Mallorca 14.08.-21.08.2009

Tag 1 – Durch den Wind

Um halb 6 klingelte der Wecker und wir machten uns schnell fertig. Kurz darauf bimmelte auch schon das Telefon und Mutti und Mucki teilten uns mit, dass sie sich jetzt auf den Weg machen. Wir nahmen also unsere Koffer und gingen runter. Dank der guten Verbindung über die Autobahn waren wir 10 Minuten später schon am Bahnhof Südkreuz – viel zu früh. Nicht aber für meine drei Begleiter, schließlich konnte so noch in aller Ruhe eine geraucht werden! Ich suchte derweil einen Bäcker und kaufte dann mit Holger noch Brötchen und ´nen Kaffee für die Fahrt. Holger hatte die Ruhe weg und ich verfiel schon ein wenig in Eile, so langsam sollten wir uns doch mal auf die Suche nach dem richtigen Gleis machen. Andere würden wohl sagen, ich machte schon wieder Hektik...

Das, also das Gleis, fanden wir dann auch noch rechtzeitig, zufällig standen wir auch noch genau dort, wo der Wagen 9 hielt – und dort sollten die von uns reservierten Plätze 64 und 66 sein. Aber irgendwie waren da Zahlen über 100. Ich lief also erstmal in die andere Richtung und fing schon an mir an zu zweifeln, ich fand zwar die 63 und die 65, nicht aber unsere Plätze. Mit Logik kam ich da nicht weiter – auch nicht mit meiner Brille! Holgers Gesichtsausdruck war recht eindeutig, als ich ihm von meinem Misserfolg berichtete. Offensichtlich fragte er sich, wie man so dämlich sein kann und schon vor dem Nebenplatz stehen ohne den eigenen zu finden.. Er ging nun selbst in dem Nachbarwagen und kam kopfschüttelnd zurück. Auch er hatte alle möglichen außer unserer Plätze entdeckt und voller Vertrauen, sie würden sich im 9. Wagen befinden, wenn das auf unseren Tickets steht, liefen wir den Gang entlang. Das hätten wir mal gleich tun sollen!

Mit etwas Verzögerung setzten wir uns also auf unsere Plätze, ich packte den Schleppi aus und Holger begann zu lesen. Plötzlich fiel mir ein, dass ich mich gar nicht daran erinnern konnte, das Wechselgeld vom Bäcker eingesteckt zu haben... Ich fand es auch nirgends und rief schnell bei Mutti an. Mucki war sich ganz sicher, dass ich es genommen hatte, das beruhigte mich nur bedingt. Wieso konnte ich mich gar nicht daran erinnern – und vor allem: wo zum Henker sollte ich es hingetan haben? Kurz darauf klingelte mein Telefon und Mutti erklärte, sie hätte jetzt das Geld, sie sind noch mal zurück gegangen und ich habe es wirklich liegen gelassen. Supi, das wären dann 40 Euro als Spende für den Verkäufer gewesen – da wird er sich nicht gefreut haben, dass meine Herrschaften noch mal aufgekreuzt sind! Mucki hielt an seiner Meinung fest, ich hätte das Geld genommen, ich muss es einfach wieder hingelegt haben – nee, ist schon klar, mach ich immer so :-) Quasi um den Verkäufer zu foppen.

Nach gut einer Stunde schaute ich noch mal auf unsere Tickets und erklärte Holger, dass wir noch über eine Viertelstunde haben und tippte fleißig weiter. Kurz darauf schaute Holger glücklicherweise aus dem Fenster und erklärte, ich solle doch mal meine Sachen packen, da wir schon in Halle sind. Was hatte ich denn nun schon wieder falsch gelesen??? Hektisch stopfte ich meinen Laptop in die Tasche, packte meinen Kram zusammen und war genau bei der Einfahrt in den Bahnhof bereit zum Aussteigen. Schnell fanden wir den Zug zum Flughafen und stiegen ein. Ohne, dass ich mich mal wieder geirrt hatte. Nicht aber ohne den ein oder anderen Spruch von Holger einstecken zu müssen. Zumindest an diesem Tag zweifelte er doch ein wenig an meiner Zuverlässigkeit... So ganz verübeln konnte ich ihm das ja auch nicht...

Der Rest der Anreise verlief jedoch unspektakulär. Wir mussten weder anstehen, noch hatte der Flieger Verspätung und so landeten wir pünktlich in Palma de Mallorca. Die ersten 45 Minuten verbrachten wir auf dem Parkplatz. Ich setzte mich erstmal gezielt auf den Rest eines Kaugummis, der mich dann auch im Bus förmlich an meinen Sitz fesselte (geht so was eigentlich auch als Ersatz für den Anschnallgurt durch? Sieht ja schon cooler aus, wenn da kein Gurt ist und man trotzdem gesichert ist.) Jedenfalls waren wir 2 Stunden nach der Landung endlich in unserem Hotel. Holger war etwas enttäuscht, unter einem 4,5 Sterne Hotel hatte er sich etwas anderes vorgestellt – ich auch. Aber was soll´s, es war jetzt auch nicht wirklich schlimm, nur eben überschaubar... (Was ja wiederum bei Holgers Orientierungssinn auch ein Vorteil sein kann, grins.)

Wir nahmen unsere Badesachen und machten uns auf den Weg zum Strand und auf Mietwagensuche. Die erste Autovermietung brachte Erleichterung und einen Schock zugleich. Entgegen aller Hiobsbotschaften gab es noch freie Mietwagen, allerdings kostete hier die billigste Kategorie – ein Smart – 270 Euro für 6 Tage. Das war uns doch etwas zu happig und so gingen wir weiter zum Strand und landeten ganz am Ende einer großen überfüllten Bucht. Das Wasser war nicht so der Brüller, vorne mussten wir durch Tang und dahinter schwamm Müll - unnötig zu erwähnen, dass meine eh schon angefressene zweite Hälfte mega unentspannt war. Wir liefen dann am Strand entlang und stellten fest, dass wir uns auch die denkbar ungünstigste Ecke zum Baden ausgesucht haben. An anderen Stellen konnte man durchaus ins Wasser gehen, ohne daraus eine Bewerbung für die Stadtreinigung machen zu können.

Anschließend machten wir uns auf aktive Mietwagensuche und wurden prompt desillusioniert. Kurz gesagt, alle Vermietungen, die noch Autos hatten, waren teurer als unser erstes Angebot, zu dem wir nach gefühlten 8 Stunden herumlatschen zurück kehrten. Wir reservierten den Smart für 5 Tage, für den letzten Urlaubstag hatten wir uns bereits für einen 4-Stunden Bootstrip entschieden.

Zurück im Hotel gingen wir gleich in den Speisesaal. Das Angebot war groß und ich war begeistert – Holger nicht wirklich. Das liegt aber wohl eher an der sehr geringen Palette, die ihn zur Begeisterung gebracht hätte. Satt wurde er trotzdem und so setzten wir uns anschließend an den Pool und freuten uns auf einen Cocktail. Diese Freude verging uns jedoch ganz schnell, eigentlich befand sich da in unseren Gläsern nur irgendein wässriger Zuckersaft, meiner blau, Holgers orange, und ganz unten ließ sich ein Hauch irgendeines alkoholischen Zusatzes erahnen. Daraufhin stiegen wir auf Whiskey-Cola um. Diese nahmen wir dann mit aufs Zimmer.

Nach dem Duschen fielen wir bald ziemlich groggy ins Bett.

 

Tag 2 – Buchten-Hopping

Der Tag begann recht früh. Das Frühstück –Holgers Aussagen nach das Aushängeschild eines Hotels – kam auch durch seine strenge Prüfung und so machten wir uns gut gelaunt auf den Weg, unseren Smart abzuholen. Kurz darauf saßen wir in dem silbernen Minigeschoss und wollten los. Da war es schon, Problem eins, welches sogleich drohte, eine mittelschwere Beziehungskrise zu verursachen. Wir blickten beide nicht durch, was das für ein Automatik-Prinzip sein sollte. Ich vertrat die Ansicht, wir sollten noch einmal nachfragen, Holger vertraute vielmehr darauf, es würde sich schon alles von alleine während der Fahrt aufklären. Er saß am Steuer, somit hatte er Entscheidungsgewalt. Wir fuhren also im ersten Gang bis zu unserem Hotel. Dort bekamen wir auch den Kofferraum nicht auf – Problem Nummer 2. Es herrschte eine äußerst angespannte Atmosphäre... Und wir fuhren zurück zur Autovermietung. Nur dass dort niemand mehr war. Holger saß im Auto, ich stand davor – die beste Lösung in dieser Situation um keine Verletzten beklagen zu müssen :-).

Der Vermieter kam einige Minuten später zurück und weihte uns in die Geheimnisse dieses fahrbaren Einkaufkorbs ein. Es war sowohl Automatik als auch Schaltwagen, je nachdem wie man es eben wollte. Wir wollten Automatik. Nachdem wir auch noch den urigen Kofferraum öffnen konnten, fuhren wir wieder los und luden unsere Utensilien für unsere Buchtentour ein. Die Luftmatratzen waren zum Glück noch nicht aufgepustet. Wer sich einen Smart schon mal genauer angesehen hat, wird sich hier schon fragen, wie das auch anders funktionieren soll – riiiiiiiichtig – wir verdrängten diesen Gedanken erfolgreich und übten uns in Optimismus.

Unser erster Halt war in Porto Christo, wo wir ein wenig in der Bucht herum liefen und dann weiter an der Küste entlang fuhren. Unser nächster Stopp war eine kleine Bucht, die auf den ersten Blick wie ein Geheimtipp aussah, es führte eine kleine Straße zu ihr und wir waren uns sicher, einen Geheimtipp gefunden zu haben – wir und 300 andere! Egal, das Wasser war klar, es gab ein paar vereinzelte Steine am Grund und so packten wir die Schnorchelsachen aus. So viel zu sehen gab es jedoch nicht und so blieben wir auch nicht sehr lange.

Die nächste Bucht war dann nur über eine kleine endlose Sandpiste zu erreichen. Hier waren wir uns wirklich sicher, dass man an dieser Bucht sicher ungestört baden kann. Als wir allerdings am Ende der Straße ankamen, standen dort unzählige Autos, weiß der Geier wo die alle herkamen – und wie die vor allem alle dahin kamen, ohne dass wir auch nur eine Ahnung von dem regen Verkehr dort bekommen haben! Unsere kleine Sardinendose passte in eine Parklücke und so konnten wir uns wenigstens den teuren Parkplatz sparen. Die Bucht war sehr klein, sehr voll und offensichtlich ein bekannter Schnorchelstopp für Bootsausflüge, es ankerten dort nämlich auch etliche Boote. Wir hatten die Schnorchelsachen nicht dabei (auch hier bewiesen wir ein Gefühl dafür, wie man am besten alles mitnimmt wo man es nicht braucht und es im Auto lässt, wenn man es braucht) und gingen also einfach nur so schwimmen.

Dann gab es erstmal keine Bucht mehr, wir steuerten den Botanicactus an, eine Art botanischer Garten, indem vor allem oder besser gesagt auch Riesenkakteen oder so stehen. Der hatte nur leider schon zu. Einer von uns beiden freute sich darüber, der andere nicht. Wir fuhren also weiter in Richtung des Salzwerkes, die Salzberge wollte ich mir gerne anschauen und laut Reiseführer war dort auch ein schöner Strand, das bot ich Holger als Entschädigung – sozusagen. Beides war ein voller Reinfall. Die tollen Salzberge, die ich irgendwo auf einem Bild gesehen hatte, bestanden aus zwei kleinen Hügelchen und der Strand hätte so viel Parkgebühr gekostet, dass Holger dankend verzichtete. Die Straße dorthin war so klein und stark frequentiert, dass uns das ganze trotzdem einiges an Zeit kostete.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Badestopp in einer kleinen Bucht, die auf den ersten Blick sehr schön wirkte. Mich faszinierte aber erstmal eine Libelle, die auf einem Strauch hockte. Erst als diese einen Abflug machte – bevor ich ein anständiges Makro machen konnte – ging auch ich mit meinem Schnorchelzeug ins Wasser. Das hätten wir uns eigentlich auch sparen können, es gab nicht wirklich viel zu sehen. Wir blieben also nicht lange, sondern fuhren bald weiter zu den Drachenhöhlen bei Porto Christo um uns die Öffnungszeiten anzuschauen. Für den nächsten Vormittag hatte sich Holger bereit erklärt, mit mir dorthin zu fahren. Der Rest des Tages wollten wir dann am Pool verbringen. Die Höhlen waren bereits geschlossen und so konnten wir bis vor die Tür fahren und stellten fest, dass es zu jeder vollen Stunde eine Führung gab. Das konnte man sich ja leicht merken.

Pünktlich zum Abendessen waren wir am Hotel zurück. Frisch geduscht gingen wir essen und setzten uns anschließend noch an den Pool und tranken einen Rum-Cola. Die Cocktails hatten wir ja am Vorabend schon probiert und angewidert stehenlassen. Leicht angedudelt fielen wir dann ziemlich groggy ins Bett.

 

3. Tag - No Flash, no tripple – mir doch egal!

An diesem Morgen trödelten wir etwas mehr als geplant und so waren wir nicht wie geplant um 10 Uhr bei den Höhlen sondern gegen halb 11. Dafür sah der Eingang auch ganz anders aus, als am Vorabend. Wir waren etwas verdutzt aber ich hatte ja während der Fahrt schon festgestellt, dass die Beschilderung uns plötzlich einen anderen Weg auswies. Irgendwie kam mir alles fremd vor – obwohl ich ja schon einmal in den Drachenhöhlen gewesen bin. Auch dass das Ticket plötzlich 16 statt 10,50 Euro kostete verdutzte uns. Ohne uns weitere Gedanken zu machen, redeten wir uns ein, es gäbe sicher zwei Eingänge blablabla... Klar, gibt es ja immer, zwei Eingänge zu Kinos, zu Restaurants und auch zu den Höhlen... ist ja rein organisatorisch auch viel leichter... Wieso wir das nicht gleich merkwürdig fanden weiß ich jetzt auch nicht mehr aber im Nachhinein war das auch gut so! Ich durfte ohne Blitz fotografieren und so war die Welt für mich in Ordnung.

Wir wurden als erstes in ein kleines Höhlenkino geführt wo wir einen Film über Jules Vernes sahen – ganz toll. Dann ging es weiter in das nächste überdimensionale Kino, bei dem die Höhlenwand die Leinwand war. Das war ganz nett, riss uns aber nicht wirklich von den Socken. Anschließend wurden wir wieder hinaus geführt wo wir kurz darauf in die eigentliche Tropfsteinhöhle durften. Deswegen hatten wir also mehr bezahlt, um uns diesen uninteressanten Kram anzusehen. Hervorragend. Ich wurde noch darauf aufmerksam gemacht, dass das Benutzen eines Dreibeinstativs verboten sei – klaaaar, halt ich mich natürlich dran.

Als letzte der Gruppe trottelte ich den anderen hinterher und machte meine Bilder. Unnötig zu sagen, dass die Welt für mich in Ordnung war, grins. Um kurz vor 12 Uhr waren wir im Hotel zurück und den Rest des Tages verbrachten wir am Pool. Holger mit seinem Buch, welches er überhaupt nicht mehr aus der Hand legen wollte und ich pendelte immer zischen Bar, Pool und Liege.

Nach dem Abendbrot hockten wir noch ein wenig am Pool, dann auf dem Balkon und schließlich gingen wir nicht so spät ins Bett, da wir am Montag eine Inseltour vorhatten.

 

4. Tag - Rolatag :-)

Der Wecker klingelte um 7 Uhr, das war uns dann aber doch zu früh und wir verlängerte auf halb 8. Schließlich wollten wir 10 vor 8 Uhr in den Speiseraum – nur dass dieser leider noch nicht ganz bereit für unseren Ansturm war. Frühstück erst ab 8 Uhr! Gut, dass wir uns nicht um 7 Uhr aus dem Bett gequält hatten. Nun liefen wir also noch ein wenig am Pool rum, ich machte Fotos und dann konnten wir auch schon frühstücken gehen.

Dann packten wir das Auto voll – so viel passt ja nicht rein – und fuhren los in Richtung Kap Formentor. Erst ging es ins Landesinnere, um dann bei Alcudia wieder an die Küste zu fahren und zum Kap weiter zu fahren. Bei dem Aussichtspunkt De la Creueta stiefelten wir alles ab und bei Holger setzte nach einigen Minuten seine altbekannte schlechte Laune aufgrund von schwitzen ein. Ich beeilte mich also mit dem Fotografieren und diskutierte erstmal nicht weiter mit ihm ob wir auch zu den kleinen Leuchtturm auf dem Berg fahren wollen. Er wollte eh nicht. Ich war etwas verwirrt, da ich bisher nur bis zu diesem Aussichtpunkt gefahren war und mir eingebildet hatte, bereits am Kap Formentor zu sein, das war ich aber anscheinend nicht und so fuhren wir weiter. Die Straße zog sich endlos weit hin, vorbei an einem Parkplatz zu einem Strand (natürlich alles gegen Gebühr) und immer enger werdend.

Irgendwann waren wir am Ende angelangt und quetschten uns durch die sehr enge – und total überfüllte – kleine Straße und hofften auf einen Parkplatz. Wir hatten Glück, stiegen aus und stellten fest, dass wir uns den Weg hätten sparen können. Die Aussicht war jetzt nicht wirklich anders als die vom Aussichtspunkt. Holger hatte auch keine Lust, an der Bucht zu halten, wir wollten einfach eine andere Bucht nehmen.

Es dauerte nicht sehr lange, bis wir realisierten, dass es wohl so schnell keine andere Bucht geben würde. Wir landeten mitten in den Bergen und außer Serpentinen war da nichts... Ich vertröstete Holger auf Sa Calobra bzw. den Torrent de Parais, wo man auch baden gehen kann. An der Abzweigung zu der sehr abenteuerlustigen Fahrt in die Schlucht tranken wir noch einen Kaffee. Holger wollte eigentlich nicht fahren, meine Frage ob er dann nicht ein paar Bilder aus dem Fenster heraus machen kann, bewirkte jedoch eine jähe Umentscheidung. Er hatte wohl keine Lust auf mein langes Gesicht, wenn ich über seine Bilder meckere...

Er fuhr also und genoss es sichtlich (auch wenn er das natürlich NICHT zugeben wird). Die Euphorie ließ jedoch nach, als uns die ersten Busse entgegen kamen und es wirklich SEHR eng wurde auf der Straße. Nach vier Bussen hatten wir es überstanden, die Hauptreisezeit war vorbei und somit wohl schon alle Busse wieder aus der Schlucht verschwunden. Ach ca. 20 min. kamen wir unten an und parkten. Holger hatte nun wieder riesige Erwartungen, was die Schlucht betraf und ich versuchte diesen ein wenig entgegen zu wirken. Ständig verglich er irgendetwas mit Rhodos und mir fiel auf, dass er während der Urlaubs auf Rhodos nicht sooo begeistert war. Anscheinend wird ihm immer erst im Nachhinein bewusst, dass es ihm irgendwo gefällt. Ich erklärte ihm also, ich würde ihn erst nächstes Jahr fragen, was er denn nun von Mallorca hält. Darüber konnte er nur lächeln....

Der Anblick des glasklaren Wassers schien ihm zu gefallen, der Durchgang durch die Höhle brachte ein wenig Abkühlung, die Schlucht an sich war aber total überlaufen. Auch für mich war es recht bescheiden, da die Sonne so blendete, dass ich keine anständigen Bilder machen konnte. Wir gingen also wieder zurück durch die Höhle zu der Bucht gleich am Beginn vom Torrent de Pareis. Das Schnorcheln war dort ganz ok, auch wenn es nicht wirklich spektakulär war. Nach einer Weile packten wir unsere Sachen wieder zusammen und gingen zum Auto.

Es war schon später Nachmittag und so fuhren wir dann nicht noch weiter bis nach Soller, sondern quer über die Insel zurück nach Cala Millor. Im Hotel ließen wir die Frau an der Rezeption bei der Pferderanch anrufen und erfuhren, dass wir am nächsten Tag um 10 Uhr dort sein sollten, um am Ausritt teilnehmen zu können. Dort hüpften wir noch einmal in den Pool und gingen dann auf´s Zimmer. Der Rest des Tages verlief eigentlich wie immer: Essen, etwas am Pool trinken, Zimmer, lesen, schlafen....

 

5. Tag - Bruchlandung auf dem Strand

An diesem Tag war außer reiten nichts geplant. Nach dem Frühstück fuhren wir zur Ranch nach Cala Millor. Wenn man nicht wirklich weiß, wo die Ranch liegt, kann sich das allerdings als kleine Herausforderung entpuppen. Wenn die Zeit dann auch noch knapp wird, kann aus einer kleinen auch schnell eine große Herausforderung werden – und eine äußerst negative Auswirkung auf die Harmonie haben!

Wir fuhren also mehr oder weniger planlos die Straße auf und ab, in der wir die Ranch vermuteten. Aber auch das mehrmalige Abfahren brachte nichts, es waren keine Pferde in Sicht. Wir bogen also in eine Querstraße ab und kamen dann über Umwege doch noch an der sogenannten Ranch an. Eigentlich war es nur ein Dach, unter denen die Pferde standen. Und es waren gerade einmal zwei andere Touris dort, super. Und dafür der Anschlag auf die Harmonie innerhalb der Beziehung...

Kurz darauf kam dann auch der Aushilfs-Cowboy. Er fragte mich ob ich reiten kann und anschließend durfte ich mir mein Pferd selbst von der Weide holen. Das fing ja gut an, ich fragte mich, ob ich die 20 Öre dann auch anteilsmäßig an mich zahlen würde...

Ich holte also ein Hottehü, freundete mich mit ihm an und trat es dann an Holger ab. Hervorragend, das lief ja super für mich. Ich bekam dafür einen energievollen Hüpfer, der sich prompt mit einem anderen Pferd in die Haare bekam.

Nach fast einer Dreiviertelstunde ritten wir endlich los (wozu, büddeschön, hatten wir uns so beeilt???). Es ging ein Stück die Straße entlang und dann in das Naturschutzgebiet an der Küste. Wir ritten die Sandwege entlang und trabten hin und wieder. Holger nicht. Vielmehr Holgers Hottehü nicht. Er hatte zwar ein par Reitstunden im Vorfeld zu unserer Reise in die Karibik genommen, machte nun aber die Erfahrung, dass nicht alle Pferde so problemlos auf Kommandos reagieren, wie das sein Übungspferd getan hatte.

Aus der Galoppstrecke wurde so für Holger eine Trabstrecke, mit dem Ergebnis, dass er zur Pause recht durchgerüttelt an der kleinen Ruine auf dem Hügel ankam. Wir tranken etwas und tauschten dann für den Rückweg die Pferde. Das hätten wir vielleicht lassen sollen.

Holger saß nun also auf dem quirligen Jungspund und ich auf dem Faultier, welches gar keines war. Kurz vor dem Strand hüpfte der Jungspund ein wenig, woraufhin meine Kamera von Holgers Hand auf den Boden wanderte. Ein Mädel stieg ab und gab mir meine – zum Glück stoßsichere – Kamera zurück. Wir ritten weiter zum Strand. Da wir durch die Kamera-Aktion etwas zurück lagen, konnten wir ein Stück am Strand entlang galoppieren. Holgers Hottehü sprühte über vor Freude und baute einige Freudensprünge ein – woraufhin Holger galant in einem 180 Gradbogen vom Pferd auf den Boden flog. Er tat sich nichts und flitze seinem Pferd hinterher. Dieses wiederum hatte keinen Bock auf fangen spielen und rannte zwischen den Sonnenschirmen herum. AAAAKKKKTION am Strand. Unnötig zu erwähnen, das die Touris dort ein wenig hektisch reagierten und von ihren Liegen sprangen. Alles in allem war es eine recht unterhaltsame Szene – ich war ja in Sicherheit, hihi. Ich rief Holger zu, er solle sein Hottehü in Ruhe lassen, damit es sich beruhigen kann und das tat er dann. Beide kamen getrennt beim Aushilfs-Cowby an, Holger stieg wieder auf und wir brachten die letzten paar hundert Meter ohne nennenswerte Zwischenfälle hinter uns. Den Rest des Tages hatte vor allem Holger sich etwas Erholung verdient und wir hockten am Pool und übten uns im Nichtstun. Ich sah die ein oder andere Libelle über den Pool schweben, versuchte sie im Auge zu behalten und zu verfolgen, was mir zahlreiche skeptische Blicke einbrachte – nur leider keinen Erfolg.

Der Abend verlief wie immer, essen, trinken, lesen, schlafen.... es ist nicht wirklich etwas besonderes passiert, von dem ich hier berichten könnte.

 

Tag 6 - Drachenhöhlen - verschenkte Zeit, verschenktes Geld, schön angeschiss......!

Auch dieser Tag war als Ruhetag geplant. So zumindest von Holger. Ich machte mich nach dem Frühstück auf den Weg zu den Drachenhöhlen, da ich auch dort noch einige schöne Bilder machen wollte. Nachdem ich in den anderen Höhlen ohne Blitz fotografieren durfte, war ich mir sicher, das auch dort zu dürfen. Denkste. Kaum hatte ich das Ticket in der Hand, wurde mir offenbart, das das Fotografieren verboten sei, auch ohne Blitz. Unnötig zu erwähnen, dass mit die Galle hochkam und ich am liebsten sofort mein Geld zurück gefordert hätte. Tat ich aber nicht. Ich dachte mir nur, dass die mich mal können und ich Fotos machen würde wann und wo ich will.

Das tat ich dann erstmal in der weitläufigen Gartenanlage. Kaum wurden wir in die Höhlengänge gelassen, musste ich einsehen, dass das mit dem Knipsen wohl nicht werden würde, alle paar Meter stand ein hektisch in der Gegend rumschauende Spion, der jeden zusammenschiss, den er beim Fotografieren erwischte. Dagegen war ich ja noch immun, was interessiert mich das... als dann aber so ein Wicht neben mir herlief und mich im Blick behielt, hatte ich echt Mordgelüste. Die ganze Aktion als verschenkte Zeit abgestempelt, wollte ich eigentlich nur noch zurück zum Hotel. Aber da kam erstmal noch das Minikonzert auf dem unterirdischen See innerhalb der Höhle. Und dieses konnte natürlich erst beginnen, nachdem die ca. 700 Leute endlich saßen – unnötig zu erwähnen, dass das eine ganze Weile dauerte! Es wurde also dunkel und einige Boote mit Musiker schipperte über den See. Zugegebenermaßen war das schon schön, nur das ewige Kindergequake störte die Harmonie „etwas“.

Nach der Darbietung durften wir dann entweder mit dem Boot über den See fahren oder einfach über den Steg gehen. Da ich schon dermaßen die Schnauze voll hatte, wählte ich den schnellen Weg und ging diesen auch äußerst schnell. Um genau zu sagen schneller als alle anderen – auch die Spione waren zu lahm, bäh! Und wer wollte mich vor dem Ausgang schon rausschmeißen? Lächerlicher ginge es ja kaum.... Ich machte also einige Fotos, die aber aufgrund der recht nüchternen Beleuchtung in der gesamten Höhle nicht so toll wurden und machte mich vom Acker. Der Fotoverkäufer am Ausgang war dann die Erklärung für das Fotoverbot, es reichte wohl nicht, 7 mal am Tag ca. 700 Leute (die alle 10,50 Euro zahlen) durch die Höhle zu schleusen, da muss man wohl auch noch Geld mit Fotoverkäufen machen. UNGLAUBLICH!!!

Ich fuhr also zurück zum Hotel und kam nicht ins Zimmer. Nix Holger, nix Schlüssel. Ich stotterte also irgendwas auf Spanisch und die Putzfrau ließ mich hinein. Kaum war ich im Zimmer, kam auch Holger. Er war am Strand gewesen und schwärmte von den Wellen dort. Auf die Frage, wie es bei mir war, antwortete ich nur: „Fotografieren verboten“! Mehr war nicht nötig, Holger schloss, dass ich in einer höchst angespannten Stimmung war.

Wir packten unsere Badesachen und gingen zum Strand. Da die Sonne mächtig bretterte, gönnten wir uns einen Sonnenschirm und zwei Liegen für einen unverschämten Preis. Die meiste Zeit verbrachten wir im Meer auf der Luftmatratze. Bzw. unter oder neben der Luftmatratze, da wir ständig runterflogen. So vergingen die Stunden und am Nachmittag fuhren wir zurück ins Hotel, hüpften noch in den Pool und nutzten die letzte Sonnenstrahlen des Tages. Bevor wir uns dann für das Essen fertig machten, brachten wir unser Auto zur Autovermietung zurück, für den nächsten Tag hatten wir unseren Schnorchelausflug mit dem Boot gebucht und deswegen das Auto gar nicht erst für 6 Tage gemietet.

An diesem Abend gingen wir leicht angekokelt ins Bett und hofften, nicht allzu schlimme Sonnenbrände abbekommen zu haben.

 

Tag 7 Familienkreuzfahrt – wohl kaum!

Da war er nun also, unser letzter Tag, schnief. Aber wir hatten ja noch einen tollen Ausflug geplant. Wir hatten uns ein Lunchpaket bestellt und bekamen dieses während des Frühstücks. Lecker fand ich das Käse-Sandwich nicht gerade – ICH HASSE KÄSE! – aber zum Fische füttern würde es schon reichen. Nachdem wir noch ein wenig am Pool gesessen haben, gingen wir kurz vor 11 Uhr los zum Hafen. Der Weg zog sich mächtig hin, wir waren aber trotzdem unter den ersten auf dem Steg. Unser Boot war ein großer Katamaran mit Fenstern unterhalb der Wasseroberfläche, so dass man auch die Unterwasserwelt betrachten konnte.

Bereits beim Einsteigen kam mir die ganze Sache ein wenig komisch vor. Es stiegen einige Leute aus, andere waren schon auf dem Deck und blieben auch dort und wir kamen nun hinzu. Ich belagerte gleich zwei Plätze an der Reling und schaute skeptisch in der Gegend herum. Was sollte denn das nun werden? Sammeln wir erstmal alle ein, bevor die „Familienkreuzfahrt“ beginnen soll? Hm....

Es dauerte nicht lange und wir steuerten den nächsten Hafen an. Wieder stiegen einige aus und andere ein. Unter den neuen Fahrgästen, die nun keine Plätze mehr an der Reling ergatterten, war deutlicher Unmut zu spüren und genau wie ich konnten sie kaum glauben, dass dies nun das Boot für unsere tolle Kreuzfahrt sein sollte. Ich hatte inzwischen schon so eine Ahnung, dass es das doch war! Nur überblickte ich das ganze Desaster noch nicht in all seinen Einzelheiten. Okay, Desaster mag ein wenig übertrieben sein, in Anbetracht unserer Laune aber irgendwie doch zutreffend. Die gesamte Fahrt ging genauso weiter, wie sie begonnen hatte: Wir fuhren von Hafen zu Hafen und immer erfolgte das Passagier-Wechsel-Spiel. So was habe ich noch nie erlebt, noch nirgendwo auf der Welt wurde ich so verscheißert, wenn ich eine Bootstour gebucht habe! NOCH NIEEE! Was denken sich diese Affen eigentlich dabei, eine Familienkreuzfahrt anzubieten und dann von Hafen zu Hafen zu tuckern, in einem Hafen auch noch fast ne halbe Stunde zu ankern und das dann als schöne Bootstour zu deklarieren?

Zu allem Überfluss waren die drei Stopps – während der man ja angeblich so toll schnorcheln konnte – auch noch genau dort, wo keine Felsen, Pflanzen und demnach auch kaum Fische im Meer waren. Meine Brote verfütterte ich also an die paar spärlichen Fischchen, die ich fand und das war´s. Nun ja, ich sparte mir die Beschwerde im Büro (Holger atmete daraufhin sicher auf :-) und wir versuchten trotzdem, den Ausflug als schönes Erlebnis in Erinnerung zu behalten. (Dieser Bericht zeigt, wie gut dieses Vorhaben geglückt ist!)

Auf dem Rückweg kauften wir noch den Osbourne für Mucki, ein paar Stangen Zigaretten und hielten in einer Eisdiele auf ein lecker Eis. Der Besitzer legte all seine Liebe in das Zerschnippeln der diversen Obstsorten und so erhielt ich einen riesigen Becher voller Obst und lecker Eis.

Im Hotel legren wir uns noch an den Pool – es war schon nach 18 Uhr – da keiner von uns den letzten Urlaubstag zu ende gehen lassen wollte. Aber irgendwann war es dann auch für uns Zeit ins Zimmer zu gehen und zu duschen. Nach dem Abendessen packten wir unsere Koffer und gingen schlafen.

Um halb 4 klingelte der Wecker. Nachdem wir uns gewaschen und angezogen hatten (klar, davor würde auch etwas merkwürdig sein), gingen wir mit unseren Sachen zur Rezeption, checkten aus und bald darauf stiegen wir auch schon in den Bus nach Palma. Während des Flugs schlief ich immer wieder ein, mein Sandwich trat ich an Holger ab und ans wir dann endlich in Berlin waren, war ich ziemlich groggy.

Das war das vierte Mal für mich auf Mallorca – jedoch das erste Mal zur Ferienzeit. Ich kann verstehen, dass Holger nicht so begeistert von der Insel ist wie ich es immer war. Im Sommer würde ich nicht mehr hinfliegen und auch wenn es ein schöner Urlaub war, ist meine Malle-Leidenschaft erstmal für eine Weile ad acta gelegt...