Rom 29.01.- 05.02.2006
Sonntag 29.1.06
Endlich war es soweit, Tom und ich machten uns auf den Weg zum Flughafen Stuttgart,
von dem unsere Reise nach Rom startete. Diesmal war Tom derjenige, der die Besichtigungstouren
geplant hatte und so war ich relativ planlos, was mich so erwarten würde.
Ja klar, ich wusste schon, dass ich wohl früher oder später mal am
Kolosseum vorbeikommen würde und auch die Spanische Treppe wohl auf einer
der von Tom geplanten Routen liegen würde aber das war es dann eigentlich
auch schon.
Kaum in Rom angekommen, hatten wir auch schon die ersten – zugegebenermaßen selbst verschuldeten – Probleme. Wir standen da und wollten eigentlich lieber mit dem Bus als mit der Bahn weiterfahren, um auch etwas von der Stadt sehen zu können. Toms Reiseführer spuckte sogar die Preise für eine Busfahrt aus, nur leider fehlte und der passende Bus dazu! Die Touristeninfo schickte uns zu einer Busgesellschaft, die einen Preis verlangte, der uns doch etwas erhöht vorkam und so schlappten wir voll beladen weiter. Wohl bemerkt erst, nachdem die nette Dame uns die Tickets ausgefüllt hatte, die wir dann dankend ablehnten (na ja, sie wird es überstanden haben…). Irgendwann hatten wir die gesamte Länge des Flughafengebäudes abgelatscht, jedoch keinen passenden Bus gefunden. Jeder, den wir nach einem Bus fragten, schickte uns zur Bahn und so sahen wir uns zur Kapitulation gezwungen und liefen zum Bahnhof.
Dort wartete Problem Nummer 2 auf uns – auch wieder Marke Eigenbau – ganz nebenbei erwähnt. Wir waren überzeugt, dass Rom eine Stunde Zeitverschiebung zu uns hatte und somit passten die gesamten Abfahrtszeiten der Züge irgendwie nicht zu der Zeit, die meine Uhr anzeigte. Da ich die Itaker jetzt aber doch nicht für ganz so blöde hielt, zog ich es doch eher in Erwägung, dass wir die Uhr vielleicht einfach so lassen sollten wie sie war. Unser Ticket versuchten wir dann verzweifelt in dem Automaten zu entwerten, bei allen Anderen piepte es laut (bei uns nicht), stellten jedoch irgendwann fest, dass unsere Art Ticket gar nicht entwertet werden brauchte… (hey, DAFÜR konnten wir aber diesmal nichts, woher soll ein doofer Touri das schließlich wissen!) Im Zug entdeckte Tom dann in seinem Reiseführer, dass es ja nur Busse vom anderen Flughafen gibt… egal, wir saßen ja inzwischen eh im Zug, der uns zum Bahnhof Termini brachte.
Kaum dort angekommen, stürmte ich erstmal den Supermarkt und kaufte etwas Wasser, Cola und Bier. Da die am Bahnhof verlaufende Strasse die Strasse war, in der sich unser Hotel befand, konnte da nicht wirklich etwas schief laufen, grins. Wir schleppten unser Gepäck also zum Hotel und waren wirklich positiv überrascht, was wir für unsere paar Euro so ergattert hatten.
Nachdem wir dann alles ausgepackt hatten, machten wir uns gleich auf dem Weg – wohin wussten wir nicht wirklich. Da an einer der ersten Kreuzungen ein Hinweisschild zum Kolosseum stand, hatten wir das Ziel des Abends gefunden. Wir liefen und liefen und plötzlich hörte ich nur: „Daaa isses!“ Tom lugte eine krumme Strasse entlang und freute sich tierisch, endlich „sein“ Kolosseum live zu sehen. Während er also andächtig davor stand und staunte, flitzte ich wie soll es anders sein, mit meinem Fotoapparat, durch die Gegend und knipste wie eine große. Wir liefen noch einen großen Bogen, einmal um das baufällige Objekt herum und machten uns dann auf den Rückweg. Inzwischen hingen unsere Mägen schon ziemlich durch und wir steuerten eine Pizzeria in unmittelbarer Nähe unseres Hotels an. Vollgefressen, tot müde und mit qualmenden Socken kehrten wir in unser Hotel zurück und freuten uns, endlich ins Bett fallen zu können.
Montag 30.1.2006
Obwohl ich die Nacht nicht sehr gut geschlafen hatte – es war viel zu
warm in unserem Zimmer – war ich um 8 Uhr wieder relativ fit. Tom, Dank
der recht weichen Matratzen über seine Rückenschmerzen klagend, hatte
die Nacht auch bereits für beendet erklärt und so machten wir uns
für das Frühstück fertig. Keine Minute zu früh, wie sich
herausstellte. Offensichtlich war unser Hotel auch die Herberge einer italienischen
Oberschulklasse, die bereits teilweise schnatternd an den Tischen saß.
Wir nahmen also einen Tisch in Beschlag und machten uns über die Brötchen
(welche größtenteils halb hohl waren), die Marmelade und den Kaffee
her.
Anschließend packten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg zur Station Termini, wo wir unsere Wochentickets kaufen wollten. Leichter gesagt als getan… Der Ticketautomat spukte nur sehr spärliche Informationen aus und so folgten wir den Metro-Schildern. Wir liefen und liefen, ein Laufband schloss sich dem vorigen an und wir wunderten uns schon, ob wir jetzt erst ganz Rom unterirdisch abklappern mussten, als endlich eine große Halle, welche eher einem Einkaufszentrum glich, in Sicht kam.
Da wir ja ein Ticket kaufen wollten, folgten wir den Hinweisschildern zum Ticketschalter. Das brachte uns dann wenig… eher gar nichts, da wir uns vor den Schaltern für längere Strecken wieder fanden. Schließlich wurden wir in einem kleinen Kiosk fündig und konnten unser Tagesprogramm beginnen. Wir fuhren die zwei Stationen bis zum Kolosseum und liefen von dort aus in Richtung Forum Romanum. Je näher wir unserem ersten Ziel kamen, desto stärker wurde der Nieselregen. Als wir dann endlich auf die Ausgrabungsstätte schauten, war der Regen so stark geworden, dass wir eine spontane Routenänderung für angebracht hielten.
Der Notplan hieß Museum! Tom zückte seine ausgearbeiteten touren, wühlte und suchte und verkündete dann, dass wir ins Nationalmuseum gehen. In meinem kopf leuchteten alle Alarmglocken… Tom und ich in einem Museum und ich hatte kein Buch dabei. Genau für diesen Fall hatte ich mir doch extra noch schnell einen Roman auf dem Flughafen gekauft, Toms Vorliebe für alte Steine – und diese AUSGIEBIG zu betrachten – ist mir ja seit längerem bekannt, grins. Naja, meine Befürchtungen hätte ich mir sparen können aber dazu später…
Wir suchten also nach einem Bus, der uns zum Platz Republik bringen würde und waren überraschend schnell erfolgreich dabei. Kurz darauf kletterten wir also aus der Linie 64 und schlappten los. Wir kamen zwar nicht am Museum an, dafür aber an jeder Menge Kirchen vorbei. Tom ließ es sich natürlich nicht nehmen, sich diese genauer anzuschauen uns erzählte mir immer etwas von Michelangelo. Ob er nun wirklich mit all den Kirchen etwas z tun hatte oder nicht, mein Herzallerliebster kam stets beeindruckt aus den meist viel zu spärlich beleuchteten Gebäuden heraus. Irgendwann entdeckten wir, dass wir genau die falsche Richtung eingeschlagen hatten und so kehrten wir um und schlappten zurück. Das Museum fanden wir dann auch, nur leider war es geschlossen. Jaaa, auch in Italien sind die Museen montags geschlossen. Somit war Plan B auch gescheitert. Plan C heckten wir in einem Minicafé bei einem Kaffee aus.
Tom zückte seine Zettel mit den Routen und verkündete mir, dass wir dann halt zurück zum Piazza S. Bernardo auf den und von dort aus starten. Das taten wir dann auch. Da wir gerade diese Strecke inzwischen mehr oder weniger freiwillig mehrere Male hinter uns gebracht hatten, brauchten wir ausnahmsweise mal keinen Stadtplan. Wir kamen an den alten Termen vorbei und schauten uns zur Abwechslung mal wieder eine Kirche an: Die S. Maria degli Angeli. Da das Teil ziemlich groß war und auch noch Informationstafeln ausgestellt waren, zog sich das ganze etwas in die Länge. Wer Tom kennt, der weiß, dass so was eine magische Anziehungskraft auf ihn auswirkt – ich bin da wohl der andere Pol. Irgendwann verließen wir die Kirche dann aber doch wieder. Ich hatte mich inzwischen mit der Karte auseinandergesetzt und war mir sicher, den Weg zu kennen. Naja, von kleinen „Unschärfen“ mal abgesehen… Jedenfalls kamen wir auf fast direktem Weg am Piazza Barberini an.
Unser Weg führte dann eine berauf verlaufende Strasse entlang. Nach ca. 100 Metern standen wir – na, wo wohl – vor einer Kirche. Wir stiegen die Stufen hinauf und stellten fest, dass dort gerade Mittagspause war. Tom machte ein langes Gesicht und erklärte mir, dass er da unbedingt hineinwollte, da es dort „eine Wand aus Menschenknochen“ gab. Darunter konnte ich mir jetzt nicht wirklich etwas vorstellen. Er wusste aber glaub ich auch nicht genau, was sein Reiseführer damit sagen wollte und um es herauszufinden, fehlte uns jetzt auch die Gelegenheit. Also schlappten wir den Berg (für mich Flachlandtiroler war es ein Berg, für andere wohl eher ein Hügel) weiter hinauf und staunten über die ganzen noblen Hotels und Restaurants, an denen wir so vorbeikamen. Die Via Vittorio Veneto war offensichtlich nicht für Leute mit kleinem Geldbeutel.
Am Ende der Strasse angekommen, fanden wir uns vor der Villa Borghese wieder. Ein kurzer Blick in den Park genügte uns jedoch, wir machten uns lieber auf den Weg zum Trevi-Brunnen. Dass das natürlich auch nicht wirklich auf Anhieb funktionierte, brauch ich wahrscheinlich nicht extra zu betonen. Wir liefen eine ziemlich schmale Strasse bergab, wurden das ein oder andere Mal fast über den Haufen gefahren und standen schließlich an einer Kreuzung, von der aus wir einen Obelisken sehen konnten. Das ließ ich mir als Ägypten-Freak nicht nehmen und so bogen wir von unserer Route ab und liefen die kleine Strasse entlang.
Da sich Toms Blase so langsam meldete, machten wir noch in einem kleinen Café Halt. Die Preise, ein lächerlicher Tee für 4 Euro, weckten in mir das Bedürfnis, sofort wieder aufzustehen und zu gehen. Toms Blase war jedoch anderer Meinung – er wohl auch – und so blieben wir und tranken den wahrscheinlich teuersten Tee unseres Lebens. Kurz darauf standen wir dann vor dem Obelisk. Soooo beeindruckend fand ich ihn dann auch nicht und da das Gebäude hinter ihm durch ein Baugerüst mit einem riesigen Plakat verdeckt war, stieg ich die Treppe vor dem Teil hinab.
An dieser Stelle lieferten Tom und ich uns die bis dahin peinlichste
Romaktion…
Da wir ja nun von der ursprünglichen Route abgekommen waren, wussten wir
gerade nicht, wo wir uns befanden. Mitten auf der Treppe stehend starrten wir
also auf unseren Stadtplan und suchten. Irgendwann entdeckten wir dann, dass
wir mitten auf der Spanischen Treppe standen! Tja jeder Andere läuft ewig
durch Rom und sucht die Treppe und wir stehen drauf und wissen es nicht einmal,
wie peinlich… Zu unserer Verteidigung muss ich aber sagen, dass ich schön
ein etwas größeres Objekt erwartet hatte! Das Teil war doch schon
etwas mickrig und die Baustelle direkt am Fuß der Treppe trug auch nicht
wirklich zur Verbesserung des Gesamteindrucks bei. Wir machten also dir obligatorischen
Bilder und ziemlich enttäuscht folgte ich dann Tom in Richtung Trevi-Brunnen.
Dort kamen wir dann ausnahmsweise ohne größere Probleme an. Auch der Platz davor, auf dem sich unzählige Touristen und fast noch mehr Einheimische, die einem irgendeinen Mist verkaufen wollten, drängten, war kleiner als ich erwartet hatte. Wir liefen ein wenig rum, machten Fotos und machten und dann auf den Weg zur Piazza del Quirinale. Angekommen sind wir da nicht wirklich… Egal, es wurde halt ein Bummel durch die Strassen daraus und das war auch egal. Nach einer Weile setzte die Dämmerung ein und wir berieten, was wir nun machen könnten. Tom kramte noch einmal seine Rundgänge heraus und verkündete mir, dass wir ja noch
Dienstag
An diesem Tag hatten wir etwas mehr Glück mit dem Wetter. Die Sonne strahlte
und wir machten und gut gelaunt auf den Weg zum Vatikan. Diesmal starteten wir
ohne nennenswerte Probleme: Wir fanden sofort den richtigen Bus und fuhren zum
Vatikan. Während Tom Fotografierenderweise über den Petersplatz raste,
fragte ich mich, ob der Weihnachtsbaum und die überdimensionale Krippe
mitten auf dem Platz wohl bis nächste Weihnachten dort stehen bleiben würden…
Anschließend reihten wir uns in die Warteschlange zum Petersdom ein. Allen
Befürchtungen zum Trotz ging das ganze sehr schnell, wir liefen durch die
Metallpiepsis und konnten dann weiter. Als erstes wollten wir auf die Kuppel.
Ich erinnerte mich, dass unser Freund Tommy mir geraten hatte, nicht den Fahrstuhl
zu nehmen, da dieser sowieso nur einen geringen Teil der Strecke zur Verfügung
stand und man den Rest eh laufen müsste. Nachdem wir die Ankündigung
der Stufenanzahl lasen, waren wir aber doch etwas entsetzt: 320 Stufen mit Fahrstuhl
und über 500 wenn man alles läuft!
WIR LIEFEN. Halt: Wir schnaubten und keuchten… Nee, ganz so schlimm war es dann auch nicht aber zwischendurch war der Platz in der Wendeltreppe so spärlich, dass ich mich fragte, ob auch schon mal jemand stecken geblieben ist, grins. Der erste Zwischenstop war auf dem Dach und der zweite innerhalb des Doms, wo man auf einem Rundgang auf die Menschen in Miniaturgröße hinabschauen konnte. Tom starrte aber lieber die ganze Zeit hinauf zur Kuppel machte unzählige Bilder. Irgendwann gingen wir dann weiter und brachten auch die letzten Stufen hinter uns. Der Ausblick von der Kuppel ließ uns die ganzen Stufen jedoch schnell vergessen. Wir staunten, machten Bilder und quetschten uns dann wie alle anderen wieder durch die enge Wendeltreppe hinunter.
Dass wir direkt im Dom herauskamen, kam Tom ganz gelegen, er zückte seine Knipse und war sofort in seinem Element. Ich schlappte durch den Dom, schaute mir alles mehr oder weniger genau an und sendete Stoßgebete zum Himmel, dass Tom sich nicht ganz so lange in diesem Gebäude aufhalten würde, wie ich es befürchtete. Meine Gebete wurden erhört. Wir beschlossen, uns auch noch dir Gräber der Päpste anzuschauen. Irgendwie kam mir das dann schon etwas komisch vor. Auf der einen Seite hockten Gläubige auf dem Boden und waren in ihre Gebete vertieft, während sich andere vor dem Grab von Johannes Paul II um den besten Fotografierplatz drängelten … das fand dann sogar ich etwas makaber.
Demenstsprechend schnell verließen wir diese Gänge dann
auch wieder. Zurück auf dem Petersplatz ließ Tom es sich natürlich
nicht nehmen, noch ein paar Fotos zu schießen. Ich schaute mich nach einer
Sitzgelegenheit um… denkste… nada. In der Mitte des Platzes stand
nur die von einem Zaun eingegrenzte Krippe. Der Zaun wurde zwar von einigen
Leuten als Bank missbraucht, ich dachte jedoch, dass es sicher lieber gesehen
wird, wenn man sich nicht auf den Zaun setzt. Also setze ich mich davor auf
den Boden. Das war wohl keine gute Idee. Es dauerte keine zwei Minuten, da kam
ein zum Polizeiauto umfunktioniertes Golfautochen und die Politessen machten
deutlich, dass ich aufzustehen hatte. Da hatte ich dann ja echt die Schnauze
voll. Ich war mir nicht bewusst, dass mein unheiliger Hintern nicht auf dem
heiligen Platz sitzen durfte. So stand ich also auf und kletterte, wie alle
anderen, auf den Zaun!
Anschließend wollte Tom noch gerne zur Sixtinischen Kapelle. Die war aber
schon geschlossen. Wir schauten uns die unzähligen Souvenirläden an,
kauften ein paar Megabillige Postkarten und liefen planlos in der Gegend herum.
Nachdem wir in einem kleinen Café etwas getrunken hatten, machten wir
uns auf den Weg zur Engelsburg. Irgendwie war mein Besichtigungsdrang an diesem
Tag nicht sehr ausgeprägt, der Vatikan hätte mir eigentlich gereicht…
Aber auch bei Tom stellte sich eine leichte Lethargie ein. Wir hockten uns an
den Tiber, knabberten an unseren Stullen und genossen die Sonne.
Da keiner von uns beiden den Eintrittspreis für die Besichtigung der Burg zahlen wollte, schlenderten wir noch ein wenig durch die kleinen Gassen in dem Viertel. Dass wir dabei an unzähligen Kirchen vorbei kamen, die Tom natürlich ausgiebig besichtigte, muss wohl nicht extra erwähnt werden, grins.
Dieser Bericht endet an dieser Stelle. Da der Urlaub nun schon über ein Jahr zurück liegt und ich während dieser Zeit keine Muße hatte ihn zu vollenden, lass ich es einfach. Ich bin eh keiner von den Menschen, die sich jedes alte Gebäude, an welchem sie vorbeischlappen, merken und sich auch noch den Namen einprägen. Rom war interessant und ich werde sicher irgendwann noch einmal dorthin fliegen aber ich denke nicht, dass ich noch einmal so einen Gebäude- und „alte-Steine-Marathon“ hinlegen werde, bei dem ich abends kaum noch weiß, wo ich war…