch, dafür aber auch den weitesten Weg – total uneben und somit nicht wirklich trolligeeignet! Zum Glück kam uns ein Kofferträger entgegen, der uns beim Tragen half.
Das Frühstück wurde länger als erwartet, da an unserem Bus noch ein Reifen gewechselt wurde. Die drei Männer fanden hierin jede Menge Anlass zum Spott, hatten sie sich doch sowieso schon auf unseren Schumiverschnitt eingeschossen. Klar war auch an ihnen nicht unbemerkt vorbeigegangen, dass wir zwar immer gemeinsam losfuhren aber irgendwie nie gemeinsam irgendwo ankamen. Erst wurde der platte Reifen damit begründet, dass das bei der Raserei nicht ausbleibt und dann entdeckte einer von ihnen die ganzen Plaketten auf der Scheibe und mutmaßte, dass die wohl für umsichtiges Fahren seien. Als dann eine Plakette noch „Speed Genarator“ enthielt, war natürlich alles aus und wir kicherten uns nur noch eins. Wer den Schaden hat....
Kurz nach 8 Uhr ging es dann endlich los. Wir entdeckten einen Leoparden, naja eigentlich ist „entdeckten“ nicht das richtige Wort. Wir erahnten ihn vielmehr in einer Baumkrone. Das war es dann auch an spektakulären Erlebnissen für diesen Tag. Halt nein, da war noch eine Giraffe, die vor uns den Weg blockierte und weggehupt werden musste. Aber das war es dann wirklich. Ich stand da oben, ließ mir den Wind um die Nase wehen und fragte mich, womit wir diesen Tiermangel verdient hatten. Was war denn nun mit dem Segen der Massai??? Waren dann wohl doch eher die Hütten aus Kuhkacke gewesen... Es wurde eine sehr lange Fahrt. Irgendwann waren wir aus dem Tsavo raus und fuhren die sogenannte Autobahn entlang. Bei uns würde man so was einfach mal eine Straße nennen aber für unseren Schumi war es die Autobahn. Klaaaaaar – er fuhr ja schließlich auch 70! Ich legte mich irgendwann lang und schlief `ne Runde. Oder auch zwei.
Nach einigen Stunden erreichten wir die Taita Hills und das Lumogelände. Hier sollte es ähnlich viele Tiere geben wie im Amboseli, ich war also wieder in meinem Element, die Fotoausrüstung lag ausgebreitet neben mir auf dem Sitz und ich war bereit! Nur die Tiere waren es offensichtlich nicht. Nichts, Nulli Nulli, GAAAAR NICHTS.... Und dann fing es auch noch an zu regnen – ach nee, ich hatte ja gelernt, dass das kein Regen ist. Schumi hatte uns ja schon erklärt, dass Regen nur ist, wenn es richtig seucht. Na egal, der NICHT-Regen machte meine Linse nass, klatschte mir ins Gesicht und sorgte für schmutzige Scheiben.
Es hörte bald wieder auf zu nicht-regnen und wir kamen am Hipposchutzgebiet an. Da war ich ja mal neugierig. Auf uns warteten zahlreiche Krokodile und Hippos. Was wir nicht wussten war, dass auch hier anscheinend das Überraschungseier-Prinzip galt: In jedem 7. Ei.... Und es gab nur sehr wenige 7. Eier!!! Und die waren sehr weit weg... Auf gut deutsch: Ich sah einen Hipporücken, der aber auch genauso ein Felsen hätte sein können, ohne Brille auch gerne ein Baumstamm oder `ne Sandbank. Ich war schwer beeindruckt. Bei den Krokodilen, vor denen überall gewarnt wurde, verhielt es sich ähnlich... Eines konnten wir jedoch durch das 400mm Objektiv ganz gut sehen. Ich konzentrierte mich einfach auf die Affen und den Lara Croft-Verschnitt, der uns da vor den unzähligen Krokos beschützte. Mit ´nem mega Maschinengewähr. Ich brauche wohl nicht zu betonen, was für unsere drei Männer die Attraktion dieser Führung war? :-).
Wir stiegen noch in so eine Unterwasserglocke, von der aus wir einige Fische sahen. Wow... Fische.... Dann fing es auch noch an zu regnen – ach halt, zu nicht-regnen – so dass ich nicht einmal mehr die niedlichen Affen in den Bäumen fotografieren konnte. Wir gingen also hektisch zurück zu unserem Bus und fuhren weiter.
Der Regen ließ nach und kurz darauf sahen wir, dass die Männer, die natürlich bereits innerhalb weniger Minuten einen Vorsprung herausgefahren hatten, an einer Wiese standen. Es gab also etwas zu sehen. Und dieses Mal sah auch ich ohne langes Suchen das Gepardenrudel im Gestrüpp liegen. Ich machte also unzählige Bilder, Richard fuhr hin und her und irgendwann setzte der Regen wieder ein und wir fuhren weiter zur Lodge. Viel zu sehen gab es leider nicht mehr, dieser Landstrich schien von so gut wie allen Tieren verlassen worden zu sein. Außer von Geiern! Ich gab die Sucherei auf und setzte mich gefrustet hin.
Dieses Mal hatten wir Glück, statt wieder das letzte Zelt der Lodge, bekamen wir dieses Mal das erste. Es handelte sich vielmehr um einen kleinen in den Hang gebauten Pfahlbau, der wirklich schön war. Meine Internetrecherche im Vorfeld hatte ergeben, dass sich hier auch gerne Löwen unter den Hütten einnisten und auch sonst ein üppiger Tierreichtum besteht. Unnötig zu erwähnen, dass mein erster Gang auf den Balkon ging. Ich hängte mich über das Geländer aber nee, da war keine Löwenfamilie. Auch sonst war da nicht wirklich viel was sich bewegte. Genau genommen überhaupt nichts. Außer Mutti, die kurz vor einem Herzkasper stand weil sich ihr Töchterchen für ihren Geschmack viel zu weit über das Geländer hing. Naja, sooo tief wäre ich nicht gefallen und wie gesagt, um als Tierfutter zu enden hätten erst einmal Tiere da sein müssen! Wir hatten einen atemberaubenden Blick über eine kilometerweite Landschaft aber eben auch nur über die Landschaft und nicht über üppige Tierpopulationen! Naja, trotzdem war dieser Ort ein Traum.
Wir gingen zusammen mit den Männern essen, genossen die Aussicht und hatten dann noch fast zwei Stunden bis es wieder auf Pirsch gehen sollte. Vom ganzen Nichtstun waren wir doch groggy, weiß der Geier wie das geht, und schliefen somit ein wenig.
Die Pirschfahrt war dann eher eine gemütliche Fahrt durch die Landschaft. Tiere waren nicht im Angebot. Nicht einmal tote Tiere... Wir fuhren zum sogenannten Lion Rock. Dem Namen nach tummelten sich dort viele Löwen. Aber das gehörte wohl in eine andere Zeit. Der Fahrer der Männer kämpfte sich bis nach ganz oben auf den Felsen, was wohl unser Glück war. Richard, dem es wahrscheinlich zu doof war, nicht auch hochzufahren, nahm hochkonzentriert die Verfolgung auf. Der arme Kerl, er schien echt überfordert und ich hätte das Autochen gerne für ihn nach oben gefahren aber das wäre wohl zu viel für ihn gewesen.
Oben angekommen, blieb der andere Bus stehen und die Herrschaften stiegen aus. Jaaaa, sie steigen aus. Ich traute meinen Augen nicht, hieß es nicht, man solle AUF KEINEN FALL aus dem Auto steigen??? Hm, schwuppdiwupp war ich auch draußen. Mit einem doch etwas mulmigen Gefühl im Bauch liefen wir das Hügelchen ab, machten Fotos und schauten uns den Sonnenuntergang an.
Dann traten wir den Rückweg an. Der war ja nicht wirklich weit und da wir keine Tiere sahen, mussten wir auch keine Pausen machen. Es wurde langsam dunkel und bis das Essen fertig war, setzten wir uns mit den Männern noch an das Lagerfeuer. Dieses hätte jedoch ohne die Fürsorge von Uwe sicher nicht lange gebrannt. Die Engländer, die uns schon am Mittag genervt hatten, setzten sich schön in den Wind, wurden in kürzester Zeit eingerußt und standen dann wieder auf. So hatten wir also unsere Ruhe. Ich gab meine Mondstory zum besten und erntete spöttische Blicke. Offensichtlich wurde mir nicht geglaubt, dass der Mond hier, kaum war er aufgegangen, auch schon wieder unterging.
Auch während des Essens behielten ihn alle im Blick. Es war bereits 22 Uhr und das Teil schien immer noch vom Himmel herab! Toll... Erst als wir dann schon längst wieder in unseren Hütten waren, kam Bewegung in die Sache. Ich lag im Bett – von dort aus hatte ich eine gute Sicht auf den untergehenden Mond – und schaute, wie sich das Gelb langsam in ein Orange verwandelte. Da kamen von nebenan hektische Rufe, ich solle rauskommen, der Mond würde untergehen. Nun glaubten sie mir also doch, es blieb ihnen ja auch nicht wirklich etwas anderes übrig. Es dauerte nicht lange und ich schlief ein.
Tag 8 – Schlechtes Timing
An diesem, unserem letzten Tag, ging es früh los. Ich hatte ja vom Vortag schon die Schnauze voll und sah überhaupt keinen Sinn darin, noch eine Pirschfahrt in diesem Gebiet zu unternehmen. Und genau das teilte ich Richard mit. Besser gesagt, ich schlug vor, ob wir nicht einfach auf dem Rückweg in einem der Parks, an denen wir vorbeikommen, noch ein wenig herumfahren können statt hier, wo es offensichtlich keine Tiere mehr gab. Es wirkte etwas konstaniert... Das ginge nicht, erklärte er, da wir nicht einfach in einen der Parks hineinkönnen und außerdem sei er sicher, wir würden diesen Morgen einige Tiere sehen. Ach sooooo, na dann...
Wir fuhren also los, vom Besitzer der Lodge hatten wir bereits erfahren, dass es gar nicht weit etwas zu sehen gab: Ein Löwenrudel, welches einen Büffel getötet hatte und nun gemütlich fraß. Cooooooooool. Jetzt mussten wir nur noch rechtzeitig dort ankommen. Und genau da haperte es – mal wieder. Den Büffel haben wir gefunden, er lag mit angeknabbertem Po direkt neben der Straße, also in 1a Fotoposition, nur eben waren die Löwen offensichtlich erst einmal satt und hatten sich verzogen. Großartig. Wir fuhren also weiter und Adlerauge Richard entdeckte die Löwen dann in einer gefühlten Distanz von ca. 150 Kilometern. Sicher zog ich in Gedanken meinen Hut vor dieser Sehleistung, seine Begeisterung konnte ich jedoch nicht teilen, was bringt mir das Wissen, dass sich dort in weiter Entfernung ein Löwe befindet, den ich aber nur als Staubkörnchen auf meiner Pupille wahrnehme? GAR NICHTS!
Aber da kam dann der Fahrer unserer Männer ins Spiel, der fuhr prompt mitten über die Wiese, was strengstens verboten war, bis direkt an den Fluss, auf dessen anderen Seite die Löwen lagen. Richard traute sich noch nicht die Verfolgung aufzunehmen, er musste erst einmal den anderen Fahrer, der sich gerade noch vor Ort befand, überzeugen auch mitzufahren. Anscheinend hatte er Angst verpfiffen zu werden. Irgendwann kamen wir dann auch an dem Fluss an und ich konnte ein paar Bilder machen. Ich motze jetzt mal nicht über die schlechten Lichtverhältnisse, für die konnte Richard ja ausnahmsweise mal nichts.
Als wir das verpasste Löwenmahl dann hinter uns ließen, bekamen wir noch ein paar Vögel zu sehen, die von den Fahrern mit Brot an die Busse gelockt wurden. Mutti hatte keine Lust die Vögel zu füttern und ich sowieso nicht – wie hätte ich denn dann fotografieren sollen? Grins. Mein Highlight des Tages war ein kleines Eichhörnchen, das sich neben unserem Bus tummelte. Man geht auf Safari um Eichhörnchen zu fotografieren, ist schon klar. Meine Freundin geht dafür einfach in den Park aber egal.
Nach einer guten Stunde kamen wir dann am Ausgang des Nationalparks an und das war´s dann mit unserer Safari. Ehrlich gesagt hatten Mutti und ich etwas mehr erwartet, auch wenn es sicher tolle Momente gegeben hatte, waren wir beide ein wenig enttäuscht. Das Highlight hatten wir eigentlich gleich nach 30 min. am ersten Tag erlebt, nämlich die Gepardenjagd... Jetzt lag eine stundenlange Fahrt in Richtung Tsavo East vor uns, wo wie in einer Lodge Mittag essen sollten. Sowohl Mutti als auch ich verbrachten diese Fahrt überwiegend schlafend.
Die Lodge erreichten wir dann vor den Männern. Die waren zwischendurch noch irgendwo einkaufen gewesen. Wir genossen den Ausblick auf den Nationalpark, das Essen und die Ruhe. Nach einer Stunde ging es dann weiter in Richtung Mombasa wo wir in einen Megastau gerieten, den Richard aber umging, indem er sich kackfrech irgendwo dazwischendrängelte. Das hätten wir wohl alle getan, in Mombasa scheint es aber so zu sein, dass es kaum jemand wagt, da genau für diese Fälle Polizisten dort stehen, die einen dann aus dem Verkehr ziehen. Richard war stolz wie Oskar und freute sich wie ein Kind. Wenn er mal in den Tagen zuvor auch so einen Ehrgeiz gehabt hätte, schnell voranzukommen. So kam es also, dass wir über eine halbe Stunde vor den Männern bei Kurt und Elke ankamen.
Nach einem Kaffee trat dann jeder für sich die Weiterfahrt an. Wir kamen ziemlich gerädert in Diani an unserem Hotel an und gingen duschen und essen. Nach einer Piñar Colada verzogen wir uns auf´s Zimmer, Mutti las und ich hockte mich an den PC.
Tag 9 – Strandtag bzw. interkultureller Austausch mit den Massais
Ausschlafen waren wir ja schon gar nicht mehr gewöhnt und so standen wir auch an diesem Sonntag recht früh auf und gingen frühstücken. Für diesen Tag war ausruhen angesagt. So war der Deal, ich konnte meine Mutter ja nicht die ganzen zwei Wochen durch das Land jagen – leider, hihi. Also flezten wir uns auf unsere Liegen und ich bemühte mich, möglichst keinen Stress zu verbreiten. Dabei halfen mir die Animateure zumindest indirekt, denn sie boten bald einen Strandspaziergang an. Das hört sich jetzt sicher etwas merkwürdig an, am Strand kann man schließlich auch alleine laufen, wer aber schon einmal in Kenia war, der wird das ohne weitere Erklärungen verstehen... Es ist schlicht und einfach so, dass sich viele Touristen nicht aus dem geschützten Bereich ihrer Liegen herauswagen, da sie dann sofort zum Opfer der Beachboys mutieren. Mir ist das relativ schnuppe, meiner Mutter jedoch zum Beispiel, die sich mit überdeutlichen Ansagen doch etwas schwer tut, würde jeder weiter entfernte Strandabschnitt wohl fremd bleiben.
Wir gingen also mit. Ich versuchte immer wieder möglichst heimlich irgendwelche Bilder von Einheimischen zu machen (was mir mal mehr und mal weniger gut gelang) und auf dem Rückweg liefen uns wieder die Massais (oder ist der Plural auch Massai???) über den Weg und wir koppelten uns von der Gruppe ab und gingen mit ihnen weiter. Während Mutti an unserem Hotel blieb, ging ich noch ein paar Meter mit Emanuel weiter und fragte ihn Löcher in den Bauch was seine Kultur und das Leben der Massai angeht.
Es begann dann bald zu nieseln und ich ging zurück zu Mutti, die schon die Sachen zusammengepackt hatte. So stellt man sich einen Strandtag vor, ganz toll. Wir gingen also ins Zimmer, Mutti pflanzte sich auf den Balkon und ich nutzte die Zeit, um ins Internetcafé zu gehen und meine bisher gemachten Fotos (natürlich nur einen Teil davon) auf meine Website zu laden und mit Holger zu skypen. Als ich zurück kam, erzählte Mutti mir ganz aufgeregt, dass wir Besuch von einem Affen bekommen hatten. Sie hatte schon befürchtete, ich würde ihr einen Sonnenstich unterstellen und so hatte sie schlauerweise ein Beweisfoto gemacht. Und sie traute sich nicht mehr auf den Balkon! Ich war da ganz anders... Ich stürmte auf den Balkon, hing mich über das Geländer und suchte überall nach dem Tier. Vergeblich. Also setzte ich mich mit meinem Laptop auf den Stuhl und wartete.
Plötzlich kam der Affe wirklich zurück. Er schaute ganz neugierig auf den auf dem Tisch liegenden Bonbon und ich gab ihm das Teil. Allerdings musste ich beim Auswickeln helfen, denn das Papier klebte entsetzlich. Mein neuer Freund wartete geduldig und schaute mich gespannt an. Der Bonbon schien ihm auch zu schmecken, allerdings war er wohl ein wenig zu groß für den kleinen Mund. Ich ließ mir von Mutti – die sich lieber nicht zu uns auf den Balkon gesellte – ein paar Minzdrops geben, die man kauen konnte. Wieder schaute der Affe ganz neugierig und ich bot ihm einen an. Die schienen ihm so gut zu schmecken, dass er gar nicht genug bekommen konnte. Er hatte bemerkt, dass ich noch einige in meiner Hand hatte und versuchte, meine Hand zu öffnen. Dann schob er sich 4 oder 5 von den Teilen in den Mund, so dass er eigentlich kaum noch lutschen konnte. Eigentlich bekam er kaum noch den Mund zu. Aber er hatte noch lange nicht genug. Ich holte Nachschub, setzte mich auf den Stuhl (Mutti war immer noch in einiger Entfernung aber zumindest schon auf dem Balkon) und teilte brüderlich mit meinem neuen Freund, der den Namen Minzdrops verpasst bekam.
Irgendwann hatte er aber genug und verschwand. Auch der Regen ließ nach und Mutti und ich gingen zur sogenannten Snackbar und aßen Mittag. Danach ging Mutti wieder auf eine Liege und ich unterhielt mich noch ein wenig mit Emanuel, der schon wieder am Strand saß. Dabei wurde mir schon angedroht, dass ich am Abend doch bei der Tanzaufführung im Hotel mitmachen könnte. Ich erklärte nur, dass ich keine Sprungfedern in den Beinen hätte, also wohl nicht geeignet als Tanzpartnerin sei. Bot ihm aber an, dass wir ja gerne mal ein Headbanging-Wettbewerb machen können. Ich bezweifle jedoch, dass er verstand was ich ihm da so erzählte. Das muss für ihn wohl mindestens so befremdlich gewesen sein wie für mich seine Geschichten!
Irgendwann gingen Mutti und ich auf´s Zimmer, ich saß am PC, sie auf dem Balkon und so verbrachten wir die Zeit bis zum Essen. Das Wetter war ja nicht mehr sooo der Brüller.
Naja und nach dem Essen gingen wir zum Pool und warteten auf die Hüpfshow. Wir kauften noch ein bis zwei Tücher bei den Frauen der „Tänzer“ und hockten uns dann hin. Tja und was soll ich sagen, beim sogenannten „Hochzeitstanz“ durfte ich dann auch mitmachen, suuuuuuper. Aber das beschränkte sich dann eigentlich auf ein im Kreis laufen, das war noch erträglich. Und ich hatte schon eine Piñar Colada intus, das machte es leichter, hihi.
Da wir am nächsten Morgen wieder einen Ausflug geplant hatten, gingen wir recht früh schlafen. Brüller, eigentlich taten wir das ja jeden Abend, egal, was am nächsten Tag anstand :-).
Tag 10 – Schule, Schlangen, Medizinmänner – ein Streifzug durch die kenianische Kultur
Wir wurden um 9 Uhr abgeholt und sammelten noch ein weiteres Pärchen von einem anderen Hotel ein. Unser erster Stopp war kaum 10 Autominuten von uns entfernt. Es war eine Schule und dort war gerade große Pause. Unnötig zu erwähnen, wie wir vier Weiße dort empfangen wurden... Ich kam mir vor wie ein Ausstellungsstück – oder ein Tier im Zoo. Die Pause war aber zum Glück bald vorbei und die Kinder gingen in ihre Klassenzimmer. Wir wurden in eines der Klassenzimmer geführt und durften uns an einen der Tische setzen. Nun ja, mein Klassenraum sieht ein wenig anders aus...
Wir gingen weiter und ich wunderte mich, wieso da Kinder in den Klassenräumen unbeobachtet waren und fragte gleich mal nach. Es gab nicht genug Lehrer... ok, hätte ich auch drauf kommen können. Endgültig als Lehrerin outete ich mich wohl, als wir vor einem Klassenraum stehen blieben, in dem angeblich ein wichtiger Test geschrieben wurde. Ich wunderte mich, wieso die bei einem Test miteinander diskutieren und die Lösungen absprechen, das könne doch wohl nicht sein... Jaaaaa, ich kann halt auch nicht aus meiner Haut, sorry! Daraufhin wurde aus dem Test dann ganz schnell eine Probe für den Test... ohne Worte...
Als letztes wurden wir in das Büro der Schule geführt und dem Schulleiter vorgestellt. Spätestens jetzt war meine Stimmung auf dem Tiefpunkt und mich plagte ein schlechtes Gewissen, am anderen Ende der Welt unter ganz anderen Bedingungen arbeiten zu dürfen. Ich ließ mir die Adresse der Schule geben und versprach, ein paar Materialien zu schicken.
Ein paar Kilometer weiter hielten wir bei einer Schlangenfarm. Oder so was ähnlichem. Jedenfalls gab es ein paar Schildkröten, einige Echsen und eben auch Schlangen. Nichts weltbewegendes aber immerhin waren die Tiere interessanter als die Tanzaufführung – oder das lieblose Gehopse – die uns im Anschluss daran erwartete. Es war unschwer zu erkennen, dass die eigentlichen Hauptakteure dieses Ereignisses nicht die Hüpfdolen waren, sondern die Frauen im Hintergrund, die waren nämlich beladen mit unzähligen Tüchern... Und was passierte wohl, als die letzten Trommelschläge verstummt waren? Riiiiichtig... der Sturm auf die Touris! Welch ein unfaires Verhältnis, ein halbes Dorf gegen vier arme Touris! Ich schob Mutti durch die Trullis und Tüchermassen hindurch bis in den Bus und das war´s. Für uns jedenfalls. Die beiden Anderen diskutierten da draußen noch rum... Selbst Schuld.
Nachdem wir dann ein bis zwei Häuser besichtigt hatten, kamen wir beim Medizinmann an. Sein Haus war schon ein Erlebnis, seine medizinischen Praktiken und Geräte aber noch viel mehr! Da saßen wir also, mit großen ungläubigen Augen und ich fragte mich wirklich manchmal ob wir einen so dämlichen Eindruck machten, dass man uns das alles zu erzählen versuchte. Die sogenannte „Maschine“, mit der der Medizinmann feststellte, in welchem gesundheitlichen Zustand sich seine Patienten befanden, sah aus wie eine an einer Schnur festgemachten Kinderrassel. Ich war schwer beeindruckt. Auch von der fachlichen Kompetenz, die uns da entgegenschwappte. Alle anwesenden Frauen hatten laut des Untersuchungsergebnisses öfters unter Kopfschmerzen zu leiden und die Herren haben manchmal einen Kater. Ich überlegte kurz ob ich nicht niederknien sollte vor Ehrfurcht... oder ihm doch lieber mal von meinen Morgen an Festivaltagen erzählen sollte. Aber das sind dann wohl die männlichen Hormone, die da an diesen Tagen bei mir durchkommen... oder die Rassel ist durch die letzte TÜV-Untersuchung gefallen, was weiß ich. Trotz aller Skepsis kauften wir für ein paar Öhre ein komisches Pulver, mit dem man wohl ganz alleine problemlos aufhören könne zu rauchen. Na siiiiicher!!! Ich hatte meine Portion als Mitbringsel für Holger gedacht, hihi. Mutti und der männliche Part des anderen Pärchens krümelten sich gleich etwas in ihre Kippen und smokten drauf los. Hihi, wer hätte schon gedacht, dass ich mal dabei sein werde wenn sich meine Mutter irgendein Krümelzeugs mit in die Zigarette stopft! Es gab aber keine nennenswerten Verhaltensänderungen, schade...
Den Kopf voller neuer Eindrücke, wurden wir an einem Restaurant abgesetzt, wo wir unser Mittag bekamen. Nur wussten wir leider überhaupt nicht, was das da alles war, was auf der Karte stand! Also bestellten wir planlos drauflos. Die zwei Bedienungen stellten noch einen zweiten Tisch zu unserem und mir dämmerte, dass das wohl irgendetwas mit unserer Bestellung zu tun haben musste... Hm... So war es dann auch, da kamen Töpfe und Teller, das nahm gar kein Ende ... Kurz gesagt, wir hatten keine Probleme satt zu werden, eher wieder vom Tisch aufzustehen und zum Bus zu laufen!
Es folgte eine ca. 1,5stündige Autofahrt zu den Shimba Hills. Meine letzte Gelegenheit, um noch ein paar schöne Tierfotos zu machen. Wie der Name Hills schon unschwer vermuten lässt, war das das Kontrastprogramm zu den Nationalparks, die wir bereits gesehen hatten. Heute ging es durch eine bergige Landschaft mit viel Grün. Allerdings war das Gestrüpp so dicht, dass man eine ganze Weile lang nur Geäst neben den Wegen sah und ich konnte mir kaum vorstellen, dass wir unter diesen Bedingungen überhaupt Tiere sehen würden. Wie auch, wie sollte da ein Elefant oder eine Giraffe durchkommen?
Irgendwann lichtete sich der Wald ein wenig und es kamen Wiesen zum Vorschein. Es dauerte nicht lange, bis ich den ersten Elefant erspähte. Die nächsten folgten kurz darauf und dann kamen auch schon Borstenschweine, Affen, Giraffen, Büffel, Antilopen usw. vor meine Linse. Das Wetter hielt sich auch und so kutschierten wir gut gelaunt durch die Hügellandschaft.
Nach ca. 1,5 Stunden war es dann aber auch schon wieder Zeit, den Heimweg anzutreten. Ziemlich platt von den ganzen Eindrücken des Tages kamen wir pünktlich zum Abendbrot im Hotel an. Wie sich herausgestellt hatte, war es eine schlaue Entscheidung gewesen, an diesem Tag nicht in Diani zu bleiben, hier hatte es wohl mächtig geregnet – Glück gehabt. Wir tranken noch etwas am Pool, verzichteten aber auf das Abendprogramm. Mutti schaute ein wenig Nachrichten im TV und ich ging noch auf ein halbes Stündchen ins Internetcafé, bevor ich mich meinen Bildern widmete.
Tag 11 – Das Paradies weint
Es regnete schon als wir wach wurden. Tolle Wurst. Unser vorletzter Strandtag und es schiffte! Wir gingen frühstücken und währenddessen verzogen sich die Wolken ein wenig und die Sonne kam heraus. Wir beeilten uns also und gingen schnell zum Strand. Dort wimmelte es schon wieder von Beachboys, die ein gutes Geschäft witterten. Uns ließen sie inzwischen aber meist in Ruhe, wir waren zu den Feinden erklärt worden, die sich lieber mit den Massais abgaben als mit ihnen. Damit konnten wir leben. Und es war interessant zu sehen, dass es auch unter den Kenianern so etwas wie Rassismus gab! Ich unterhielt mich eine Weile mit Christmas und dann kam Emanuel dazu. Da es schon wieder zu nieseln begann, verabredeten wir uns für später in einer Bar am Strand und verabschiedeten uns.
Der Himmel öffnete seine Schleusen und Mutti und ich flitzten in unser Zimmer. Da blieben wir dann für einige Stunden und waren ein wenig angepisst von dem Wetter. Am Nachmittag wurde es dann etwas besser, wir gingen zu unserer Verabredung in die Strandbar und unterhielten uns eine Weile über das Kuhhüten, Rollenverteilung von Mann und Frau und andere für uns merkwürdige Verhaltensweisen der Massai. Auch wenn ich inzwischen einiges erfahren und ja auch vor Ort einen Eindruck von ihrem Leben bekommen hatte, war das alles immer noch unvorstellbar für mich...
Bevor es wieder anfing zu schütten, machten wir uns auf den Rückweg. Pünktlich zum Wolkenbruch erreichten wir unser Zimmer und das war es dann auch für diesen Tag. Wir kämpften uns am Abend noch zum Restaurant, nahmen uns ein paar Getränke mit ins Zimmer und verbrachten den Abend mit unseren Büchern im Bett und auf dem Balkon. Minzdrops kam leider nicht mehr vorbei :-(.
Tag 12 – Auf Delfinsuche
Der vorletzte Tag war wieder ein Carolatag, wir machten einen Ausflug. Lange hatte ich auf Mutti einreden müssen, damit sie überhaupt bereit war, mitzukommen. Seit sie vor Jahren in der Dominikanischen Republik mal seekrank geworden war (und damals hatten wir einen Seegang, dass es beinahe alle von Bord geschwemmt hätte), boykottiert sie jegliche Art von Bootsfahrt auf dem offenen Meer. Aber da auch Kurt ihr gut zugeredet hatte, saßen wir nun zu zweit in dem kleinen Bus, sammelten noch 5 weitere Urlauber ein und ab ging´s in Richtung Tansania. Das junge Pärchen, das zeitgleich mit uns eine Safari bei Kurt gemacht hatte, war auch dabei und erzählte, was sie so alles erlebt hatten. Kurt hatte wohl ein klein wenig übertrieben, das Nashorn, welches sie gesehen haben sollten, entpuppte sich als ein „irgendetwas hinter dem Busch geraschelt“. Sehr schön, ich dachte schon, wir wären hier die einzigen Pfeifen, die aus den Big 5 mal eben die Big 4 gemacht hätten!
Nach ca. 1,5 Stunden Fahrt, die immer mal wieder von einigen Regentropfen begleitet wurden (hervorragend, das richtige Wetter für einen Bootsausflug), kamen wir an einem kleinen Hafen an. Kaum aus dem Bus gestiegen, wollte man uns alle möglichen Dinge andrehen und Kinder, die Bonbons haben wollten, belagerten uns. Wir hatten keine Bonbons. Aber auch darauf waren die Herrschaften vor Ort eingestellt – man bot uns tütenweise Süßes an, das sollten wir kaufen, damit wir es den Kindern schenken können. Nee, ist schon klar.
Wir warteten auf dem Steg, von dem wir mit kleinen Booten zu unserem Schiff gebracht wurden. Schnell suchten wir uns einen Platz unter dem kleinen Dach, dieses musste heute wohl eher als Regen- statt als Sonnenschutz herhalten. Naja... Ich war schon neugierig, was die Unterwasserwelt hier so zu bieten hatte, die Ankündigungen ließen viel erhoffen – auch wenn ich bei dem Vergleich mit dem Great Barrier Reef von Anfang an mehr als skeptisch war.
Mutti weigerte sich die Schnorchelmaske aufzusetzen. Ich war ja schon froh, dass sie überhaupt auf dem Schiff war, und erklärte dem Kenianer daher, er solle sie einfach in Ruhe lassen. Wir kamen am ersten Schnorchelplatz an, ohne dass es anfing zu regnen. Mutti las und ich hüpfte mit ins Wasser. Meine Flossen waren dermaßen klein, dass ich schon nach ein paar Minuten nur noch den Schmerz in meinen Füßen spürte – aber auf die schöne Unterwasserwelt brauchte ich mich auch gar nicht so sehr konzentrieren, die konnte ich da nicht wirklich entdecken. Es war schon ok aber ich brach jetzt nicht in Entzückungsschreie aus – was nicht nur an der Tatsache lag, dass ich mich unter Wasser befand! Wir schwammen ca. 45 min. in der Gegend herum und ich machte meine Fotos – natürlich machte ich Fotos :-).
Wieder an Bord, bekamen wir ein wenig Melone und etwas zu trinken. Mutti hatte sich mit ihrem Buch amüsiert und doch tatsächlich ein paar Minuten Sonne tanken können. Ich starrte nur auf den Horizont. Statt Mutti wurde mir so langsam ein wenig mulmig – was ich natürlich NIEMALS zugegeben hätte! Und ich suchte die Delfine. Was war denn nun mit der 95%igen Chance, sie zu sehen? Ich wollte nun wirklich nicht zu den lächerlichen 5 Restprozent zählen! Nicht nur mir ging das so, mit jeder weiteren Minute konnte man beobachten, wie die Blicke der Anwesenden konzentrierter auf die Wasseroberfläche starrten.
Dann kam der zweite Schnorchelgang. Der war noch unspektakulärer als der erste. Für mich jedoch wesentlich anstrengender. Ich hatte meine Flossen an Bord gelassen und strampelte mir jetzt einen ab um den Anschluss an die Gruppe nicht zu verlieren. Es kamen immer mehr Boote und ich machte mir so langsam Sorgen, ich würde meines nicht mehr finden, wenn ich meine Gruppe verlor. Da hechelte ich mir also einen ab, als einzige ohne Flossen. Junge Junge, ich war ehrlich gesagt ganz schön groggy, als ich dann nach der guten halben Stunde zurück auf das Boot kletterte!
Diesen zweiten Schnocheltrip hätten wir uns echt sparen können. Das Meer war inzwischen so aufgewühlt, dass nicht mehr wirklich viel zu sehen war. Und so langsam wurde ich auch ungeduldig, was die Delfine anging. Wir fuhren weiter und dann ging alles plötzlich ganz schnell. Innerhalb einiger Sekunden war unser Boot von Delfinen umringt und ich machte unzählige Bilder. Bis heute ärgere ich mich, weshalb ich nicht einfach mal gefragt habe, ob wir noch mal mit ins Wasser können – schließlich war das Baden mit Delfinen einer der Punke, mit denen der Anbieter warb. Egal, so konnte ich meine Fotos machen und der Tag war gerettet.
Auf dem Rückweg zum Hafen hielten wir an einer Insel, wo wir in einem kleinen Restaurant unser Mittagessen bekamen. Da gerade Ebbe war, mussten wir in einer Höhle aus den kleinen Booten krabbeln und über eine steile Treppe durch die Höhle hindurch nach oben kraxeln. Es gab alle möglichen nur schwer definierbaren Dinge zu essen, die Hauptattraktion waren aber wohl die einheimischen Frauen, die von Tisch zu Tisch gingen, um beim Knacken der Gambas zu helfen. Ich aß die zwar nicht aber das offensichtlich planlose Draufrumgehaue fand ich spannend und bot mich prompt für die zweite Runde als Hilfe an :-). Voll gefuttert kletterte ich wieder in die von Krebsen übersähte Höhle und widmete mich meiner Lieblingsbeschäftigung...
Irgendwann kamen die Anderen und wir wurden zu unserem Boot zurückgeschippert. Am Hafen kämpften wir uns wieder durch die Bonbonverkäufer und stiegen in den Bus. Am Hotel kamen wir relativ zeitig an, sodass wir uns noch eine Weile an den Pool setzten und einen Kaffee tranken. Ich klaute noch ´ne Banane, schließlich hoffte ich immer noch auf einen weiteren Versuch von Minzdrops. Das Wetter in Diani war den ganzen Tag schlecht gewesen, es fing auch bald wieder an zu regnen und so gingen wir ins Zimmer und ich dann weiter ins Internetcafé.
An diesem Abend passierte nichts spektakuläres mehr, wir aßen, tranken was und gingen früh nach oben. Minzdrops kam natürlich nicht vorbei, dafür aber ein ganz kleines affenähnliches Etwas, ein Buschbaby, das sich meiner Banane annahm. Naja, besser als gar nichts.
Tag 13 – Ein letzter Tag am Strand – und in der Stadt
Der erste Blick am Morgen ging Richtung Himmel. Wir hatten Glück, es regnete nicht mehr und somit brachten wir unsere Sachen schnell zum Strand und gingen dann frühstücken. Anschließend hieß es: Auf die Liegen, fertig, los! Mutti lag das mehr als mir. Kaum lag ich, wurde mir auch schon wieder langweilig... Ich versuchte mich ein wenig mit meinem Buch zu beschäftigen... vergebens. Also stand ich wieder auf, latschte zum Wasser runter – ganz unschlaue Idee – und ging genervt von den Beachboys zum Pool. Nach einer Piñar Colada (an das Zeug kann mich sich echt gewöhnen) ging ich zurück zu Mutti und überredete sie, mit mir an die Bar im Pool zu gehen. Dort folgte dann Piñar Colada Nummer 2 :-). Da ich mir allerdings Sorgen machte, nach noch einem Gläschen nicht mehr aus dem Pool zu kommen, blieb es bei den zwei.
Wir vertrottelten die Zeit bis zum Mittag – für mich eine richtige Herausforderung. Nachdem wir uns dann mit Spagetti vollgestopft hatten, zogen wir uns an und gingen zur Straße vor. Wir waren mit Emanuel verabredet, der mit uns in die Stadt fahren wollte, wo wir Zigaretten und einige Andenken kaufen wollten. Ein Wunder, dass wir ihn überhaupt erkannten, schließlich hatten wir ihn vorher noch nie in normalen Klamotten gesehen...
Der Supermarkt einige hundert Meter weiter war unser erstes Ziel. Um zwei Stangen Zigaretten reicher fuhren wir mit einer Art Sammeltaxi in die Stadt. Andenken oder so waren hier allerdings nicht wirklich aufzutreiben. Kunststück, da gab es auch keine Touris, wieso sollte also jemand Andenken oder Kenia-Shirts und so was verkaufen??? Auf die Idee hätte man ja auch vorher kommen können. Wir steiften also ein wenig durch die engen Gassen, wurden blöd angegafft, tranken etwas und stiegen dann wieder in ein Sammeltaxi um zum Hotel zurück zu fahren. Offensichtlich war das da sowas wie ein Sammelpunkt, das Autochen fuhr noch nicht gleich los sondern wartete. Für Unterhaltung war allerdings gesorgt, der Besitzer hatte einen Laptop wie einen Fernseher an die Decke geschraubt, das Teil an die Boxen angeschlossen und so wurden wir jetzt mit Musikvideos und lauter Musik zugedröhnt. Willkommen in der 3.Welt... Ich konnte das gar nicht glauben!
Kurz darauf waren wir zurück, ich holte meinen Laptop und erklärte Emanuel die wichtigsten Dinge eines PCs. Er war in der Stadt wohl in einem Internetcafé gewesen und kam so gar nicht klar mit dem Gerät, welches da vor ihm gestanden hatte. Wie auch, in seinem Dorf 2 Tage Busfahrt von Mombasa entfernt in seiner Kuhkackehütte gab es wahrscheinlich nicht so viele PCs... Aber auch das kann man wohl nicht mit Sicherheit sagen, schließlich haben die da modernere Handys als meins (okay, das ist nicht wirklich schwer), der ein oder andere versteckt da vielleicht auch heimlich ein Notebook unterm Bett und amüsiert sich über die doofen Touris, die ihnen die Armutsnummer abkaufen... wer weiß, wer weiß... aber doch eher unwahrscheinlich.
Emanuel hatte definitiv noch keinen Laptop vor sich gehabt. Bereits das Hochfahren des Gerätes war für ihn hoch spannend, dass dann da auch noch Buchstaben auf dem Monitor erschienen, wenn er auf die Tasten drückte, das kam einer Sensation gleich! Für mich war das wie Kino. Ich grinste mir eins, ließ ihn ´ne Weile auf dem PC schreiben und brachte das Teil dann wieder in mein Zimmer und ging zu Mutti an den Strand, schließlich wollten wir ja noch ´ne Runde Sonne tanken! Und das taten wir. Mal ohne Regen. Aufgrund der ganzen Hockerei im Safaribus und Dank der anschließenden Regentage (was war denn aus der Dürre geworden, unter der Kenia seit Monaten litt?) würde uns eh kaum einer glauben, dass wir zwei Wochen in Afrika verbracht hatten, damit hatten wir uns schon abgefunden.
Am Abend genossen wir noch einmal das Buffet und packten dann unsere Koffer. Nach einem Abschlussdrink am Pool gingen wir recht früh schlafen, der Abholtermin für den nächsten Morgen war leider schon vor dem Aufstehen.
Tag 14 – Ein langer Heimweg
Wir quälten uns also in aller Frühe aus dem Bett und schleppten unsere Koffer runter. Nach einem Kaffee und einem Toast warteten wir an der Rezeption auf unseren Bus, der entgegen aller Erwartungen 15 Minuten zu früh kam. Die Fahrt zum Flughafen versuchte ich mich irgendwie noch wach zu halten und beobachtete das Tummeln in den Straßen, natürlich nicht ohne den Fotoapparat in der Hand. Am Flughafen mussten wir uns in eine endlos lange Schlange einreihen, das machte aber gar nichts, dafür hatte der Flieger einige Stunden Verspätung. Tolle Wurst! Lange Schlangen lassen sich auch einfach umgehen... man muss einfach nur an allen Wartenden vorbeigehen und durch die Tür laufen, so machte es eine deutsche Familie vor. Auch das erboste Gemurmel aller Wartenden schien sie nicht sonderlich zu beeindrucken. Viel gebracht schien es ihnen aber nicht zu haben, denn am Schalter gab es Runde zwei. Da wollte sich der Typ wieder an mir vorbeidrängeln. Ich hab ihm mal kurz meine Meinung gegeigt, seinen Wagen samt Koffer wieder nach hinten befördert und das war´s dann. Sie waren dann zur selben Zeit am Schalten neben uns und wenn ich an diese Situation zurückdenke, packt mich immer wieder die Schadenfreude. Während ich meine 20 Tonnen Handgepäck heimlich um mich herum aufgebaut hatte und nur meinen Rucksack zum Wiegen hoch gab, sah das am Nebenschalter schon anders aus. Ich lächelte den Herren hinter der Theke nett an und er tat einfach so, als würde er den Fotokoffer und den Laptop gar nicht sehen – selbst nachdem Mutti mir den Schleppi in die Hand drücken wollte!!!! Nebenan sollten stattdessen 170 Euro für Übergepäck berappt werden, hihi.
Äußerst gut gelaunt gingen Mutti und ich in den Wartebereich und kauften uns einen Kaffee. Nach einer Weile kam das Pärchen, das mit uns in den Shimba Hills gewesen war und eine weitere Stunde später kamen dann auch endlich Frank und Uwe, Olaf flog ja von Nairobi aus. Als wir dann endlich in den Flieger durften, war ich todmüde und versuchte irgendwie zu schlafen.
Kurz vor der Landung in Frankfurt hieß es dann, wir würden unseren Anschlussflug nicht mehr bekommen, das führte zu sehr unentspannten Reaktionen und ich fürchtete schon, dass es zu einem Handgemenge kommen würde. Da es sich aber auch wirklich nur um einige Minuten handelte, die der Anschlussflieger hätte warten müssen, fiel es auch mir schwer, das nachvollziehen zu können! Irgendwann wurde das dann doch revidiert und wir wurden direkt beim Aussteigen abgeholt und zu dem Anschlussflieger geführt. Und dort mussten wir dann noch eine Weile warten! Unglaublich... Familie „wir können niemals warten und drängeln aus Prinzip“ schafften es dann doch wieder, sich vor mich zu drängeln als es los ging. Ganz Schlechte Idee.... Mir platzte der Kragen. Wie kann sich so viel Unverschämtheit in einer Person (es war immer die Mutter) befinden? Ich hatte also Gelegenheit, den Frust der vergangenen Stunden abzubauen und tat dies auch.
Irgendwann kamen wir dann total gerädert in Berlin an, wurden von Holger abgeholt und fuhren nach Hause... Viel außer ins Bett zu gehen haben sowohl Mutti als auch ich an diesem Abend nicht mehr gemacht...